[gelesen] Der Thron von Melengar von Michael J. Sullivan

  Der Thron von Melengar.  
  Riyria 1  
  Autor: Michael J. Sullivan
  erschienen Februar 2014
  Verlag: Klett-Cotta
  ISBN: 978-3-608-96012-9
(c) Klett-Cotta

Machtkämpfe und Intrigen in mittelalterlichem Szenario

Royce und Hadrian sind zwei bekannte und gefürchtete Räuber.
Als sie einen spontanen Auftrag annehmen, geraten sie in eine Falle und werden
verhaftet: für die Ermordung des Königs. Eine spannende Suche nach dem wahren
Täter beginnt…

 

Sullivan schafft in seinem Auftaktband über den Diebesbund
Riyria tolle Charaktere. Nicht nur die zwei Hauptfiguren, Royce und Hadrian,
können überzeugen. Durch ihre unterschiedliche Art, der eine eher hart, der
andere mit sehr weichem Kern, und ihren verschiedenen Fähigkeiten ergänzen sie
sich perfekt. Dabei sind sie so gut aufeinander eingespielt und überzeugt von
ihren Fähigkeiten, dass sie ihre Gegner mit Witz und Charme an der Nase
herumführen.

 

Neben Prinz Alric, dessen Entwicklung im Verlauf der
Geschichte sehr gut deutlich wird, war mir vor allem noch der junge Mönch Myron
sehr sympathisch. Abgeschieden in einem Kloster aufgewachsen, hat er noch nicht
viel von der Welt gesehen, sodass sein Zusammentreffen mit neuen Dingen wie
Pferden oder Frauen immer wieder für witzige Szenen sorgt.

 

Zwar geben zwei Karten einen Eindruck vom geschaffenen
Reich, Sullivan geizt aber mit detaillierten Beschreibungen von Land und Leuten
– gerade letztere hätten mich sehr interessiert. So spielen Zwerge und Elben in
einigen Szenen zwar eine Rolle, aber was diese genau ausmacht oder welche
speziellen optischen Merkmale sie besitzen, kommt sehr kurz.

 

Die Handlung ist sehr interessant und hält einige
überraschende Entwicklungen bereit. Dabei ist es vor allem immer wieder
spannend zu verfolgen, welche Mittel Hadrian und Royce sich einfallen lassen,
um die stetig neuen Gefahren zu überwinden.

 

Sullivan schafft ein umfangreiches Figurennetz und
Gesellschaftssystem. Politische Machtkämpfe, Gier und Intrigen zwischen den
verschiedenen Herrschern und machthungrigen Adligen sind an der Tagesordnung.
In der Vielzahl der beteiligten Parteien war es allerdings teilweise schwer,
sämtliche Zusammenhänge zu erfassen. Es werden viele Personen, historische Ereignisse
und verehrte Gottheiten, die für die verschiedenen Parteien von Bedeutung sind,
kurz eingeführt, einige Personen argumentieren aber wie die Fähnchen im Winde,
je nachdem von wem sie sich gerade einen Vorteil erhoffen, sodass ihre wahren
Motive noch im Dunklen bleiben.

 

Das Buch ist in sich abgeschlossen, lässt aber dennoch Raum
für weitere Abenteuer. So ist der wahre Drahtzieher zwar gefasst, aber es sind
bereits weitere Intrigen begonnen und auch der Verbleib bestimmter Figuren ist
noch offen und bietet Stoff für neue Konflikte.

 

Fazit:

Der Thron von Melengar ist ein spannendes Fantasyabenteuer, das vor
allem durch seine charismatischen Figuren überzeugen kann. Die Beschreibung des
Landes und seiner Bewohner, deren Lebensweise an die mittelalterliche Zeit
erinnert, nimmt zugunsten der ereignisreichen Handlung aber etwas zu wenig Raum
ein.

4 möhre

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