[gelesen] Kuckucksmörder von Raimon Weber

Kuckucksmörder

Autor: Raimon Weber
erschienen November 2014
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3548285344

 © Ullstein

Wo bleibt die Spannung?

Polizistin Eva Flessner erlebt einen schweren
Schicksalsschlag: Ihre beste Freundin sowie deren Mann und zwei Kinder werden
ermordet. Die Tat bringt ans Licht, dass die Familie nicht so glücklich war,
wie es nach außen schien. Während Eva versucht, den Täter zu finden, hat dieser
bereits eine neue Familie im Blick, der er zu einem besseren Leben verhelfen
möchte…
Der Klappentext verspricht mehr, als das Buch halten kann.
Eine ermittelnde Polizistin und ein Täter, der auch sie im Visier hat, werden
dort angedeutet. Tatsächlich ist es aber so, dass die Polizistin kaum vorkommt.
Die spannende Ermittlungsarbeit mit vielen falschen Fährten fehlt leider.
Stattdessen weiß der Leser von Beginn an, wer der Täter ist
und in welcher Beziehung er zu der Polizistin steht. Nun wartet man voller
Spannung darauf, wer zuerst sein Netz um den anderen spinnt. Und wartet, und
wartet… Und dann kommt es auf wenigen Seiten zu einem zufälligen Showdown und
schon ist das Buch vorbei. Allerdings bleibt die Handlung dabei sehr offen, als
wären weitere Fälle der Polizistin geplant.
Die Geschichte an sich ist schon interessant. Der Mörder
meint, etwas Gutes mit seinen Taten zu vollbringen. Er strengt sich wirklich an
und versucht, seinen Opfern seine Motive zu vermitteln. Leider sind diese so
verängstigt, dass sie seine Taten immer wieder missverstehen und es zu
Konflikten kommt, sodass die Situation zu eskalieren droht. Allerdings wird er
mit der Zeit mit seinen verdrehten Ansichten auch etwas anstrengend, da sich
regelmäßig Gedankengänge wiederholen.
Insgesamt fehlt dann einfach die Spannung, weil der Täter halt
tut, was er tut, während man von der Polizei so gut wie nichts erfährt.
Der Erzählstil ist angenehm. Zwar wird in der dritten Person
erzählt, trotzdem erlebt man die Geschichte immer mal wieder etwas näher aus
Sicht des Täters, eines Opfers oder der Polizistin, sodass man dann jeweils
auch kleine Einblicke in deren Gedanken erhält.
Der Schreibstil ist dabei sehr bildhaft – auch was die
blutigen Szenen angeht, von denen das Buch ein paar zu bieten hat.

Interessante Geschichte mit unausgeschöpftem Potential. Die Spannung
bleibt auf der Strecke, weil man von der Polizeiarbeit zu wenig erfährt,
während der verrückte Mörder vor sich hin werkelt, bis das Ganze am Ende nur
durch puren Zufall viel zu schnell aufgelöst wird.

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