[gelesen] Maze Runner-Trilogie – die Auserwählten von James Dashner

Maze Runner-Trilogie
Die Auserwählten

Autor: James Dashner
erschienen September 2014
Verlag: Chicken House
ISBN: 978-3551520685

© Chicken House
 
Düster, brutal und manchmal deprimierend

Gesamtfazit
Maze Runner, die 1500 Seite starke Trilogie von James
Dashner, überzeugt durch eine ungewöhnliche Idee und eine Handlung voller
Überraschungen. Die dystopische Welt mit all ihrer Krankheit, Brutalität und
Zerstörung erzeugt die komplette Geschichte über eine bedrückte, düstere und
oft auch hoffnungslose Atmosphäre. Verstärkt wird dies, da die Zusammenhänge
lange offen bleiben. In ganz kleinen Häppchen erschließen sich über die
Trilogie hinweg die Hintergründe der Seuche und des Projekts, in das Thomas und
seine Gefährten geraten sind. Ein Ereignis jagt das nächste, die Protagonisten
müssen zahlreiche Abenteuer bestehen und Gefahren überwinden. Zwar wird das
Geschehen an keiner Stelle wirklich langweilig, irgendwann im dritten Band waren mir
einzelne Passagen dann aber doch etwas langatmig und ich habe mir endlich eine
Auflösung herbeigesehnt, nachdem man so lange mitgerätselt hat.
Es empfiehlt sich, die Bände direkt nacheinander zu lesen,
da man so all die kleinen Details im Kopf behalten kann. Rückblicke gibt es nur
vereinzelt und auch nur sehr bruchstückhaft.
Dashner lässt seine Jungs ihre eigene Gemeinschaft
erschaffen, zu der auch ganz eigene Ausdrücke gehören. Zunächst sind diese
ungewöhnlich, aber man findet sich schnell hinein und bemerkt die ausgefallenen
Worte irgendwann nicht mehr.
Am Ende werden nicht alle Fragen geklärt, über ein paar
Zusammenhänge bleibt der Leser im Dunkeln. Das Bonusmaterial der Gesamtausgabe,
die Geheimakten, geben hier ein Stück mehr Aufschluss über bestimmte
Hintergründe und lassen manche Geschehnisse in neuem Licht erscheinen.
Eine packende Trilogie mit ungewöhnlicher und oft
überraschender Handlung, die nur an wenigen Stellen etwas langatmig wird. Einblicke in Thomas Gedanken sowie bildhafte Beschreibungen ziehen sich durch
das Geschehen, auch bei den oft brutalen Szenen. Aufgrund der durchweg düsteren
Stimmung, der hoffnungslosen Situation und der vielen blutigen Szenen ist es
manchmal allerdings auch nicht gerade leichte Kost – die Altersempfehlung ab 13 Jahren halte ich nur bedingt für angemessen.

 

Band 1: Die Auserwählten – Im Labyrinth

Chicken House, März 2011,
978-3551520197

Ohne Gedächtnis wacht Thomas in einem Fahrstuhl auf, der ihn
geradewegs auf eine Lichtung bringt. Dort befinden sich bereits 50 andere
Jungen, die den Frischling misstrauisch beäugen. Thomas bleibt nichts
anderes übrig, als sich in diese kleine Gemeinschaft einzufügen, die von
riesigen Mauern umgeben und durch Stahltore vor unheimlichen Wesen geschützt
ist, die nachts durchs Labyrinth irren. Doch als kurz nach ihm ein Mädchen auf
der Lichtung erscheint, ändert sich einiges für die Teenager und eine Zeit
voller Gefahren beginnt…

