[gelesen] Game Changer – Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, alles falsch zu machen von Neal Shusterman

Rezensionsexemplar

© Fischer
Game Changer
Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, alles falsch zu machen
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Neal Shusterman
erschienen im Oktober 2021
416 Seiten
.
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Fischer Sauerländer

wie kleine Veränderungen in der Vergangenheit große Auswirkungen auf eine ganze Gesellschaft haben können…

Stell Dir vor, du könntest die Welt verändern … Welche Entscheidung triffst Du?
Ash ist ein weißer, heterosexueller cis-Junge aus der Mittelschicht. Er hält sich selbst für einen guten Kerl, aber nicht gerade für den Mittelpunkt des Universums. Bis er eines Freitags in eine andere Dimension katapultiert wird, in der er genau das ist – der Mittelpunkt des Universums! Damit verfügt ausgerechnet Ash nun über die Macht, die Welt zu verändern. Doch irgendetwas geht schief, und Ash führt – aus Versehen – die Rassentrennung wieder ein. Natürlich will er das wieder geradebiegen, aber: Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, alles falsch zu machen. Klappentext: © Fischer

Scythe, Dry und Vollendet 1 fand ich super. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen an Game Changer – vielleicht ein wenig zu hoch…
Dabei fand ich den Ansatz ganz spannend, letztlich kam die Handlung für mich aber nicht so richtig in Fahrt.

Schon der Klappentext weckte bei mir falsche Erwartungen. Denn es ist keineswegs so, als könnte Ash tatsächlich bewusste Veränderungen vornehmen. Viel mehr stolpert er von einer Version seiner Realität unkontrolliert in die nächste. Und jedes Mal wird die Welt etwas übler.

Dabei strotzt die Geschichte nur so vor Gesellschaftskritik. Es wird nahezu jeder denkbare Aspekt herangezogen: Rassentrennung, rassistisch motivierte (Polizei-)Gewalt, Homophobie, Gewalt in Beziehungen, Geschlechterungerechtigkeit…
Unglaublich viele Themen, für die meisten war aber gar nicht genügend Raum. Es wirkt, als hätte so viel Kritik wie möglich in die Geschichte passen müssen. Dies ging aber zulasten der Handlung.

Einerseits fand ich es durchaus interessant, Ashs Weg zu verfolgen. Nach jedem Sprung muss er sich neu orientieren und herausfinden, was sich verändert hat. Dabei macht er viele Erfahrungen, die ihm in seinem normalen Leben verwehrt geblieben wären. Er bekommt einen anderen Blick auf die Gesellschaft und kann nun beispielsweise besser verstehen, warum sein schwarzer Freund so oft über versteckten Rassismus empört war.
Er erlebt sich im Umgang mit seinen Freunden anders. Entwickelt ein anderes Verhältnis zu seiner Familie. Dabei gibt es Dinge, die ihm in anderen Realitäten durchaus gefallen. Aber ist eine davon es wirklich Wert, darin weiterzuleben? Ash, der zwar Ungerechtigkeiten wahrgenommen, aber auch oft hingenommen hat, befindet sich plötzlich in der Rolle, aktiv handeln zu wollen/müssen. Aber auch das erweist sich oft als gar nicht so einfach.

Andererseits zog sich die Handlung für mich aber auch sehr. Weil es gar keine richtige fortlaufende Handlung gibt. Es ist eher eine Aneinanderreihung einzelner Episoden. Manche wirklich aufregend oder gefühlvoll, andere halt weniger.
Kaum hat Ash sich in einer Welt orientiert und die Geschichte beginnt spannender zu werden, wird Ash wieder herausgerissen und der ganze Prozess der Einfindung beginnt erneut. Dadurch passiert letztlich nicht so richtig viel.
Die Storyline darüber, wie Ash die Sprünge ausführt und Veränderungen zu beeinflussen versucht, fand ich eher wirr und weniger interessant.

Und auch das Ende überzeugt mich leider nicht.

Fazit

So aufregend es für Ash ist, sich in den neuen Realitäten zurechtzufinden, so frustrierend fand ich es mit der Zeit, immer wieder von Neuem zu starten und zu jeder Realität die verschiedenen Hintergründe zu erfahren. Dabei sind viele von Ashs Erlebnissen durchaus interessant. Seine neue Wahrnehmung auf die Welt und ihre Probleme regt definitiv zum Nachdenken an und sensibilisiert für verschiedene Themen, indem Missstände aus einer neuen Sicht aufgezeigt werden. Allerdings wirkt es auf mich, als hätte so viel Gesellschaftskritik wie möglich in die Geschichte gemusst und viele Themen bekommen recht wenig Raum.

