[gehör] Die Tribute von Panem X. Das Lied von Vogel und Schlange von Suzanne Collins

© Oetinger-Audio
Die Tribute von Panem X
Das Lied von Vogel und Schlange
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Suzanne Collins
erschienen im Mai 2020
993 min
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Oetinger

Langweilig und unnötig

Es sind die 10. Hungerspiele. Erstmals werden Mentoren eingesetzt, Schüler, die sich durch den Sieg ihres Tributes Vorteile erarbeiten können. Der 18-jährige Coriolanus Snow ist einer dieser Mentoren. Für ihn und seine Familie wäre ein Sieg wichtig, doch Snow sieht seine Chancen schwinden, als ihm ein schmächtiges Mädchen zugeteilt wird…

Kürzlich habe ich die Panem-Trilogie gelesen. Nun war ich zwar einerseits neugierig auf die Vorgeschichte, aber ich war auch von Beginn an skeptisch: Ich mochte Snow in der Reihe nicht. Ich weiß bereits, wozu er fähig ist. Egal, was ihm passiert ist, nichts könnte ihn nun irgendwie sympathisch machen.

Und so hatte ich auch die komplette Geschichte meine Probleme mit ihm. Meist konnte ich weder sein Handeln noch seine Gedanken nachvollziehen.
Ja, er hatte es nicht leicht und für manche Taten und Ansichten hat er Gründe, aber nichts davon rechtfertig das menschenverachtende, egoistische, kaltherzige Verhalten, das er durchweg an den Tag legt. Und es ist nicht so, dass hier erst Dinge passieren, die ihn zu diesem herzlosen Menschen machen – er ist es schon von Beginn an. Nicht nur den Tributen gegenüber. Auch bei seinen vermeintlichen Freunden schreckt er vor nichts zurück, wenn er für sich selbst einen Nutzen daraus ziehen kann.

Wie die Tribute behandelt werden, ist durchweg grausam. Bereits in der Trilogie sind die Verhältnisse schlimm – aber erst in der Arena. Hier fängt die Quälerei direkt nach der Ernte an. Wie Tiere im Zoo werden sie zur Schau gestellt, bekommen kein Essen, keine medizinische Versorgung…

Snow hinterfragt dieses Vorgehen nicht. Im Grunde macht er es sogar noch schlimmer. Er ist durchweg auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Es gibt nur kurze Momente, in denen er sich ehrlich vorrangig um sein Tribut sorgt.

Interessant ist, wie sich die Spielen in dieser etliche Jahre zurückliegenden Episode zu verändern beginnen. Snow ist nicht unbeteiligt an zahlreichen Entwicklungen, die wir dann bei den späteren Spielen um Kat wiedererleben werden.

Zwar gibt es einige spannende Momente, insgesamt ist die Geschichte aber eher zäh. Und grausam. Aber nicht zwingend vorhersehbar: Sowohl das Verhalten einiger Tribute, als auch der Spielmacher konnte mich immer mal wieder überraschen. Auch die Entwicklungen am Schluss habe ich nicht erwartet. Tatsächlich begeistern konnten sie mich dennoch nicht.
Besonders anstrengend empfand ich es beim Hören, dass mehrfach die komplette Liste an Mentoren und Tributen heruntergebetet wurde.

Fazit

Zäh und extrem brutal. Wer dachte, die Hungerspiele, wie Kat sie erlebt, wären schlimm, bekommt hier nochmal eine ganze neue Form der Grausamkeit. Mit Snow konnte ich einfach nichts anfangen, ich habe ihn für die meisten seiner Taten gehasst. Mitleid, wenn es mal schlecht für ihn lief, konnte ich ganz sicher nicht empfinden… Zwar ist es irgendwie interessant, in die Vergangenheit zu blicken, in der ein entscheidender Entwicklungsschritt für die Spiele gemacht wurde, die Story an sich aber hätte es für mich nicht gebraucht.

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4 Gedanken zu „[gehör] Die Tribute von Panem X. Das Lied von Vogel und Schlange von Suzanne Collins“

  1. Guten Morgen Anja!

    Das ist echt schade, dass du mit der Geschichte um Snow nicht so viel anfangen konntest.
    Ich fand schon dass man Rückschlüsse ziehen konnte, warum er so ist. Seine Kindheit war ja geprägt von Hunger und Angst – dazu seine „reichen“ Eltern die ihn geprägt haben für das Bild seiner Mitmenschen… da wir das alle nicht erlebt haben können wir schwer beurteilen, wie man nach so langen Jahren der Lieblosigkeit und Propaganda reagieren würden.
    Natürlich finde ich sein Verhalten verkehrt und natürlich gibt es Menschen, die ihren Charakter anders entwickeln – aber eben nicht alle. Ist ja in der heutigen Gesellschaft leider auch so. Aber was die Einflüsse von außen einer Kinderseele antun können ist ja bekannt und was dann jeder daraus lernt bzw. wie er dann heranreift und seine Sicht auf die Welt ändert ist für jeden individuell. Deshalb konnte ich schon nachvollziehen, WARUM er so handelt.

    Liebe Grüße, Aleshanee

    1. Hallo Aleshanee,
      mir ist natürlich total klar, dass das Buch nicht so ausgelegt war, dass man Snow hätte mögen sollen. Prinzipiell kann ich alles nachvollziehen, was du schreibst. Und dennoch finde ich, es hätte genug Ansätze gegeben, wo er hätte Umdenken können – egal wie sehr ihn seine Eltern geprägt haben und wie schwierig seine Kindheit war. In der Familiensituation, in der er sich nun befindet, erfährt er positive Momente. Verschiedene Menschen reichen ihm immer wieder die Hand. Aber er entscheidet sich am Ende immer nur für sich. Auch an seiner Cousine sieht man ja, dass es auch anders möglich gewesen wäre. Und daher konnte ich es halt meist nicht nachvollziehen.
      Unabhängig von meinem Unwillen Snow gegenüber fand ich die Story aber halt insgesamt auch sehr zäh.
      Viele Grüße
      Anja

      1. Ansätze zum Umdenken gibt es natürlich, aber das können manche Menschen einfach nicht. Das sieht man ja heute auch in der Gesellschaft. Da liegt oft einfach zu viel im argen, aber da können wir halt nicht reinschauen, in diese Leute. 😉

        1. Das stimmt schon, mit diesen Leuten beschäftige ich mich dann aber auch nicht freiwillig … wie viele Stunden hatte das Hörbuch nochmal? Zu viele auf jeden Fall 😉

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