Rezensionsexemplar
![]() © Cove | Touch of Perish Kingdom of the Black Crescent 1 . . Lexy v. Golden, D.C. Odesza erschienen im Juni 2025 480 Seiten ab 12 Jahren . hier geht’s zum Verlag → Carlsen/Cove |
Dark-Fantasy – düster, abwechslungsreich, spannend
Kaythara lebt schon immer mit ihrer düsteren Gabe und ist sich stets bewusst, wie tödlich sie für andere sein kann. Eine Berührung von ihr kann ihre Gegenüber altern lassen, bis sie sterben. Schon immer sind die Leute ihr mit Angst und Ablehnung begegnet. Es ist für sie in gewisser Weise normal, auch wenn es manchmal trotzdem wehtut. Sie wäre gern normaler, nicht so gefährlich für alle in ihrem Umfeld. Gemeinsam mit anderen Menschen, die gewisse Begabungen haben, lebt sie in einem abgeschotteten Tempel und wird dort unterrichtet. Sie sollen lernen mit ihren Gaben umzugehen, beziehungsweise in Kaytharas Fall soll ihre Fähigkeit ausgetrieben werden, damit sie nicht mehr töten kann – zumindest ist es das, was man ihr erzählt.
Auch wenn sie nicht über alles glücklich ist, was innerhalb der Tempelanlage passiert, so ist es eben doch das Leben, das sie kennt. Gezwungenermaßen glaubt sie viel von dem, was ihr erzählt wird, kennt sie doch nichts anderes, um Vergleiche oder Zweifel anzubringen. Erst als ein Wächter kommt, der sich über die Regeln hinwegsetzt, der beginnt, sich wirklich mit ihr zu beschäftigen und sich für sie einzusetzen, wird in Kaythara etwas losgetreten, was sie gegen das System rebellieren lässt. Zunächst nur sacht, bis die Stimme in ihr drängender wird, dass es doch möglich ist, etwas zu verändern… Und dennoch ahnt sie nicht, dass sie auch weiterhin ein Spielball der verschiedenen Fronten bleibt.
Zu Beginn des Buches gibt es eine schöne Übersichtskarte, mit der man sich die Aufteilung der Reiche und die Anordnung der Städte gut vorstellen kann. Das hilft beim Zurechtfinden, wenn die Charaktere durch die Gegend reisen. Die erste Seite jedes Kapitels ist schwarz gehalten, was zum einen eine gute Abtrennung darstellt, zusätzlich jedoch auch die stellenweise schon recht düstere Atmosphäre innerhalb der Geschichte aufgreift.
Der Hauptteil der Geschichte ist aus der Ich-Perspektive von Kaythara geschildert, so dass man intensive Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonistin bekommt. Im Verlauf der Handlung wird dadurch auch immer deutlicher, wie sehr sie von dem geprägt ist, was sie ihr Leben lang eingetrichtert bekommen hat und dass es ihr sehr schwer fällt, loszulassen und neue Gedanken zuzulassen. Für sie ist die Welt außerhalb des Tempels neu. Sie kann vieles gar nicht richtig einordnen, weiß nicht, was sie glauben soll, kann sich nur sehr schwer von den Prägungen lösen, die in ihr verankert sind. Kay zweifelt häufiger, in anderen Punkten lässt sie sich jedoch auch auf die neuen Dinge ein, die auf sie einprasseln, nicht wissend, dass auch davon nicht alles so ist, wie man es sie glauben lassen will. Es fällt der Protagonistin schwer zu durchschauen, wem sie was glauben kann und wer es ehrlich mit ihr meint. Wenn man betrachtet, wie sie aufgewachsen ist, kann man ihr ihre Unwissenheit, ihre Gefühlsausbrüche und unüberlegte Entscheidungen aber kaum ankreiden. Auch wenn man sich an der einen oder anderen Stelle wünscht, dass sie wirklich mal auf ihren Gegenüber hören und sich nicht noch zusätzlich in Gefahr begeben würde.
