[gelesen]Keine Angst, Darling von Vera Buck

Rezensionsexemplar | Werbung

© Bastei Lübbe

Keine Angst, Darling

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Vera Buck
erschienen im August 2026
448 Seiten
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→ Bastei Lübbe.

Verworren & spannend

Seit einigen Jahren lebt Lea in Florida in einer abgeschotteten Gemeinschaft, der Sancta Familie. Mit ihrem Mann und ihrer Tochter führt sie ein Bilderbuchleben, an dem sie auch ihre große Instagram-Followerschaft teilhaben lässt.
Als Lea plötzlich nichts mehr postet und Paula ihre Schwester auch sonst nicht erreichen kann, fliegt sie kurzerhand von Deutschland in die USA. Dort trifft sie auf Leas Ehemann Matt, der ihr erklärt, Lea befinde sich in einem abgeschiedenen Retreat. Doch Paula glaubt diese Erklärung nicht und schnell gibt es andere Dinge in der Sancta Familie, die sie stutzig machen…

„Keine Angst, Darling“ löst beim Lesen ganz viele unterschiedliche Emotionen aus.
Lea ist eine sogenannte Tradwife. Sie ist Hausfrau und Mutter und inszeniert sich in 50er-Jahre-Kleidern und pastelligen Tönen im Internet. Entscheidungen überlässt sie ihrem Mann und erklärt ihren Followern dabei regelmäßig, wie befreiend es ist, Verantwortung abzugeben.
Und ein Stück weit sind diese Gedanken nachvollziehbar: Noch immer kämpfen Frauen gegen die gesellschaftliche Doppelmoral und haben es schwerer, hohe Positionen zu erreichen – sie müssen Haushalt, Familie und Karriere unter einen Hut bringen, sie sollen schön sein, aber nicht eitel oder gar aufreizend angezogen, selbstbewusst aber nicht zu dominant oder gar hysterisch… bloß nicht zu schlau, zu erfolgreich, nicht zu … … … wir kennen das ja alles. Und der Gedanke, sich aus diesen gesellschaftlichen Zwängen zu befreien, den dauerhaften Druck abzustreifen und sich von einem anderen Menschen führen zu lassen, kann da durchaus reizvoll klingen, oder? So sehen es auf jeden Fall auch zahlreiche von Leas Followern. Allerdings nimmt es schnell Züge an, die beim Lesen Bauchschmerzen machen: Ist es wirklich abgegebene oder geteilte Verantwortung, wenn der Mann im Restaurant für sie bestellt und sie keinerlei Mitspracherecht mehr hat? Wenn er jeden Schritt des Tages bestimmt, ihre Kontakte und Kleidung…

Auch für Paula, die ein völlig anderes Leben führt, ist dieses Modell sehr gewöhnungsbedürftig. In der Sancta Familie trifft sie auf eine Welt, die ihr völlig fremd ist. Niemand kann oder will ihr in der Gated Community so recht Auskunft über ihre Schwester geben. Je mehr sie nachforscht, je mehr Unstimmigkeiten findet Paula. Und als sie und ihre Familie plötzlich bedroht werden, weiß sie, dass sie etwas Größerem auf der Spur ist.

Das ganze Geschehen ist recht undurchsichtig, es gibt kleinere und größere Wendungen und viele spannende Momente. Je weiter die Handlung vorangeschrittene ist, desto neugieriger wurde ich auf alle Zusammenhänge. Kleine Hinweise lotsen auf falsche Fährten, mit Paula zusammen machen wir zahlreiche Umwege. Und einige Ereignisse habe ich absolut nicht vorhergesehen.

Neben Paulas aktueller Suche gibt es diverse Rückblicke – in Momente von Leas Leben vor ihrem Verschwinden. Hinzu kommen diverse Interviews und Instagram-Posts, teilweise samt Kommentaren, die ein ebenso spannendes wie beklemmendes Gesamtbild zeichnen und einige Lügen und Geheimnisse aufdecken. Inszenierung und Realität liegen manchmal Welten voneinander entfernt…

Fazit

Interessantes Thema spannend umgesetzt. Der Tradwife-Aspekt zusammen mit Leas Instagram-Karriere bringt zahlreiche Themen mit sich: Social-Media-Inszenierungen, häusliche Gewalt und Unterdrückung, dazu die befremdliche Gated Community. Hier treffen ernste Gedanken auf spannende Momente, Geheimnisse werden gelüftet und Schicksale miteinander verbunden. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr konnte sie mich fesseln.

Ich danke dem Verlag und netgalley für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

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