[gelesen] Hush. Verbotene Worte von Dylan Farrow

Rezensionsexemplar

©Loewe Verlag
Verbotene Worte

Hush 1
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Autorin: Dylan Farrow
erschienen Februar 2021
416 Seiten
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Loewe Verlag
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interessante Grundidee, tolle Elemente, aber Schwächen in der Umsetzung

Montane ist geprägt von Armut. Viele Dörfer können sich nur mit Mühe und Not versorgen, es reicht an allen Ecken und Enden kaum und dann müssen sie noch Abgaben an die Barden leisten, in der Hoffnung von ihnen mit einer guten Beschwörung gesegnet zu werden. Sprache ist Macht, das geschriebene Wort das Verderben – es gibt einige Regeln, die man in Montane befolgen sollte, damit man kein Unheil auf sich zieht.
Shae lebt mit ihrer Mutter abseits des Dorfes. Seitdem sie ihren kleinen Bruder an eine tödliche Krankheit verloren hat, werden die beiden vom Rest der Dorfgemeinschaft gemieden. Nur Mads und Fiona, ihre besten Freunde, halten noch zu ihr. Doch auch Shae hat ein Geheimnis, das gefährlich für sie und ihre Umgebung sein könnte und die einzigen, die ihr dabei helfen könnten, ihren persönlichen „Fluch“ los zu werden, wären die Barden, die allgemein nicht unbedingt als hilfsbereit und freundlich gelten…

Der Schreibstil von Dylan Farrow ist bildgewaltig und geschmückt mit zahlreichen, anschaulichen Beschreibungen, Metaphern und Vergleichen. So werden Personen und Schauplätze lebendig und man bekommt einen guten Eindruck von den Wahrnehmungen der Protagonistin, die sie im Verlauf des Buches teilweise selbst kaum einordnen kann.
Durch die Ich-Perspektive begleitet man die 16-Jährige intensiv auf ihrem Weg. So weiß man oft kaum mehr, als Shae selbst, was viele Fragen offen gelassen hat. Da es eine Fortsetzung gibt, ist es natürlich logisch, dass nicht alles aufgedeckt wird, mir ist insgesamt aber doch zu viel unbeantwortet geblieben. Shae kämpft für die Wahrheit und Gerechtigkeit. Ich finde es mutig, dass sie so dafür einsteht, obwohl sie stellenweise kaum Unterstützung bekommt. Immer wieder merkt man jedoch auch, dass sie ein wenig flatterhaft und naiv ist, sich eben doch beeinflussen und manipulieren lässt, obwohl sie eigentlich ein festes Ziel vor Augen hatte. Sie sucht Anschluss und Anerkennung, die ihr so lange verwehrt blieb und macht sich damit zu einem leichten Ziel für Intrigen. Shaes Freundin Fiona hat es im Buch auch ganz gut auf den Punkt gebracht: „Du denkst nie etwas zu Ende.“
Und das zieht sich leider ziemlich durch die Geschichte, obwohl die Protagonistin selbst immer wieder an diesen Satz denkt und sich vornimmt, erst mehr zu denken und zu planen, bevor sie handelt.
Die anderen Figuren lernt man oft nicht sehr tiefgründig kennen. Einige von ihnen sind nur schwer zu durchschauen und wechseln teilweise auch die Seite, auf der sie stehen. Teilweise war das nachvollziehbar, manchmal kam es mir aber auch etwas zu plötzlich.

Die Welt, in der Shae lebt, wird durch die detaillierten Schilderungen gut vorstellbar. Dass Sprache Macht bedeutet und den Aspekt, wie gefährlich das geschriebene Wort sein kann, empfand ich als interessant und als tolles Element in der Handlung, auch wenn es mir noch intensiver hätte ausgearbeitet sein können. Durch verbotene Worte und Gegenstände gibt es einige Regeln und Beschränkungen für das Volk. Nur wer sich daran hält, kann Hoffnung auf eine gute Beschwörung haben um damit die Situation des ganzen Dorfes zu verbessern.
Nur die Barden sind in der Lage, Beschwörungen auszuführen und wie vielfältig und teilweise mächtige diese sind, erlebt man im Laufe des Buches. Allerdings muss ich gestehen, dass mir auch hier viel auf der Strecke geblieben ist und sich einiges für mich nicht vollständig erschlossen hat. Was ist dauerhaft, was ist flüchtig, wo ist der Unterschied, woran liegt es, was kann man selbst beeinflussen, was nicht und so weiter -es bleiben tausend Fragen offen und das allein bei diesem einen Aspekt, der eigentlich wichtig ist für die Handlung.
Wahnsinn, Realität, Illusion, Vision und Täuschung liegen hier sehr dicht beieinander, so dass ich besonders in der zweiten Hälfte häufig verwirrt war und teilweise nicht verstanden habe, was da genau passiert. Was eben auch daran liegt, dass man nur erlebt, was Shae erlebt und sie es größtenteils selbst nicht versteht. Da empfand ich den bildintensiven Schreibstil eher als hinderlich, weil dadurch alles nur noch verworrener wurde.

