[gelesen] Falkenmädchen. Divinitas 1 von Asuka Lionera

Rezensionsexemplar

© Impress
Falkenmädchen
Divinitas 1
.
Autorin: Asuka Lionera
erschienen September 2020
550 Seiten
.
hier geht’s zum Verlag
Impress (Carlsen)

Auftakt mit Schwächen

Miranda ist anders als ihre elf Geschwister. Während sie alle ein recht normales, wenn auch nicht gerade wohlhabendes, Leben führen, kann Miranda nur davon träumen, normal zu sein oder Freunde an ihrer Seite zu haben. Jeden Tag verwandelt sie sich in einen Falken und kann ihrer Tiergestalt nur entfliehen, sobald der Mond am Himmel steht. Dieser uralte Fluch lastet seit Generationen auf ihrer Familie und niemand hat Einfluss darauf, welches Kind mit den göttlichen Genen geboren wird.
Als Miranda unfreiwillig dem Prinzen in die Hände fällt, scheint ihr Schicksal besiegelt zu sein. Sie kann sich nicht allein befreien und auf Hilfe von außen braucht sie nicht zu hoffen, denn sie hat niemanden, der noch hinter ihr stehen würde, nachdem sie ihren einzigen Verbündeten verloren hat. Doch dann entwickelt sich alles ganz anders, als sie es jemals für möglich gehalten hätte.

Die Welt, in die man eintaucht, hat ein mittelalterlich anmutendes Setting. Es gibt keine großen, technischen Errungenschaften, Wege werden zu Pferde zurück gelegt, die Wäsche im Fluss gewaschen. Hinzu kommt dann jedoch die magische Komponente, die auf zwei verschiedene Arten einzieht. Zum einen gibt es da die Elfen, die unterschiedliche Fähigkeiten besitzen und dann noch die verfluchten Menschen, die ihre Gestalt wandeln können bzw. müssen.
Die Geschichte wird aus zwei Ich-Perspektiven erzählt, so dass man die beiden Protagonisten Aeric und Miranda sehr intensiv begleiten kann und detaillierte Einblicke in ihre Gedankenwelt und ihre Gefühlslage bekommt. Den überwiegenden Teil der Handlung ist man mit der Protagonistin unterwegs, deren Leben sich im Verlauf des Buches stark verändert. Als verfluchte Bauerntochter fristet sie ein ziemliches trostloses Dasein. Am Tage ist sie ein Falke, in der Nacht muss sie sich von ihrer mürrischen Mutter schikanieren lassen. Nach ihrer Ankunft am Königshof, an dem sie sich alles andere als passend aufgehoben fühlt, beginnt sich für sie viel zu verändern. Es ist jedoch keinesfalls so, dass ihr fortan alles in den Schoß fällt, die Widrigkeiten, die es zu bestehen gilt, sind nur immer wieder andere. Es ist schon eine Entwicklung in ihrer Figur zu spüren, die durch verschiedene Dinge beeinflusst wird. Und auch wenn sie ein gewisses Maß an Stärke und Selbstbewusstsein dazu gewinnt, so ist es doch so, dass sie bis zum Schluss manchmal etwas blass bleibt und sich im Hintergrund hält. Es ist schwer das näher zu beschreiben, ohne zu spoilern. Auf der einen Seite entscheidet sie nach ihrem Herzen und nach dem, was sie für angemessen hält, auf der anderen Seite konnte ich einen Teil ihrer Entscheidungen aber eben auch nicht so richtig nachvollziehen und sie muss von anderen darauf gestoßen werden, was doch eigentlich so offensichtlich ist und was ihr eigentlich ja auch nicht entgangen ist, womit sie sich aber vielleicht trotzdem nicht genug beschäftigt hat. Sie war für mich keine unsympathische Figur, aber sie hat mich auch nicht so mitgerissen, wie manch andere Charaktere es schon geschafft haben.
Aeric hat als Prinz, und im Verlauf dann König, einige Pflichten zu erfüllen, denen er sich nur schwer entziehen kann. Als die Unstimmigkeiten mit den Elfen größer werden, muss er seinen Schwur erfüllen und in den Kampf ziehen, auch wenn er nicht unbedingt selbst der ist, der den Ausgang des Kampfes auf die Weise herbeisehnt, wie er ihn anstreben soll. Auf ihm lastet ein ziemlicher Druck und für die, die er liebt, ist er bereit einiges zu tun, auch wenn das düstere Konsequenzen mit sich bringt. Auch wenn er selbst manchmal nicht ganz verstanden hat, was mit ihm los war, so war es doch für mich als Leserin häufig ziemlich offensichtlich. Was irgendwie auch schade war.
Es passiert schon einiges im Buch, aber es ist eben nicht so, dass es immer die großen Überraschungen oder Wendungen waren. Die Verstrickungen nehmen zu, die Intrigen und Geheimnisse ebenfalls und doch gab es irgendwie wenige Augenblicke, in denen ich dachte „damit habe ich nicht gerechnet“ oder „das bringt neue Fahrt in die Handlung“. Dabei haben die Welt und die Figuren durchaus Potenzial. Die Zeitsprünge im Buch haben die Geschehnisse zwar in gewisser Weise voran gebracht, haben für mich die Spannung jedoch auch nicht unbedingt immer verstärkt. Am Ende des Bandes ist es dann auch ziemlich offensichtlich, in welche Richtung es sich in der Fortsetzung entwickeln wird, was die Vorfreude ein wenig schmälert – ich hoffe daher „Wolfsprinz“ wird noch einiges mehr zu bieten haben.

