[gelesen] Ravenhall Academy 1. Verborgene Magie von Julia Kuhn

Rezensionsexemplar

© Impress (Carlsen)
Verborgene Magie
Ravenhall Academy 1
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Julia Kuhn
erschienen April 2023
416 Seiten
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Impress (Carlsen)
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Auftakt mit Schwächen

Lillys Zukunftspläne standen eigentlich schon fest: sie wollte mit ihrer besten Freundin Anny Literaturwissenschaften in London studieren. Voller Vorfreude haben die beiden die kommende Zeit geplant, sich auf den gemeinsamen Umzug und alles, was sie erwarten wird, gefreut. Doch dann kommt es ganz anders. Bei einem Besuch bei ihrer Grandma erfährt Lilly davon, dass sie in einer Hexenfamilie geboren ist und sie diejenige von den Zwillingsschwestern ist, die ebenfalls Magie in sich trägt. Um den Umgang mit ihren Kräften zu erlernen und mehr über die magische Welt, andere Wesen, Heilkräuter und Zaubersprüche zu erfahren, soll Lilly fortan auf die Ravenhall Academy gehen. Verlieben stand eigentlich auch nicht auf dem Stundenplan, aber Jason übt eine starke Anziehungskraft auf die Siebzehnjährige aus, unproblematisch sind ihre Gefühle allerdings nicht.
Außerdem scheint manches an der Academy nicht mit rechten Dingen zuzugehen, es gibt unerwartet viel Zulauf für die Krankenstation und auch einige der Gespräche, die Lilly belauscht, klingen alles andere als vertrauenerweckend.

Der Auftakt der Dilogie lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Einige Punkte der Geschichte haben mir wirklich gut gefallen, die Verstrickungen, die sich zum Ende hin verdichten, machen neugierig auf den zweiten Band, es gab aber auch Handlungselemente, die mir nicht ganz so zugesagt haben und Aspekte, die sich mir (bisher) nicht ganz erschlossen haben.

Das Buch hat sich flüssig lesen lassen. Zwischendurch gab es kleine spannendere Momente, weite Teile der Handlung wirken aber doch recht ruhig, weil man erst mal die Welt der Hexen, die Gepflogenheiten an der Schule und die ganzen neuen Leute kennenlernt. Es zieht sich nicht unbedingt, aber es ist jetzt auch nicht so, dass für mich ein Sog entstand, dass ich unbedingt weiterlesen wollte. Die Ereignisse, die Sorge bereiten und für etwas mehr Aufregung sorgen, werden nicht so richtig intensiv verfolgt bzw. eben nicht von der Protagonistin und daher wird es eher ausgeblendet, was schade war, weil ich das sehr interessant gefunden hätte. Die Einblicke in den Ablauf an der Schule fand ich an sich zwar interessant, mir waren aber einige der Lehrmethoden doch etwas suspekt (z.B. ein Mal angeschaut und dann könnt ihr es bitte…) und vorallem war das alles immer super schnell abgehandelt. Länger als 10 Minuten scheinen manche Unterrichtsstunden nicht zu gehen. Klar kann man nun auch nicht 45 Minuten in aller Ausführlichkeit beschreiben, aber irgendwie war es doch alles sehr fix, dafür, dass die da was von mitnehmen und lernen sollten. Einblicke in die Dinge bekommt man aber trotzdem und eine grobe Vorstellung davon, wie das eine oder andere funktionieren könnte. Anderes hat sich mir nicht ganz erschlossen. Auch habe ich mich gefragt, wie gut es wohl funktioniert, wenn man die alle mit sehr unterschiedlichem Wissensstand da in den Klassen mischt. Lilly wusste ja nun gar nichts, aber die meisten anderen sind ja offen mit Magie und so weiter aufgewachsen und kennen daher schon deutlich mehr. Selbst wenn sich die Magie eben nicht mit der Geburt sofort entfaltet, fand ich das System stellenweise etwas seltsam.
Die Beschreibungen vom Handlungsort haben mir gut gefallen, man konnte sich die Academy mit der Umgebung gut vorstellen, was immer wieder für eine tolle Atmosphäre gesorgt hat. Zu Beginn des Buches gibt es eine Karte für die Orientierung und auch eine Auflistung von einigen Zaubersprüchen. Eine tolle Idee, im Print sicher auch super, im eBook war es allerdings so klein, dass ich es kaum lesen konnte.
Toll fand ich die Auszüge aus dem Grimoire, die immer wieder Einblicke in die Hexenwelt geben und auch manche Zusammenhänge erklären und besser greifbar machen. Diese befanden sich jeweils zu Beginn der Kapitel. Zwischendurch gab es auch mal kleine Auszüge aus Büchern, zur Geschichte der Hexen und solchen Dingen. Davon hätte es gern noch mehr geben können, damit hätte sich bestimmt dann auch noch mehr erschlossen.