Fazit

Es gibt einige sehr schöne Elemente in der Handlung und mir hat auch die Integration von Themen wie Falschmeldungen, Manipulation der Meinungsbildung, Unterdrücken des eigenen Denkens durch Regeln und Strafen und für seine Ziele einstehen und kämpfen, gut gefallen. Die Art von Dylan Farrow sich auszudrücken und Dinge zu Beschreiben, mochte ich an sich richtig sehr gern, nur in den wirren Momenten der Protagonistin war es mir etwas viel.
Auch wenn es der Auftakt der Dilogie ist, bleibt mir insgesamt etwas zu viel offen, viele Hintergründe und einige Zusammenhänge haben sich mir nicht richtig erschlossen, was es manchmal schwer gemacht hat, richtig in die Geschichte einzutauchen.
Noch bin ich unentschlossen, ob ich die Fortsetzung lesen werde. Auch wenn es einige Andeutungen gibt, in welche Richtung es sich entwickeln könnte und ich auch neugierig bin, was da vielleicht noch kommt, konnte mich das Buch einfach nicht so richtig von sich überzeugen, obwohl so viele tolle Ideen und viel Potenzial drin steckt.

Ich danke dem Verlag und vorablesen.de für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

6 Gedanken zu „[gelesen] Hush. Verbotene Worte von Dylan Farrow“

  1. Hallo liebe Dana,

    sowohl Klappentext, als auch Cover, haben mich bei diesem Buch im Vorfeld sehr angesprochen. Umso neugieriger war ich auf die erste Rezension zum Buch, die ich dann auch direkt bei dir gelesen habe.
    Ich finde es schade, dass die Geschichte so viel Potential hatte und dieses leider nicht so gut umgesetzt wurde.
    Was die Figuren angeht, habe ich schon oft gemerkt, dass es mir wesentlich leichter fällt, eine Geschichte zu mögen, wenn ich mich auf irgendeine Art und Weise mit ihnen identifizieren kann. Gerade das scheint hier auch ein großer Kritikpunkt zu sein.

    Was die offenen Fäden angeht, habe ich mich beim Lesen auch gleich gefragt, ob es ein Reihenauftakt ist. Das hast du auch bestätigt. Ich habe das Buch nicht gelesen und kann daher nicht sagen, ob ich ähnlich empfunden hätte. Ich denke aber, dass ich bei einem Auftakt vielleicht noch recht zuversichtlich wäre, dass der zweite Band hier noch einiges reißen kann.

    Eine sehr schöne Rezension von dir, die mir geholfen hat, das Buch für mich besser einzuordnen. Vielen Dank dafür. :o)

    Ganz liebe Grüße
    Tanja

    1. Hallo Tanja,
      ich habe schon sehr unterschiedliche Meinungen zu dem Buch gelesen und ich glaube, so wird es auch weiterhin ausfallen. Es wird einige geben, die sich total in die Geschichte fallen lassen können und die es fasziniert, was dort passiert. Und es wird einige geben, die mehr Probleme mit dem Stil, den teilweise wirren Szenen und vielleicht auch den Figuren haben. Geschmack ist eben verschieden. Und ich verstehe auch alle, die das Buch mochten, es gibt wirklich viele sehr tolle Elemente und die Grundidee ist auch richtig klasse. Wenn einem die Umsetzung dann liegt, kann das definitiv ein tolles Leseerlebnis rein. Für mich passt eben am Ende nicht alles zusammen.
      Man braucht in einem Auftakt natürlich lose Fäden und offene Fragen, sonst wäre die Spannung und Neugier ja weg. Mir war es nur einfach etwas zu viel, da ich an einigen Stellen das Gefühl hatte, einfach zu viel von dem nicht zu verstehen, was da passiert. Und das dann eher verwirrt, als super neugierig zu machen 😉 Mal sehen, ob ich dann Band zwei lesen werde.
      Liebe Grüße
      Dana

  2. Hallo Dana 🙂

    Ich habe eben nur einen kurzen Blick auf dein Fazit geworfen, da ich das Buch selbst noch ungelesen auf meinem SuB liegen habe. Wie schade, dass die Geschichte scheinbar ihr Potenzial nicht völlig ausschöpft. Ich bin schon gespannt, wie mir das Buch letzten Endes gefallen wird!

    Liebe Grüße
    Lisa von Prettytigers Bücherregal (Blog & Instagram)

    1. Hallo Lisa,
      ich bin sehr gespannt, wie dir die Geschichte dann gefallen wird. Ich habe auch schon begeisterte Stimmen gehört und ich kann die auch verstehen. Die Grundidee ist klasse und auch einige der Entwicklungen durchaus interessant. Wenn einem die Umsetzung mehr liegt, kann man sich sicher besser in die Handlung fallen lassen. Ich werde immer mal bei dir vorbei schauen, um zu sehen, wie es dir beim Lesen ging. 🙂
      Liebe Grüße
      Dana

  3. Liebe Dana,

    wie schade, dass die Geschichte dich nicht so richtig überzeugen konnte. Ich hatte die Leseprobe schon gelesen und fand es eigentlich sehr viel versprechend 🙂 Vielleicht warte ich jetzt noch bis zum zweiten Band, da ja doch so viel noch offen ist und schaue dann, ob die Geschichte bei mir einzieht.

    Liebe Grüße
    Jenny

    1. Hallo Jenny,
      es gibt inzwischen ja sehr gemischte Meinungen zum Buch. Es ist nicht so, dass ich nicht verstehen könnte, warum man das Buch mag. Es hat durchaus tolle Elemente und eine super Grundidee, aber die Umsetzung war eben nicht so meins. Das ist ja Geschmackssache, daher kann ich dir nicht genau sagen, ob es bei dir nicht besser funktionieren könnte.
      Ich kann aber verstehen, dass du evtl noch ein bisschen warten möchtest, um dann ggf. zu entscheiden gleich beide Bände lesen zu wollen bzw zu können.
      Liebe Grüße
      Dana

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