Dieses Buch lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Auf der einen Seite mochte ich die Idee hinter den Gestaltenwandlern und auch den Zwist zwischen den Menschen und den Elfen, der in der Handlung dann mehr und mehr Raum einnimmt, auf der anderen Seite waren mir einige Passagen einfach zu langatmig und handlungsarm. Die  beiden Protagonisten waren nicht uninteressant und auch die Figurenmischung um die beiden herum sorgt für Streitpotenzial, Verbündete und Hoffnungsträger. Man lernt nicht so sehr viele von den anderen Charakteren intensiver kennen, es beschränkt sich eher auf den engsten Kreis rund um Aeric und Miranda. Der Beginn der Geschichte war noch geprägt von schönen, gefühlvolleren Momenten, die im Verlauf dann abgenommen haben. Dann gibt es zwar auch unterschiedliche Emotionen, diese sind aber eher negativer Natur und nicht mehr so voller Zuneigung und Zuversicht.

Am Ende des eBooks gab es eine Bonusgeschichte, die die Vorgeschichte und damit die Entstehung der Götterkinder behandelt. Da es in groben Zügen Teil der Hauptgeschichte war, war das vom Verlauf zwar nicht sehr überraschend, insgesamt aber trotzdem schön zu lesen.

Fazit

Die Welt an sich und auch die Grundidee fand ich interessant und es gibt unterschiedliche Konflikte, die thematisiert werden, in der Umsetzung gab es für mich allerdings Schwächen. Einiges empfand ich als recht langatmig, wenig überraschend und handlungsarm. Die Figuren entwickeln sich zwar und werden vor unterschiedliche Probleme gestellt, einige der Dinge, die sie versuchen herauszufinden und zu beheben, sind aber eben auch ziemlich offensichtlich. Es gab einige schöne Entwicklungen und auch das Setting an sich mochte ich gern, es wäre aus meiner Sicht aber einfach mehr drin gewesen.

Ich danke dem Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

2 Gedanken zu „[gelesen] Falkenmädchen. Divinitas 1 von Asuka Lionera“

    1. Hallo Tanja,
      ja, ich bin aktuell dabei den zweiten Band zu lesen und werde danach entscheiden, ob ich auch den dritten noch lesen möchte. 🙂
      Liebe Grüße
      Dana

Schreibe einen Kommentar

(Kommentare werden von uns freigeschaltet.)

Mit dem Absenden des Formulars werden deine Nachricht sowie dein Name und deine Webseite (freiwillige Angaben) gespeichert. Weitere Informationen findest du in der Datenschutzerklärung.