Erzählt wird die Geschichte aus der personalen Sicht von
Thomas. Der Leser erlebt, was er erlebt, sodass man nur einen eingeschränkten
Blick auf die Handlung hat, allerdings Anteil an seinen Gedanken und Gefühlen
nehmen kann.
Thomas war mir schnell sympathisch. Statt eingeschüchtert
und ängstlich zu sein – schließlich landet er zwischen lauter Fremden an einem
unbekannten Ort und wird zunächst nur herumgeschubst – stellt er Fragen, wehrt
sich gegen Anschuldigungen und will einen Ausweg für die Gruppe finden.
Dabei zeigt er verschiedene Facetten seiner Persönlichkeit,
vor allem, wenn er hin und wieder Bruchstücke seiner Erinnerungen erhält, die
ihn teils aus der Bahn werfen, teils aber auch neue Hoffnung schöpfen lassen.
Von den restlichen 50 Jungen lernt der Leser nur einen
kleinen Teil kennen. Diese werden nicht nur optisch, sondern auch von ihrem
Charakter sehr unterschiedlich dargestellt, sodass eine interessante Mischung
entsteht. Man entwickelt Sympathien und Antipathien; mit einigen fiebert man
mit, andere würde man manchmal lieber außerhalb des Labyrinths sehen…
Gemeinsam haben sie, dass man oft vergisst, wie jung sie
eigentlich noch sind. Dadurch, dass die ca. 12- bis 17-jährigen Teenager
teilweise bereits seit zwei Jahren gezwungen sind, ihr Leben auf der Lichtung
allein zu organisieren, wirken sie in vielen Szenen deutlich reifer, in anderen
Momenten hingegen benehmen sie sich aber auch noch recht kindlich. Insgesamt
sind ihre Verhaltensweisen verständlich geschildert, sodass man als Leser die
verschiedensten Emotionen auf der Lichtung gut nachvollziehen kann.
Die Geschichte ist von Beginn an spannend. Das Setting,
ebenso wie die Gegner, ist ungewöhnlich und wirft sofort viele Fragen auf.
Warum sind die Jungen auf der Lichtung? Was hat es mit dem Labyrinth auf sich?
Wer beobachtet sie? Was lauert dort im Labyrinth? … Nur ein winziger Teil der
Fragen wird im Verlauf der Geschichte beantwortet. Hier und da erhalten Thomas
und seine Freunde einige Hinweise, ein Gesamtbild ergibt sich dadurch aber noch
nicht.
Das Ende ist sehr offen und durch den Epilog wird deutlich,
dass die Gefahr für die Jungen noch nicht beendet ist. Gleichzeitig werden
damit neue Fragen aufgeworfen.

Ein Trilogieauftakt, der viele Fragen aufwirft und Neugier auf die
Fortsetzung erzeugt. Eine interessante Idee und abwechslungsreiche Charaktere
sorgen für durchgehende Spannung.

 

Band 2: Die Auserwählten – In der Brandwüste

Band 2 der Reihe, inhaltliche Spoiler zu Teil 1 vorhanden

Chicken House, Juni 2012
978-3551520357

Nach ihrer scheinbaren Rettung aus dem Labyrinth müssen die
Jungen erkennen, dass das Abenteuer keinesfalls beendet ist. Ihrer Retter sind
verschwunden und auch Teresa ist nicht mehr da. An ihrer Stelle treffen sie auf
einen Jungen, der ebenfalls vor kurzem aus einem Labyrinth geflohen ist, mit
seiner eigenen Gruppe – einer Gruppe von Mädchen… Statt der erhofften
Sicherheit stehen den Lichtern neue Gefahren bevor…

Band zwei setzt nahtlos an die Ereignisse des
Vorgängerbandes an. Da ich die Bücher direkt hintereinander gelesen habe,
benötigte ich keine Auffrischung, hatte allerdings auch den Eindruck, dass es
ohne Vorkenntnisse schwierig sein könnte, aus den Fragmenten, die über
Gespräche und Erinnerungen noch mal aufgenommen werden, ein Gesamtbild zu
erzeugen.
Zudem sind durch den ersten Teil bereits die Figuren
bekannt, die jeweils in einer bestimmten Beziehung zueinander stehen.
Der Erzählstil wird beibehalten. Wieder erlebt der Leser die
Geschichte aus der personalen Sicht von Thomas und erhält damit nur einen
Einblick in das Geschehen, das Thomas direkt umgibt. Über Gespräche werden
Ereignisse zusammengetragen, die ohne Thomas’ Beisein stattfinden.
Während in Band 1 ein Ereignis das nächste jagte, hatte ich
in diesem Band das Gefühl, dass die Handlung zunächst etwas langsamer
vorangeht, bevor sie dann im weiteren Verlauf 
wieder deutlich an Tempo zugelegt hat und viele unerwartete Ereignisse
eintrafen. Mit der Zeit hat Thomas es schwer, einzuordnen, wer auf welcher
Seite steht. Als Leser ist man ähnlich ratlos. Statt Fragen zu beantworten,
kommen in diesem Band viele weiter hinzu.
In seinen Träumen sieht Thomas immer wieder Fragmente seiner
Vergangenheit. Zwar lassen sich dadurch einige Ereignisse erahnen, über die
Hintergründe von ANGST bleibt man aber dennoch im Unklaren.