Kay muss viel lernen und ihren eigenen Weg finden, was nicht leicht ist, wenn man sich erst mal in einer völlig neuen Umgebung mit all den Eindrücken zurecht finden muss. Neue Informationen über ihre Gabe, über das Reich, in dem sie lebt und wie die Strukturen dort sind, wer die Leute, mit denen sie sich bisher umgeben hat, wirklich sind und all solche Dinge fordern sie immer wieder heraus. Mit der Zeit findet sie Stück für Stück heraus, wer sie wirklich ist und wer sie vielleicht sein möchte, auch wenn dieser Prozess noch längst nicht abgeschlossen ist.
Einige Kapitel erlebt man auch aus der Sicht von Mordan, dem Wächter, der Kay im Tempel beginnt die Augen zu öffnen, der allerdings auch so seine Geheimnisse mit sich herumträgt, und Lord Naython, der innerhalb des Tempels all die Jahre Kays „Vertrauter“ und Lehrmeister war. Er hat sich persönlich um einige Abschnitte ihrer Ausbildung gekümmert und war sehr bemüht, die tödliche Gabe abzumildern oder auszutreiben – zumindest laut seiner Aussage. Was er wirklich gemacht hat, erfährt man innerhalb der Geschichte.
Durch die Kapitel mit anderer Perspektive erhält man einen besseren Überblick über die Handlungen, die teilweise ja auch parallel voneinander ablaufen und erfährt etwas zu den Gedankengängen und Absichten der anderen Figuren. Damit kann man das Gesamtgeschehen besser einordnen und hat manchmal auch einen kleinen Wissensvorsprung.
Schon zu Beginn der Geschichte wird klar, dass hier keine locker-leichte, fröhliche Handlung auf einen zukommt. Es wird stellenweise recht düster, manchmal auch etwas brutal und die Macht, die manche Charaktere haben oder sich einfordern, prägt die Geschichte. Der bildhafte, anschauliche Schreibstil macht viele Dinge sehr gut vorstellbar und unterstützt die Stimmung innerhalb des Buches. Immer wieder ist die Atmosphäre bedrückend oder beängstigend, es gibt Kämpfe und Auseinandersetzungen, Momente der Flucht und Ausweglosigkeit. Zwischendurch gibt es jedoch auch Passagen, in denen es etwas ruhiger ist, Gedanken sortiert und neue Informationen verarbeitet werden können oder auch mal positive Dinge passieren und Raum für Entwicklung bleibt.
Besonders spannend fand ich die Vielfalt der möglichen Gaben, die manche der Charaktere besitzen. Manche davon sind ebenfalls recht beängstigend und gefährlich, andere sehr nützlich. Es kommt aber natürlich immer auch darauf an, wie diese eingesetzt werden. Vor allem bei Mordan gab es da an Fähigkeiten einiges zu entdecken. Aber auch die Gabe von Kay empfand ich als spannend, auch wenn sie dadurch zum Spielball zwischen den Fronten wird.
Neben den teilweise recht düsteren Fantasyelementen und machthungrigen Vampiren gibt es aber auch knisternde Anziehung und aufkeimende Leidenschaft, wenn auch unter erschwerten Bedingungen.
Manche Entwicklungen sind zu erwarten, immer wieder gibt es jedoch auch Wendungen, die man nicht unbedingt kommen sieht. Auch wenn sich die Handlung scheinbar in eine klare Richtung entwickelt, kommt es dann manchmal doch noch mal ganz anders. So verändert sich auch die Dynamik in der Geschichte immer wieder und auch wer in den Fokus rückt und gerade die wichtigste Rolle zugeschrieben bekommt, wechselt innerhalb des Buches. Immer wieder wird damit auch die Spannung innerhalb der Handlung erhöht. Am Ende kann man auf jeden Fall neugierig darauf sein, wie es nun weitergehen wird mit Kay und den anderen.
Fazit
Ein Auftakt, der mit vielseitigen Elementen, einem ausdrucksstarken Schreibstil, einer größtenteils düsteren Atmosphäre und interessanten Entwicklungen punkten kann. Die wechselnden Perspektiven ermöglichen einen guten Überblick über die Handlung, ohne zu viel vorweg zu nehmen. Wer bei manchen Themen empfindlich ist, sollte vorher vielleicht die Triggerwarnung lesen, manche Passagen im Buch sind keine leichte Kost.

Ich danke dem Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

