[gelesen] So sind Familien von Judith Allert

Rezensionsexemplar

©Carlsen Verlag
So sind Familien

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Judith Allert, Marie Braner (Illustration)
erschienen Mai 2022
ab 4 Jahren
128 Seiten
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Carlsen Verlag
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vielseitige Familienmodelle, liebevoll illustriert

In „So sind Familien“ werden in 14 in sich abgeschlossenen Geschichten unterschiedliche Familien vorgestellt, die zwar auf verschiedene Art zusammenleben, die aber alle ganz ähnliche, alltägliche Sorgen, Probleme oder Freuden haben. Es gibt kein „so muss eine Familie“ sein. Familien sind individuell, bunt und auf tausend verschiedene Arten genau richtig. Ob man mit zwei Mamas oder zwei Papas aufwächst, mit einem Papa und einer Mama, mit Geschwistern oder ohne, mit Haustieren oder ohne Tiere, in einem gemeinsamen Haus mit mehreren Generationen oder nur mit einer kleinen Anzahl an Personen, nichts davon ist richtiger als eine andere Variante. Manche Familienmitglieder kommen aus unterschiedlichen Ländern, bringen verschiedene Kulturen, Sprachen und Erfahrungen mit, all das macht Familien noch bunter und besonderer. Liebevoll illustriert kann man zwischen den Buchdeckeln entdecken, wie es in den Familien aussieht, die man hier begleitet.

Mir hat das Buch insgesamt wirklich richtig gut gefallen. Die Texte sind sprachlich leicht gehalten, so dass auch kleine Zuhörer der Handlung folgen können. Die Geschichten selbst sind nicht sehr komplex und lassen einen einfach in kurze Episoden der Familie eintauchen. Die tollen, liebevollen Illustrationen führen einen gut durch die Geschichten und machen die Familien gleich richtig greifbar. Man bekommt eine Vorstellung von ihnen und ihrem Zusammenleben. So kann man auch unterschiedliche Kulturen, das Vorhandensein von Haustieren, Geschwistern oder weiteren nah bei ihnen lebenden Familienangehörigen auf einem Bild zu Beginn der Geschichte erfahren und möglicherweise mit den Kindern, denen man die Geschichten vorliest, direkt darüber sprechen, bevor man in die eigentliche Kurzgeschichte eintaucht. Damit wird auch direkt auf den ersten Blick deutlich, wie unterschiedlich und bunt mischt die Familien innerhalb des Buches sind. Bei manchen ist es ruhiger, bei anderen etwas wilder. Und bei manchen werden auch einfach mal die Rollen getauscht.
Die Mischung im Buch ist gut gewählt, weil es so vielseitig ist und man damit ganz unterschiedliche Familien sieht. Gleichgeschlechtliche Elternpaare sind genauso integriert wie Familien, in denen sich die Eltern getrennt haben und es damit neben den eigentlichen Eltern noch einen zusätzlichen Partner gibt und Familien, in denen jemand ein Handicap hat. Meistens gibt es jede Familienstruktur nur einmal innerhalb des Buches, Eltern, die aus Mama und Papa bestehen, gibt es aber schon häufiger. Bei ihnen unterscheiden sich dann die Anzahlen der Kinder, die Kulturen, ob es Haustiere gibt oder ob weitere Familienangehörige bei ihnen oder direkt in der Nähe wohnen. So hat jede Familie ihre Besonderheiten. Richtig schön fand ich, dass es ganz egal ist, wie die Familie zusammengestellt ist, jede von ihnen hat so ihre Alltagsproblemchen, Hürden oder eben auch freudige Momente, schöne Ausflüge und Erlebnisse. Es wird auch nicht unbedingt in den Mittelpunkt gestellt, wie die Familie „aufgebaut“ ist, man erlebt einfach eine kleine Episode aus ihrem Leben, zum Beispiel wenn die Kinder Radfahren lernen oder wenn die Kinder und Eltern mal die Rollen tauschen, weil es ja gar nicht so schwer sein kann, sich um den Haushalt zu kümmern.
Um noch ein paar spezifischere Einblicke zu geben: Ebenfalls integriert ist, dass nicht die Blutsverwandtschaft allein entscheidet, wer Familie ist. Gleich in der ersten Geschichte wird dieses Thema aufgegriffen. Manchmal kann auch eine kleine Familie entstehen, wenn jemand eigentlich zuvor nicht zu ihnen gehörte. Schön eingeflochten waren auch Handicaps, die manche Familienmitglieder haben. So sitzt eines der Mädchen im Buch zum Beispiel im Rollstuhl, eine Oma in einer anderen Geschichte scheint an Demenz erkrankt zu sein und bringt manches durcheinander. Für die Kinder nicht unbedingt eine einfache Situation, wenn die Oma sie nicht mehr erkennt, aber ein guter Aufhänger, um auch über solche Themen zu sprechen. Richtig schön fand ich auch die Geschichte mit den beiden Eineiigen Zwillingen, in denen die Besonderheiten jedes einzelnen eine Rolle spielten.
Mini-Spoiler:
Nur eine Geschichte empfand ich als nicht komplett gelungen und das war die, in der sich das Einzelkind ein Geschwisterchen wünscht. Klar kann man sich viel wünschen und das wird eben nicht immer in Erfüllung gehen, besonders wenn es eh schon schwierig war dieses eine Kind zu bekommen. Und wenn man betrachtet, für welches Alter das Buch geschrieben ist, braucht es hier auch keinen langen Aufklärungstext, dennoch empfand ich den Umgang mit dem Thema als etwas „schnell abgetan“ und auch die Alternative, dass er doch dann einfach mit dem Hund des Nachbarn spielen könnte, war irgendwie unbefriedigend. Die Idee kam zwar nicht von den Eltern, sondern vom Nachbarn, aber trotzdem war es irgendwie schade. Ein Hund ersetzt ja nicht den Wunsch nach einem Geschwisterkind. Und der Junge in der Geschichte war durchaus in einem Alter, in dem man verstehen kann, dass manches schwierig ist.
Spoiler-Ende

Fazit

Ein richtig schönes, toll und liebevoll gestaltetes Buch, das zeigt, wie bunt und vielseitig Familien sind. In jeder Familie läuft es etwas anders, selbst wenn die gleiche Anzahl an Familienmitgliedern und Haustieren da sind. Jede Familie hat schöne Momente, tolle Gespräche, Erlebnisse, die in Erinnerung bleiben genauso wie kleine Sorgen und Probleme, Schwierigkeiten, Stress oder Unstimmigkeiten in der Kommunikation. So ist das Leben, das gehört dazu. In kurzen Geschichten kann man die 14 Familien in mehr oder weniger alltäglichen Situationen oder bei kleinen Ausflügen begleiten und erleben, wie es bei ihnen so läuft, wo auch mal Chaos entsteht und was für wertvolle Erfahrungen sie aus unterschiedlichen Momenten mitnehmen. Zwischen den Buchdeckeln stecken schöne, kleine Botschaften, Augenblicke zum Schmunzeln aber auch mal Szenen, die vielleicht nachdenklich machen oder für ein bisschen Gesprächsbedarf sorgen. Insgesamt eine wirkliche schöne Mischung.

Ich danke dem Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

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