Durch die Ich-Perspektive lernt man hauptsächlich Lilly kennen, allerdings fand ich, bleibt es manchmal eben doch auch noch ziemlich an der Oberfläche. In manchen Gesprächen taucht man dann etwas tiefer in ihre Vorgeschichte und Empfindungen ein, insgesamt blieb sie mir aber fast noch etwa zu blass, obwohl man ja die gesamte Zeit mit ihr unterwegs ist. Auch die Charaktere in ihrem Umfeld erlangen nicht unbedingt eine große Tiefe. Am meisten erfährt man noch über Jason und Elanor, die sie auf der Academy kennenlernt. Abgesehen von ihrer Grandma spielen die Personen aus ihrem Leben vor der Academy keine wirkliche Rolle mehr, was ich teilweise nicht ganz so glaubwürdig fand. Die paar kleinen Gedanken, die sie daran zwischendurch mal verschwendet, waren mir irgendwie zu wenig. Allgemein hat sie unglaublich schnell akzeptiert, dass sich ihr Leben nun eben komplett ändert. Besonders wenn man bedenkt, dass sie bei ihrer Ankunft bei ihrer Oma sehr naiv war, alle Hinweise und Andeutungen in diese Richtungen strickt von sich gewiesen hat oder einfach nicht wahrnehmen wollte, da es Magie ja nun wohl eben nicht gibt. Hinterfragt hat sie das alles erst mal nicht, obwohl man tausend Fragen hätte haben sollen. Und eigentlich wollte sie ja auch nur ein paar Wochen bleiben und nicht zwei Jahre. Wirklich erschlossen hat sich mir auch nicht, wieso ihr niemand vorher mal was gesagt hat.

Dass Lilly sich (sehr zügig) in jemanden verliebt, den sie dann nicht haben kann/darf, ist sicher ein beliebtes Motiv in Romantasy-Geschichten und hat viele Fans. Ich hätte es auch schön gefunden, wenn es einfach mal anders gewesen wäre. Abgesehen davon, dass ich auch hier noch Fragezeichen zu im Kopf habe, die ich aus Spoilergründen jetzt nicht näher definiere. Es wurden insgesamt im Buch auch so einige Klischees bedient, die für mich jetzt nicht alle hätten sein müssen.
Es gibt einige Parallelen zu Harry Potter, manche werden ganz offen angesprochen, andere sind vermutlich dann eher im Text versteckt. Da ich die Bücher nicht kenne, kann ich darauf aber keinen Bezug nehmen. Mich hat es jetzt nicht gestört, wie viel da aber nun gleich oder ähnlich war, weiß ich eben auch nicht.
Gut gefallen haben mir die verschiedenen tierischen Begleiter der Hexen und Hexer, zu denen sie eine besondere Bindung haben und diese im Verlauf auch noch stärken.

Am Ende des Buches bin ich schon neugierig, wie es weitergeht und für was es noch alles Lösungen geben wird. Zwischendurch gab es ein paar Momente, die Spannung erzeugt und Fragen aufgeworfen haben, weitere Strecken waren eher ruhig oder auf die Emotionen fokussiert, die nicht ganz unproblematisch sind. Manche der Gespräche haben mir sehr gut gefallen, weil man da mal etwas mehr Tiefe erzeugt und mehr zu den Figuren erfährt. Viele Dinge wurden mir etwas schnell abgehandelt, manches rund um die Magie und das gesamte System erschließt sich mir irgendwie noch nicht so richtig. Da dürfte es im zweiten Band gern mehr zu geben, ich fürchte aber, dafür wird vielleicht gar nicht so viel Raum sein, weil es sich mehr um die anderen Aspekte drehen wird, die da jetzt zum Schluss noch aufgeworfen wurden bzw. noch nicht zufriedenstellend bearbeitet sind.

Fazit

Ein Auftakt, der interessante Elemente enthält, mir insgesamt aber zu sehr an der Oberfläche blieb. Manche Dinge empfand ich als nicht so richtig logisch oder konnte sie einfach noch nicht greifen oder nachvollziehen, weil man dafür teilweise noch zu wenig weiß. Das Setting und die Hexenkräfte haben mir gefallen. Im Moment denke ich, ich werde auch den zweiten Band der Dilogie lesen, auch wenn ich einige Kritikpunkte hatte.

Ich danke dem Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

6 Gedanken zu „[gelesen] Ravenhall Academy 1. Verborgene Magie von Julia Kuhn“

  1. Hallo liebe Dana 🙂

    Deine Rezension bestätigt, was ich nun schon mehrfach über das Buch gelesen habe. Die vielen eher durchwachsenen Meinungen haben bei mir leider dafür gesorgt, dass die Geschichte noch immer ungelesen in meinem Regal steht. Ich hoffe sehr, dass ich bald den Mut dazu finde, einen ersten Blick ins Buch zu werfen!

