[gelesen] Rassismus geht uns alle an von Josephine Apraku, Jule Bönkost, Meikey To

Rezensionsexemplar

© Carlsen

Rassismus geht uns alle

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Josephine Apraku, Jule Bönkost, Meikey To
erschienen im März 2022
48 Seiten
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Carlsen

Kompakter Überblick über ein komplexes Themenfeld – aber zu kompliziert für Kinder

Die Idee, das Thema Rassismus als Kinder-Sachbuch aufzugreifen, finde ich super. Es ist wichtig, vom Kindesalter an für das Thema zu sensibilisieren und darauf aufmerksam zu machen, dass z.B. auch unbedachte Äußerungen andere Menschen verletzen können.

„Für Kinder ab 8, Lehrkräfte, für Eltern – für alle.“ – heißt es hinten auf dem Buch.
In meinen Augen ist der Text aber nicht für 8-Jährige geeignet. Schon allein durch die grundsätzliche Komplexität des Themenfelds Diskriminierung/ Rassismus und die ganzen Fachbegriffe (für die es teilweise Aussprachehilfen gibt), ist der Text nicht wirklich kindgerecht. Da ganz viele Themen angerissen werden, wird man auf den wenigen Seiten förmlich mit Fachbegriffen erschlagen: Ableismus, Ageismus, Gadjé-Rassismus…
Die AutorInnen benutzen ganz viele Vergleiche (mit Bausteinen, dem Aufbau von Häusern und co.), die das Thema verbildlichen. Für 8/9-Jährige (wie ich sie aus meinem Berufsalltag kennen) erscheinen mir die Ausführungen aber dennoch zu kompliziert.

Im Buchumschlag gibt es ein Glossar, das wichtige bzw. schwierige Begriffe erklärt (z.B. Diskriminierung, PIPoC). Allerdings werden die meisten dieser Begriffe teilweise genauso ausführlich im Text erläutert, sodass letztlich ähnlich klingende Erklärung doppelt vorhanden sind.

Das Büchlein ist mit vielen Illustrationen bebildert. Das Cover spiegelt den Stil und die Vielfältigkeit der abgebildeten Menschen gut wider.

Inhalt

Zunächst werden verschiedene Bereiche von Diskriminierung unterschieden, bevor die unterschiedlichen Formen von Rassismus erklärt werden. Dabei gibt es Einblicke in die historische Entwicklung von Rassismus und Beispiele, wie sich Menschen früher und heute gegen Rassismus einsetzen. Insgesamt sind sämtliche Ausführungen eher knapp gehalten – ein kompakter, erster Überblick, der gerade bei Kindern viele weitere Fragen aufwerfen wird.

Was mir fehlt, sind ganz konkrete Handlungstipps für Kinder. Zwar gibt es ein Kapitel, welches sich der Frage, was man gegen Rassismus tun kann, widmet, es bleibt aber sehr vage – weil es keine einfachen Antworten gibt und viele Möglichkeiten, wo man Rassismus begegnen kann. Das Buch macht darauf aufmerksam, wie auch in Alltagssituationen (teils unbewusst und unbeabsichtigt) Rassismus stattfindet und nennt dafür einige Beispiele. Es sensibilisiert auf jeden Fall dafür, die eigene Sprache und eigene Handlungen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
Mit Blick auf die Zielgruppe hätte ich mir aber kindgerechtere und etwas konkretere Ausführungen gewünscht.
Es wird geschrieben, dass nicht einfach eine Liste mit Wörtern aufgeführt werden kann, die man nicht sagen sollte. Aber warum denn eigentlich nicht? Die Antwort gibt es erst ein wenig später – natürlich verändert sich auch die Sprache. Und dennoch wäre das auf jeden Fall ein Aspekt gewesen, den man Kindern – und Erwachsene – mit auf den Weg hätte geben können. So geht es beispielsweise in einem der ersten Kapitel um „Hauptfarbe“ und Buntstifte – und darum, dass der Begriff nicht neutral ist und die Vorstellung von „Hautfarbe“ von weißen Menschen erschaffen wurde. Warum also nicht an so einer lebensnahen Stelle ganz konkret sagen: Nenn es nicht Hautfarbe, sondern… Und übrigens gibt es von zahlreichen Firmen inzwischen spezielle Sets für „skin tones“ – weil wir eben nicht alle schweinchenrosa sind.

Fazit

Mein Interesse an dem Buch diente der eigenen Wissenserweiterung, war aber auch beruflicher Natur (Kinderbetreuung 6 bis 10 Jahre). Grundsätzlich klang es super, um es den Kindern als Literatur zur Verfügung zu stellen. Nun, nach der Lektüre, würde ich sagen: Ich werde es zwar mitnehmen, aber geeignet ist es höchstens für die Älteren und auch eher zum begleiteten Lesen, da die knappen, komplexen Ausführungen viele weitere Fragen aufwerfen werden.
Von dem Aspekt, der (in meinen Augen) zu niedrig angesetzten Altersempfehlung abgesehen, bietet das Buch ein informativen, manchmal etwas knapp gehaltenen Überblick über das Themenfeld, macht auf Probleme aufmerksam und erinnert daran, dass es Rassismus gibt. Täglich und überall. Deswegen sollten wir ihn aber nicht als „normal“ hinnehmen. Jede/r kann etwas tun und entsprechendes Wissen zu haben, ist ein dafür erster Schritt. – Und Wissen wird hier für 5€ definitiv geboten.

 

 

 

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