![]() ©Audible Studios | einmal zweimal mord Herma und Jan ermitteln 2 . Anja Goerz, Eric Niemann gesprochen von Tim Gössler erschienen Februar 2020 ungekürzte Lesung: 460 Minuten . . |
ein Fall, der zwei Orte verbindet
Zweiter Band: Die Kriminalfälle sind jeweils abgeschlossen, dafür benötigt man kein Vorwissen aus dem ersten Buch. Die Handlung bei den Ermittelnden geht allerdings Stück für Stück weiter, so dass es dort hilfreich sein kann, wenn man schon einen Eindruck von ihnen bekommen hat. Es gibt hier aber auch Hinweise auf ihre persönlichen Dämonen und Baustellen, so dass ich schon denke, man kann den Entwicklungen auch gut folgen, wenn man direkt mit Band zwei einsteigt.
Herma Bahnsen und Jan Tesdorp sind nach ihrem gemeinsamen Fall auf Helgoland schon seit einiger Zeit wieder zurück in ihrer jeweiligen Heimat und setzen wie gewohnt dort ihre Arbeit fort. Dass ihre Wege sich so schnell wieder kreuzen, hätten sie vermutlich auch nicht erwartet. In der Flensburger Innenstadt wird ein getöteter Mann aufgefunden. Eben hatte er noch an einer Stadtführung teilgenommen, nun liegt er tot in der Seitenstraße. Herma, die ins Flensburg Hauptkommissarin ist, wird mit dem Fall betraut und versucht mit ihrem Team Hinweise und Spuren zu finden. Während der Ermittlungen meldet sich dann Jan aus Pinneberg bei ihr. In Pinneberg gibt es eine Vermisstenmeldung für einen Mann, der dem Opfer zum Verwechseln ähnlich sieht. Könnte es der gleiche Mann sein oder vielleicht ein Zwilling? Wie hängen die Fälle miteinander zusammen und wer könnte ein Motiv haben, um ein Verbrechen zu begehen?
Die Geschichte hat als Hauptspielplatz Flensburg, da Herma dort die Ermittlungen rund um den Todesfall führt. Immer mal wieder macht man aber auch einen Abstecher zu Jan nach Pinneberg. Er ermittelt eigentlich in einem ganz anderen Fall und versucht mit einem Kollegen dort Spuren zu finden, auch wenn sein Chef nicht so wirklich glücklich damit ist, dass die beiden sich genau mit diesem alten Fall beschäftigen und nicht mit anderen, die aus seiner Sicher wichtiger wären. Zusätzlich unterstützt er die Ermittlungen von Herma, in dem er Befragungen und Recherchen vor Ort in Pinneberg übernimmt, um herauszufinden, ob der Getötete oder der Vermisste die gleiche Person waren und welche Kontakte mögliche Motive gehabt haben könnten.
Umso weiter die Ermittlungen voranschreiten, umso mehr Spuren gibt es, die Stück für Stück miteinander kombiniert und überprüft werden. Das Bild in beiden Kriminalfällen wird komplexer und auf dem Weg zur Lösung werden immer wieder auch potenzielle Verdächtige fallen gelassen, weil sie sich als unschuldig herauskristallisieren.
Wie auch schon im ersten Buch gibt es verschiedene Figuren, die begleitet. Die meiste Zeit stehen Herma und Jan mit ihren jeweiligen Ermittlungen im Fokus. Immer wieder bekommt man jedoch auch Eindrücke von anderen Charakteren, die in irgendeiner Weise mit in die Fälle verstrickt sind. Manchmal hat man dadurch kleine Wissensvorsprünge, das empfand ich meistens jedoch nicht als störend.
Die privaten Probleme der beiden Protagonisten rücken jetzt auch noch etwas mehr in den Fokus. Man erfährt mehr zu den Hintergründen der Figuren, wie sich manches entwickelt hat und welche Lasten sie mit sich herumtragen. Ein paar Dinge wusste man bereits aus dem Auftakt, da blieb vieles aber eher noch vage und es waren mehr Andeutungen, die noch nicht so gut zu greifen waren. Wenn man etwas mehr zu den Ermittlern erfährt, fällt es mir leichter, ihre Handlungen und Entscheidungen verstehen zu können und auch besser nachvollziehen zu können, wieso sie manchen Sachen eher ausweichen, als sich ihnen zu stellen. Die Aspekte, die man hier nun neu erfährt bzw. die vertieft werden, werden sicherlich auch Auswirkungen auf die nächsten Bände der Reihe haben.
Ich empfand die unterschiedlichen Ermittlungen als gut miteinander kombiniert, auch wenn nicht alles, was die beiden Kommissare tun, direkt miteinander im Zusammenhang steht. Jan ermittelt parallel ja noch in einem anderen Fall, aber auch das fügte sich insgesamt recht gut zusammen. Auch wenn es manchmal etwas von dem anderen Fall weggelenkt hat. Die Spannungskurve war schwankend. Es gab Passagen, in denen etwas mehr Spannung und Aha-Momente aufkamen, in anderen blieb die Kurve eher flach. Insgesamt geht es auch eher um Recherche, Kombination der Hinweise, Befragungen, Alibis widerlegen und solche Sachen und nicht um direkte Gefahr, die akut für jemanden besteht. Was natürlich auch einen Einfluss auf die Spannung hat. Trotzdem begegnet man auch Figuren, die durchaus bereit sind über Leichen zu gehen und vor denen man sich in Acht nehmen sollte.
Manche Passagen waren richtig gut betont gelesen. Dort kamen Aufregung und Hysterie toll rüber, was die Handlung gleich noch viel lebendiger macht. In anderen Abschnitten hat mir das dann leider wieder etwas gefehlt. Man konnte die wichtigsten Charaktere beim Zuhören jedoch gut voneinander unterschieden und auch so den Entwicklungen gut folgen. Ich mag die Klangfarbe des Sprechers und fühlte mich gut mitgenommen.
Fazit
Ein guter zweiter Band, mit neuem Schauplatz und neuen Verbrechen – manche Dinge hätten für mich etwas detaillierter und intensiver sein können, um noch mehr Tiefe und Spannung zu erzeugen, insgesamt mochte die parallel laufenden Ermittlungen, die sich immer wieder vermischen, jedoch gern. Man kann der Handlung gut folgen und erfährt auch noch mehr über die Protagonisten.



