[gelesen] Vollkommen von Patricia Rabs

Vollkommen

Autor: Patricia Rabs
erschienen November 2014
ISBN: 978-3-646-60084-1

 © Impress

anstrengende Protagonistin dämpft Lesefreude

Wer zur Spende gehen kann, hat ein sicheres Einkommen und
lebt in der privilegierten Mitte. Wer nicht spenden darf, lebt in Armut am
Rand. Die 17-jährige Teresa wurde bei der Blutspende aussortiert. Um das Leben
in der Mitte finanzieren zu können, arbeitet ihre Mutter hart und auch Teresa
verdient Geld, indem sie Schüler am Rand unterrichtet. Einer ihrer Schüler ist
Lukas, der sie eines Tages bittet, ihn zu seiner ersten Spende zu begleiten.
Doch ihre Zusage wird zu einem Fehler, der Teresas ganzes Leben verändert…
Ich hatte mich sehr auf das Buch gefreut, weil ich Dystopien
im Allgemein super finde, aber mit Vollkommen hatte ich ziemliche
Schwierigkeiten, was vor allem daran lag, dass ich mit Teresa nicht wirklich
warm geworden bin.
Teresas ganze Welt wird durch nur einen Tropfen Blut auf den
Kopf gestellt. Zwar ist nachvollziehbar, dass es sie aus der Bahn wirft, zu
erfahren, dass ihr bisheriges Leben auf Lügen basierte und sie nicht die ist,
die sie bisher zu sein glaubte, aber Teresa verhält sich für mich insgesamt
einfach zu naiv und ist oft ziemlich schwer von Begriff. Da sie die
Ich-Erzählerin der Geschichte ist, ist es auch relativ schwer, sich ein Stück
von ihr zu distanzieren und den Rest der aufwühlenden Story zu genießen.
Mit andere Figuren, wie zum Beispiel dem charmanten Charter
oder dem griesgrämigen, vermeintlich „bösen“ Daniele bin ich hingegen schneller
warm geworden, wobei es interessant ist, zu beobachten, welche verschiedenen
Charakterzüge die Figuren in den unterschiedlichen brenzligen Situationen zeigen.
Dadurch, dass ich nicht wirklich Sympathien für die
Protagonistin entwickeln konnte, zog sich dann zunächst auch die Handlung ein
wenig. Dabei ist die dystopische Welt, die Patricia Rabs entwirft, interessant
und erschreckend zugleich. Erst nach und nach erschließen sich die Hintergründe
der Blutspenden und die Gegensätze des geteilten Landes werden sichtbar.
Die Geschichte ist durchaus spannend. Man möchte erfahren,
was es mit Teresas Besonderheiten auf sich hat und wer hinter allem steckt. Auf
der Suche nach Schutz und Antworten geraten die Figuren mehrfach in Gefahren,
die es zu überwinden gilt. Nie können sie sicher sein, wer auf ihrer Seite
steht und wo die nächste Falle lauert. Gut gefallen hat mir daran, dass die
Handlung nur an wenigen Stellen vorhersehbar war und das Geschehen immer wieder
durch unerwartete Ereignisse eine neue Wendung nahm.
Das Ende bietet einige Antworten auf die drängendsten
Fragen, insgesamt ist die Handlung aber noch sehr offen.

Schwierigkeiten mit der für mich zu naiven Hauptfigur machten es
schwer, mich völlig auf die eigentlich spannende Geschichte einzulassen.
Patricia Rabs entwirft ein komplexes Szenario, in dem noch viele Fragen offen
bleiben. Die Neugier auf die Fortsetzung ist trotz allem geweckt.

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