[gelesen] Scherbenprinz. Die Magie der Spiegel von Ella Amato

Rezensionsexemplar

© Carlsen
Scherbenprinz. Die Magie der Spiegel

Ella Amato
erschienen im Oktober 2021
360 Seiten
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Carlsen/ Impress

interessantes Thema, Umsetzung überzeugt nicht komplett

Rayne ist eine Diebin. Als sie erfährt, dass der Prinz heiraten soll, und merkt, wie ähnlich sie der fremden Prinzessin sieht, beschließt sie, die Rollen zu tauschen, um die Schatzkammer des Königs zu plündern. Allerdings hat Rayne dafür noch viel Nachholbedarf in Sachen höfisches Benehmen. Im Schloss stößt sie dann aber auf weit mehr als nur Reichtümer: sie muss sich mit dem grummeligen Prinzen auseinandersetzen, mit dem rätselhaften König und einen waghalsigen Plan austüfteln…

Grundsätzlich mag ich es, mitten ins Geschehen geworfen zu werden. Hier war mir der Einstieg aber tatsächlich zu abrupt. Man ist sofort mitten in der Handlung, das schon. Dabei fühlte ich mich aber erschlagen von der Vielzahl an unbekannten Figuren und ungewöhnlichen Begrifflichkeiten.
Nach einigen Kapiteln konnte ich dann zwar der Handlung gut folgen und viele Begriffe zuordnen (leider gibt es einige französische Begrifflichkeiten, die zwar Atmosphäre schaffen, sich mir aber bis zuletzt nicht alle erschlossen haben), allerdings dauerte es für mich dann, bis das Geschehen wieder an Fahrt aufnimmt und mich die Handlung tatsächlich fesseln konnte.
Und so empfand ich Start und Mittelteil als holprig bis zäh, während sich am Ende die Ereignisse geradezu überschlagen. Dabei ging es dann teilweise leider viel zu schnell.

Rayne ist die Ziehtochter des Anführers einer Diebesbande. Sie setzt sich für ihre Gemeinschaft ein und schreckt auch vor Gewalt nicht zurück, um sich und ihre Gefährten zu schützen und zu beschützen. Sie entwickelt ehrgeizige Ziele – das Planen liegt ihr aber nicht unbedingt, sodass sie in manch unerwartete Situation stolpert.

Alec ist der Prinz, hält aber gar nicht so viel von den ganzen höfischen Konventionen. Dass seine Eltern ihm nun eine Braut vor die Nase setzen, begeistert ihn wenig, sodass er die vermeintliche Prinzessin nicht besonders herzlich empfängt. Sympathisch ist allerdings, dass Alec sich nicht nur gegen die Palastregeln auflehnt, sondern auch viele Taten seines herrischen Vaters nicht gutheißt.

Leider fand ich das Geschehen an einigen Stellen nicht ganz logisch. Während einige Figuren direkt durchschauen, dass Rayne keine Adlige sein kann, haben andere nicht den leisesten Schimmer. Zwar sehen sich beide Prinzessinnen sehr ähnlich, dass aber nicht mal Verwandten und Bekannten der echten Prinzessin der Unterschied auffallen soll, verwunderte mich dann doch immer wieder. Wenigstens ihre Eltern sollte doch… aber lassen wir das.
Zudem wird um einen Sachverhalt ein großes Geheimnis gemacht. Viele Andeutungen zeigen früh sehr offensichtlich, dass eine  Person Dinge verheimlicht. Und obwohl es in meinen Augen keine unwichtige Sache ist, interessiert es dann doch niemanden genug, um mal wirklich nachzuhaken, sodass das Thema bis zum Epilog mitgeschleppt wird.

Positiv sei aber auf jeden Fall die unerwartete komplexe Geschichte zu erwähnen. Der Klappentext lässt vor allem das Geplänkel zwischen Rayne und dem Prinzen vermuten. Dies gibt es auch, allerdings gar nicht so viel. Hätte gern mehr sein dürfen. Dafür macht Rayne im Schloss weit mehr Entdeckungen, als vermutet, sodass die Geschichte ein anderes zentrales, sehr magisches Thema entwickelt, dass ich sehr interessant fand.

Auch das französisch-mittelalterlich angehauchte Setting ist toll und anschaulich dargestellt. Nur die vielen französischen Begriffe hätte man vielleicht an irgendeiner Stelle (Glossar o.ä.) übersetzen können…

Fazit

Schwieriger Einstieg, plätschernder Mittelteil, überhastetes Ende. Ich mochte den Weltenentwurf, auch wenn mich die vielen französischen Begriffe gestört haben, und das Magie-Thema, das sich für mich eher unerwartet und recht komplex entwickelt. Auch die Interaktion zwischen Rayne und Alec, die sich aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht leiden können und doch aufeinander angewiesen sind, hat mir gefallen. Allerdings ist die Geschichte nicht immer ganz stimmig…

Ich danke dem Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

 

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