[gelesen] Die Fäden der Zeit von Lori M. Lee

Die Fäden der Zeit

Autor: Lori M. Lee
erschienen Juli 2015
Verlag: Blanvalet
ISBN:  978-3-7341-6031-8
© Blanvalet
überraschende, teils verwirrende Geschichte und
faszinierender Welt


Kai lebt im sogenannten Labyrinth, dem Elendsviertel von
Ninurta. Als Briefträgerin am Weißen Hof verdient sie sich ihre Punkte um
zusammen mit ihrem Bruder Reeve, der als Türsteher arbeitet, ihr Überleben zu
sichern und für ihren gemeinsamen Umzug zu sparen.
Immer wieder verschwinden Menschen aus der Gegend, angeblich
verschleppt vom einem Schwarzen Reiter, doch jeder ist zu sehr mit seinen
eigenen Problemen beschäftigt, um sich ernsthaft damit zu befassen. Doch als
Reev eines Tages nicht nach Hause kommt, begibt sich Kai auf die Suche.
Zusammen mit ihrem Freund Avan verlässt sie die sicheren Mauern Ninurtas und
begibt sich in die Einöde, in der allerlei Gefahren und Monster lauern…
Kai ist eine sehr spannende Figur. Das 17-jährige Mädchen
ist mutig und entschlossen ihr Leben zu verbessern. Für ihren Bruder ist sie
bereit, jede Gefahr auf sich zu nehmen, auch wenn sie sich damit selbst in
Schwierigkeiten bringt. Denn der Teenager hat ein großes Geheimnis: Sie kann
die Fäden der Zeit sehen und sie beeinflussen. Doch Kai verwendet ihre Gabe so
selten wie möglich, aus Angst, entdeckt zu werden.
Kai, die die Handlung aus der Ich-Perspektive schildert, war
mir schnell sympathisch. Sie agiert tough und schlagfertig, doch sobald ihr
Freund Avan in ihre Nähe kommt, wird sie plötzlich ganz schüchtern und
zurückhaltend und ihre Gefühle fahren Achterbahn.
Als Leser wird man direkt ins Geschehen geworfen, es gibt
keine langen Einleitungen. Nach und nach bekommt man einen Einblick in Kais
Leben und die Lebensbedingungen der Stadt. Und dann ist auch schon Reev
verschwunden. Die Spannung steigt, die Gefahren nehmen zu und es gibt außerhalb
Ninurta nochmal einiges zu entdecken.
Zwischenzeitlich hatte ich den Eindruck, die Geschichte
kommt nicht so recht voran, es gibt im Mittelteil viele eher ruhigere Szenen.
Auch der Titel erschloss sich mir lange nicht, da Kais Gabe zunächst nur eine
geringe Rolle spielt. Doch dann überschlugen sich plötzlich die Ereignisse. Mit
einer überraschenden Wendung wird am Ende alles zuvor Geglaubte auf den Kopf
gestellt und der Leser ziemlich verwirrt. Das meiste klärt sich zwar, einige
Punkte bleiben aber in der Schwebe, sodass ich erleichtert war, als ich sah,
dass es eine Trilogie werden soll.
Die Welt, die Lori M. Lee,
entwirft, ist komplex und vielfältig. Neuartige Wesen erwarten den Leser in
dieser Welt, in der die Magie als nahezu ausgestorben gilt. Allerdings bleiben
viele Fragen in Bezug auf die Geschichte des Landes noch offen.
Spannender Einstieg, auf den nach einigen turbulenten
Szenen erst mal eine ruhigere Story folgt, die zum Ende hin wieder richtig
dramatisch und überraschend wird. Tolle facettenreiche Charaktere und eine
abwechslungsreiche Handlung mit Action und Gefühl. Aber es sind noch einige
Fragen offen. Ich freue mich auf die Fortsetzung.

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