Ich danke dem Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

 

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8 Gedanken zu „[gelesen] Game Changer – Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, alles falsch zu machen von Neal Shusterman“

  1. Hallo Anja,

    hm..hm…ich bin ja ein Fan von Neal Shusterman seit der ersten Stunde spricht …Reihe “ Vollendet“ .
    Da gab es, aber nur ein bestimmendes Thema..“Organspende“ und ihre Folgen usw.

    Deshalb erst einmal Danke für Deine Meinung…da muss ich als Leserin einmal schauen, was andere Blogger so
    schreiben.

    LG..Karin..

  2. Guten Morgen Anja,

    mh schade, das klingt jetzt nicht so toll, wenn es nicht vorwärts geht und es am Ende auch nicht so ganz rund ist…
    Ich werd wohl noch ein bisschen abwarten und dann mal gucken, ob ich mich auch an die Geschichte wage…

    Liebe Grüße,
    Steffi vom Lesezauber

    1. Hallo Steffi,
      uneingeschränkt empfehlen kann ich es gerade leider nicht. Die verdrehte Sicht auf die vielen sozialen Probleme ist schon super interessant. Wenn es halt ein wenig mehr Story und dafür ein paar weniger Themen gegeben hätte…
      Viele Grüße
      Anja

  3. Schönen guten Morgen!

    Mittlerweile hab ich es ja auch gelesen und auch ich bin nicht so ganz zufrieden damit.

    Allerdings fand ich schon, dass die Themen relativ viel Raum gehabt haben, denn er hat sich ja schon nach jedem Sprung eingehend damit beschäftigt. Vor allem Rassendiskriminierung, Homophobie und Geschlechterungerechtigkeit, wie du sie so schön benannt hast. Das waren die Hauptprobleme die für mich doch recht deutlich ihren Platz hatten.

    Layton und Katies Beziehung, da hab ich immer wieder überlegt, warum das so am Rande mitspielt, aber das haben wir ja dann am Ende erfahren.

    Mich hat es ja ein bisschen an „Die Mitternachtsbibliothek“ von Matt Haig erinnert, wo Nora auch verschiedene parallele Leben sozusagen ausprobiert und in verschiedene Rollen ihres „Ichs“ schlüpft. Da war es ja noch viel viel kürzer, oft nur ein paar Seiten, bis sie wieder weitergesprungen ist. Dafür hat sich der Autor hier ja doch Zeit genommen.
    Allerdings fehlt mir der Hintergrund, auch wenn ich am Ende zu einer Grundaussage kam, fehlte mir oft der Sinn hinter dem ganzen.

    Liebste Grüße, Aleshanee

    1. Hallo,

      für mich hätten sogar diese drei großen Themen noch etwas ausführlicher sein dürfen. Und gefühlt hat Ash an jeder Ecke noch einen neuen Misstand aufgedeckt, um den er sich eben nicht mehr kümmern konnte. Als rund empfand ich die Story daher nicht, gerade auch wegen der verdrehten Hintergründe zu den Sprüngen. Zu viel, zu schnell…

      Die Mitternachtsbibliothek kenne ich bisher nicht. Und nach dem, was du jetzt im Vergleich beschreibst, reizt sie mich auch gerade gar nicht so sehr. Noch mehr Sprünge brauche ich wirklich nicht 😉

      Viele Grüße
      Anja

  4. Hallo liebe Anja,

    mir ist auch aufgefallen, das Shusterman in seinem Buch sehr viele Themen unterbringen möchte und auf die Probleme seiner Figuren auch nicht unbedingt eine Lösung findet.

    Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass der Autor vieles hatte, was ihn beschäftigt, dass er auch dem Leser vieles mitteilen möchte.

    Ich fand es gar nicht schlimm, dass Shusterman viele Fazetten von Diskriminierung aufzeigt.
    Ich fühlte mich allerdings verwirrt, wenn die Geschichte einerseits eine Richtung einnimmt, bei der man motiviert werden soll etwas gegen Probleme zu unternehmen und andererseits auch wieder anhand von Ash gezeigt wird, dass es nahezu hoffnungslos ist eine wirkliche Lösung herbeizuführen.

    Liebe Grüße
    Tanja

    1. Hallo Tanja,
      ich fand es grundsätzlich auch nicht schlimm, dass so viele Facetten drin sind, hätte mir aber halt gewünscht, dass dann alle auch endsprechend Raum bekommen. Weniger wäre für mich in dem Fall mehr gewesen, wobei die Geschichte halt ja leider insgesamt nicht so ganz rund war. Dass Ash zu wenig aktiv Einfluss nehmen konnte, war eins meiner Probleme…

      Lieben Gruß
      Anja

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