    Liebe Grüße
    Lisa von Prettytigers Bücherregal (Blog & Instagram)

    1. Hallo Lisa,
      ich hatte im Vorfeld auch schon mitbekommen, dass die Meinungen verschieden ausgefallen sind, obwohl ich mich gar nicht sooo intensiv damit befasst hatte. Es gibt ja aber auch viele, die sehr begeistert sind. Damit ist es ja für jeden dann offen, wie er es empfindet 😉 Aber klar kann es sein, dass einen ähnliche Sachen stören könnten. Und trotz der Kritik bin ich nicht abgeneigt, den zweiten Band zu lesen, um zu wissen, wie es ausgeht. Wenn es mehr als zwei Bände wären, wäre es vielleicht was anderes. Abschließend beschlossen habe ich das aber auch noch nicht. Bis zum Herbst ist ja auch noch etwas Zeit 😉
      Ich drücke dir die Daumen, dass dir das Buch beim Lesen dann einfach noch etwas besser gefällt als mir. Es hat sich zumindest flüssig lesen lassen, trotz meiner Kritikpunkte.
      Liebe Grüße,
      Dana

  2. Hallo liebe Dana,

    das Buch war ja wirklich groß angekündigt, aber schon schnell nach Release gab es viele ähnliche Stimmen, wie deine. Ich habe das Buch schon auf dem SuB, aber das Lesen stelle ich wohl einfach noch weiter hinten an 😀 Was du beschreibst, lässt mich jetzt nicht direkt nach der Geschichte greifen 😀

    Liebe Güße
    Jenny

    1. Hallo Jenny,
      ich hatte auch mitbekommen, dass es da gemischte Stimmen gab, obwohl ich nicht so bewusst gesucht hatte, um mich nicht so sehr zu beeinflussen. Es führte aber auch dazu, dass ich es in der Leseplanung dann etwas nach hinten geschoben hatte, aber ewig ging eben auch nicht 😉
      Eigentlich schon schade, dass man dann nicht so begeistert war, wie man gehofft hatte, nach der großen Ankündigung, aber es ist jetzt auch nicht so, das sich nicht neugierig wäre, wie es weitergeht. Vielleicht gefällt dir das Buch beim Lesen ja auch bessre, als mir. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was du dann sagen wirst.
      Liebe Grüße,
      Dana

  3. Huhu Dana,
    mit den Harry-Potter-Elementen und den tierischen Begleitern hast du sofort mein Interesse geweckt. Klischeelastig darf es für mich gerne sein, wenn es denn gut gemacht ist. Ich verstehe deine Kritikpunkte bzgl. der sich schnell entwickelnden Gefühle in der Romanze gut. Auch über diesen Kritikpunkt kann ich hinwegsehen, wenn denn der Rest stimmt. Gerade bei einer komplexen Fantasystory habe ich zum Teil Verständnis dafür, dass der/die AutorIn eben nicht alles detailliert behandeln kann.

    Allerdings scheint es hier doch einige Stellen gegeben zu haben, die vernachlässigt wurden. Das finde ich schade und das hätte mich mit Sicherheit auch gestört. Insbesondere das, was du über die magischen Lehrstunden berichtest.

    Ich verstehe auch, dass manche Dinge noch nicht ausgeführt wurden. Eben weil es sich ja um eine Reihe handelt. Ich verstehe aber anhand deiner Beschreibungen nur zu gut, was du meinst, wenn du über gewisse Logiklücken sprichst. Ich hatte so einen Punkt auch erst kürzlich in einem Buch. Hier z.B. die Tatsache, dass die Protagonistin sich so schnell mit all den Veränderungen zufrieden gibt und die vielen Veränderungen gar nicht verarbeiten muss.

    Ich danke dir für diese hilfreiche und aussagekräftige Rezension.

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

    1. Hallo Tanja,
      Empfindungen sind beim Lesen ja immer sehr individuell. Was den einen stört, stört den anderen eben nicht. Und vielleicht stört es einen selbst auch gar nicht in jedem Fall gleich, je nachdem, wie die Stimmung ist, wie die Atmosphäre im Buch und so weiter.
      Hier kamen einfach mehrere Dinge zusammen, die ich etwas ungünstig gemacht habe. Auch wenn die Geschichte eben viele gute Punkte enthält. Ich kann auch verstehen, dass es andere mehr mitnimmt und überzeugt, weil es eben genau die Art von Handlungsverlauf ist, die sie gern mögen oder sie über manches eben dann nicht weiter grübeln, ob sie das anders besser gefunden hätten oder so.
      Freut mich, dass dir die Rezension insgesamt gefallen hat und sie für andere vielleicht etwas bringt, um einzuschätzen, ob es etwas für sie sein könnte.
      Liebe Grüße,
      Dana

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