Testlese-/Rezensionsexemplar
![]() ©Kuneli Verlag | London Underground Sequel der Totenbändiger, Band 1 . Nadine Erdmann erschienen Oktober 2025 466 Seiten . hier geht’s zum Verlag → Kuenli Verlag . |
die Totenbändiger sind zurück – fühlt sich an wie nach Hausekommen mit einigen Neuerungen
Das Sequel spielt 13 Jahre nach der Hauptreihe der Totenbändiger. Um wirklich alle Zusammenhänge und besonders auch die Entwicklungen der Figuren zu verstehen, ist es sinnvoll die anderen Bücher der Totenbändiger zu kennen. Es wird immer mal wieder Bezug genommen auf die vorausgegangene Handlung und auch manches zusammengefasst, aber natürlich nicht alles.
In 13 Jahren kann viel passieren. Nicht nur bei Familie Hunt hat sich einiges verändert und doch ist auch vieles noch genauso herzerwärmend und manchmal auch leicht chaotisch, wie man es kannte. Es gibt neue Familienmitglieder, andere haben ihre Träume verwirklicht oder neue entwickelt, es gibt neue Herausforderungen und Geister der Vergangenheit, die nach wie vor wüten und nun, im neuen unheiligen Jahr angegangen werden müssen. Die Strukturen der Gesellschaft befinden sich im Wandel, manches, was früher undenkbar war, ist inzwischen ziemlich normal geworden oder zumindest in der Phase, dass Verbote aufgehoben wurden. Doch auch die Seelenlosen stehen nicht auf der Stelle. Auch sie wandeln sich, entwickeln neue Fähigkeiten, suchen nach Möglichkeiten, an Energie zu kommen, immer heimtückischer und gefährlicher zu werden…
Ich habe mich sehr darauf gefreut, dass es mit den Totenbändigern weitergeht und wir neue Geschichten rund um die liebgewonnenen Figuren bekommen, plus eben neue Herausforderungen und auch Neuerungen bei den Seelenlosen. Um mich gut auf das Sequel einzustimmen, habe ich auch die beiden Kurzgeschichten „Alles und Nichts. Der Tag der Wintersonnenwende im Haus der Hunts“ und „Schatten der Vergangenheit“ gelesen, die zwischen der Hauptreihe und „London Underground“ spielen. Damit kann man schon mal Stück für Stück die Figuren wachsen und sich verändern sehen. Durch die Jahre, die dazwischenliegen, entwickeln sie sich ja weiter und besonders die „Minis“ von damals werden langsam zu Teeangern, die mit für sie völlig neuen Herausforderungen zu kämpfen haben.
Durch die Kurzgeschichten war dann auch der Sprung zu den dreizehn Jahren älteren Charakteren nicht mehr so schwer. Manchmal habe ich mich zwar dabei erwischt, dass ich dachte „huch, wann ist das passiert“ oder „wann bist du so erwachsen geworden“, aber das war selten. Es fühlte sich insgesamt eher nach Nachhausekommen an, mit ein paar neuen Extras.
Auch an die neuen Figuren innerhalb der Huntfamilie habe ich mich sehr schnell gewöhnt. Sie fügen ich sehr harmonisch in die Familienstruktur ein und es fühlt sich schnell so an, als wären sie einfach schon immer da gewesen.
Der Schreibstil ist wie gewohnt leichtgängig, mitnehmend, abwechslungsreich und fesselnd. Mir hat es besonders gut gefallen, dass man wieder die Kombination aus herzlichen Familienmomenten, spannenden Augenblicken mit den Seelenlosen, ein bisschen Familienchaos, Einblicken in die Gesellschaftsstrukturen und neuen und wiederkehrenden Herausforderungen bekommt. Es ist sehr abwechslungsreich und selbst wenn nicht ständig eine Wendung alles durcheinander wirbelt, so passiert eben doch immer etwas. Es gibt Passagen, die manches ändern und neue Pläne erfordern, neue Gefahren sowohl bei den Seelenlosen als auch auf Seite der Lebenden. Und dann steht natürlich auch die Auseinandersetzung mit dem Geminus im Raum, den Leo und Toby in sich tragen. Das allein würde die beiden Teens schon fordern, aber rundrum geschieht natürlich noch einiges mehr innerhalb der Familie und auch allgemein in London.
Ich mag das Zusammenspiel der Figuren total gern. Die Familienmitglieder sind sehr herzlich, einfühlsam und aufbauend im Umgang miteinander, finden aber ebenso auch klare Worte, wenn diese gebraucht werden. Sie geben aufeinander acht, unterstützen sich und lenken abdriftende Gedanken wieder in die richtigen Bahnen. Die neuen Minis sorgen immer wieder für Augenblicke zum Schmunzeln, zeigen gleichzeitig aber auch einfach den liebevollen Umgang miteinander. Es gibt viele persönliche Einblicke in die Gedankengänge der Charaktere, so dass man sehr gut mitgenommen wird und einem die Figuren sehr nah gebracht werden. Es wird sehr leicht, sich einzufühlen und nachzuvollziehen, was denjenigen gerade beschäftigt und bewegt, was ihn oder sie bestärkt oder aufwühlt.
Für besonders viel Spannung und Actionmomente sorgen die Auseinandersetzungen mit den Seelenlosen und den Menschen, die irgendwie etwas verdrehte Gedanken zu haben scheinen. Die Gesellschaft hat sich zwar weiterentwickelt und die Totenbändiger haben sehr viel mehr Rechte als noch vor dreizehn Jahren, aber es gibt eben auch einige, die etwas aus der Art schlagen oder sehr spezielle Gedankengänge und Forderungen haben. Das fließt ebenso in die Handlung mit ein wie die Entwicklungen bei den Seelenlosen. Es gibt neue Arten von Monstern, die mit ihren jeweiligen Fähigkeiten sehr gefährlich sind. Aber auch die bereits bekannten Seelenlosen sind wieder mit dabei und treiben ihr Unwesen. Es war wieder spannend, die Kämpfe mitzuverfolgen und dabei gleichzeitig auch etwas über die Weiterentwicklung der Waffen zu erfahren.
Das Ende des Buches ist richtig gemein. Bei dem Cliffhanger möchte man sofort weiterlesen und auch allgemein bin ich neugierig geworden auf den Fortgang der Handlung. Ich bin gespannt, wie sich alles rund um die Teens, besonders Toby und Leo weiterentwickelt aber auch wie es mit den anderen Herausforderungen so weitergehen wird, was da noch für schräge und angstbringende Aktionen kommen und was die Autorin sonst noch so in ihre Geschichte packt. Aus den anderen Büchern weiß man ja, irgendwas kommt da immer noch, am ehesten dann, wenn man gar nicht damit rechnet.
Fazit
Ein toller Auftakt der Sequel-Reihe, die sich gleichzeitig anfühlt, als wäre man nie weggewesen und einem so viel Neues präsentiert, dass man nicht übersehen kann, dass es einige Entwicklungen gab. Die Kombination aus Spannung, Action, Familienmomenten, Figurenentwicklung und neugierigmachenden Andeutungen hat mich wieder gefesselt.

Ich danke der Autorin für das bereitgestellte Testlese-/Rezensionsexemplar.