Die Jugendlichen haben erneut viele Prüfungen zu bestehen, wobei Dashner
auch einige Verluste in Kauf nimmt. Bildhafte Beschreibungen ermöglichen es,
sich das Gesamtgeschehen und die Umgebung gut vorzustellen – auch bei den
blutigen Szenen, wobei hier nicht übertrieben stark ins Detail gegangen wird.

Gelungene Fortsetzung, die neue Facetten der Chraktere ans Licht bringt. Streckenweise hätte die Handlung etwas schneller gehen können. Auf Antworten wartet man fast vergeblich, sodass nun alle Hoffnungen auf dem Finale ruhen.

Band 3: Die Auserwählten – In der Todeszone

Band 3 der Reihe, inhaltliche Spoiler zu Teil 1 und 2
vorhanden
Chicken House, Mai 2013
978-3551520357

Wieder wägt die Gruppe sich in Sicherheit und wieder wird
sie getäuscht. ANGST glaubt immer noch fest an ein Heilmittel, das sie
mithilfe eines Auserwählten herstellen möchte. Der Preis dafür ist allerdings
hoch…

Die Geschehnisse setzen wieder nahtlos an die Ereignisse des
zweiten Bandes an, nur wenige Tage sind vergangen. Erneut werden Rückblenden
sehr spärlich gesät, sodass man dem Buch ohne die entsprechenden Vorkenntnisse
kaum wird folgen können. Vor allem, weil Thomas bruchstückhaften Erinnerungen
in Band zwei mehr Fragen als Antworten aufgeworfen haben und man auch als Leser
der ersten Bände mit sehr löchrigem Wissen ins Finale startet.
Der Erzählstil bleibt beibehalten. Aus der personalen Sicht
von Thomas erlebt der Leser die Geschichte. Ein flüssiger Schreibstil und
bildhafte Beschreibungen, auch bei blutigen Szenen, von denen es immer mehr
gibt, ziehen sich durchs Buch.
Schön ist, dass es in diesem Band endlich etwas mehr Infos
über den Rest der Welt gibt – wie es zu der Seuche gekommen ist, wie die
Menschen in anderen Regionen leben und wie versucht wird, Infizierte und
Gesunde zu trennen.
Die Geschichte ist natürlich spannend, weil man endlich
wissen möchte, wie es ausgeht. Wie hängt alles zusammen? Kann ein Heilmittel
gefunden werden? Können die zwei Testgruppen wirklich zur Rettung der Welt
beitragen?
Auf Antworten muss der Leser diesmal eine ganze Weile warte,
denn zunächst werden Thomas und seine Freunde wieder in allerlei neue Gefahren
verstrickt, die sie überstehen müssen.
Dabei hatte ich leider irgendwann das Gefühl, dass es mir
mit den immer neuen Hindernissen langsam reicht. Die Geschichte wurde in der Mitte
etwas langatmig, da das Ziel einfach nicht in Sicht kam.
Das Ende entschädigt dafür allerdings – dieses ist wieder
sehr rasant, actionreich und bietet allerlei unerwartete Wendungen.
Jedoch sind am Ende längst nicht alle Fragen beantwortet
und die Zukunft ist in gewisser Weise noch ungewiss.

Ein Abschlussband, der die Geschichte stimmig zuende bringt, wobei
Dashner auch blutige Opfer nicht scheut. Spannende, allerdings auch
streckenweise zähe Story, die am Ende leider nicht alle Fragen
beantwortet.

Vielen Dank an Chicken House für das Rezensionsexemplar.

4 thoughts to “[gelesen] Maze Runner-Trilogie – die Auserwählten von James Dashner”

  1. Hallo und guten Tag,

    also diese Buchreihe hat es doch schon mal in einer anderen Ausführung/Verlag gegeben oder täusche ich mich da?

    LG..Karin..

  2. Hallo,
    ja, wie unter den jeweilgen Einzelcovern erwähnt, wurden die Bücher bereits 2011 bis 2013 veröffentlicht – mit völlig anderen Covern, aber auch bei Carlsen/ Chicken House. Jetzt zum Filmstart gibt es die neuen Varianten.
    LG,
    anja

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