[gelesen] Mordsmärchen. Bitterböse Krimis aus dem Märchenland – Anthologie (Hrsg. Andreas M. Sturm)

Rezensionsexemplar

©Ruhrkrimi-Verlag
Mordsmärchen.  Bitterböse Krimis aus dem Märchenland

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Andreas M. Sturm (Herausgeber)
erschienen September 2021
250 Seiten
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Ruhrkrimi-Verlag
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mordend durchs Märchenland – 14 unterschiedliche Kurzkrimis

Es war einmal eine Anthologie, die 14 mörderische Kurzgeschichten in sich vereinte und den Lesern zeigte, wie individuell und flexibel die bekannten Märchen im neuen, tödlichen Gewand präsentiert werden könnten. In diesem Buch können wahrlich nicht alle überleben, nur für wen es am Ende am tödlichsten wird, das ist in jeder Geschichte anders.

In „Mordsmärchen“ ist keine Geschichte wie die andere, jeder Autor erzählt das ausgesuchte Märchen auf seine ganz eigene Weise. Die Auslegung des Themas ist sehr vielfältig angegangen worden. Teilweise sind die Parallelen zum Originalmärchen sehr deutlich und gewisse Handlungselemente wurden übernommen, in anderen Kurzkrimis ist es etwas dezenter eingebunden, es gibt jedoch überall gewisse Aspekte, die Bezug zum Märchen haben. Sollte man das enthaltene Märchen nicht erkennen, hilft das Inhaltsverzeichnis, in dem aufgelistet ist, welche Märchenvorlage innerhalb der Krimis verarbeitet wurden. Zu Beginn jeder Geschichte gibt es zusätzlich einen kleinen Hingucker in Form einer Illustration, die zum Kurzkrimi oder dem Mordgeschehen innerhalb der Handlung passt.
Die Anthologie führt einen an verschiedene Orte, die mal mehr, mal weniger eine Rolle für die Ereignisse spielen. Größtenteils ist man im Ruhrgebiet unterwegs, einige der Krimis führen einen aber auch von dort Weg, sei es weil die Täter auf der Flucht sind oder weil Figuren woanders ein neues Leben anfangen wollen. Die meisten der enthaltenen Märchenkrimis spielen in der Gegenwart oder einer Zeit, die von der technischen Ausstattung und den Gegebenheiten daran angelegt ist, es gibt jedoch aus Ausflüge in vergangene Zeiten und Jahrhunderte.
Ebenso unterschiedlich wie die Zeitepochen und Schauplätze sind die Perspektiven, aus denen erzählt wird. Manche Kurzkrimis sind aus der Ich-Perspektive einer beteiligten Figur geschildert, in vielen gibt es aber auch einen personalen Erzähler, der einen Überblick über die Ereignisse gibt. Dadurch ist es verschieden, wie intensiv man die Personen kennenlernt und wie viele Einblicke man in ihre persönlichen Gedanken und Empfindungen bekommt. Generell ist es in Kurzgeschichten aber eher so, dass man keine besonders tiefen Eindrücke von den Charakteren bekommt und nur wenig Bezug aufbaut. Mich stört das in Anthologien allerdings nicht unbedingt, da ist für mich die bunte Mischung und die vielfältige Herangehensweise interessanter, als einen der Mörder oder Opfer detailliert kennen zu lernen. Und einen groben Eindruck der Figuren bekommt man ja trotzdem. So weiß man dann auch, dass die Motive sehr verschieden sind. Manche morden aus Neid, Habgier, aus Rache oder falschem Stolz, andere wollen unliebsame Familienmitglieder oder angetraute aus verschiedenen Gründen aus dem Weg räumen. In einigen Kurzkrimis sind es auch einfach die gesellschaftlichen Zustände, die dazu führen, dass durch Ungerechtigkeit, Elend, dem Wunsch nach mehr oder ähnlichen Aspekten Wege gefunden werden wollen, mit denen man eine Änderung der Situation herbeiführen kann – und manchmal führt der Weg halt über einen Mord, so denken die Beteiligten. Ähnlich individuell wie die Motivation für die Taten sind auch die Herangehensweisen und die Erfolgsaussichten. Teilweise geht nämlich doch das eine oder andere schief und es trifft gar nicht die, die es treffen sollte oder die Mörder selbst sind zumindest auch mit unter den Opfern.
In einigen Geschichten ist es eher düster, andere sind geprägt von schwarzem Humor. Mal ist es offensichtlich, wer der Täter ist, mal muss man ein wenig mehr Rätseln. Einige Mörder sind sehr kaltblütig und berechnend, andere sind eher spontan zu Tätern geworden und gehen dabei nicht unbedingt so planungsvoll und geschickt vor. Insgesamt ist es aber nicht zu grausam oder blutig, auch wenn es natürlich immer wieder Stellen gibt, an denen deutlich wird, wie die Opfer zu Tode gekommen sind und wie sie dabei zugerichtet wurden. Zwischendurch kommen die Ermittler ins Spiel, die die Fälle aufklären sollen, teilweise erlebt man aber auch nur das Gespann aus Opfer und Täter oder Tätern und es geht mehr um die Planung und Ausführung der Straftaten und weniger um die Aufklärung. So hat man einen unterschiedlichen Spannungsgehalt innerhalb der Kurzkrimis und man kann immer neugierig sein, was wohl als nächstes kommen wird.

Fazit

Es ist eine sehr abwechslungsreiche Anthologie, die mich gut unterhalten hat. Einige der Märchenkrimis empfand ich als spannender als andere, manche haben mich thematisch oder von der Umsetzung mehr angesprochen, andere vielleicht etwas weniger, ich habe mich jedoch in keiner der Geschichten gelangweilt. Es ist einfach eine schöne Mischung aus ganz unterschiedlichen Märchen, die auf verschiedene Weisen in die Kriminalhandlung eingebunden wurden. Mal sind es mehr die Namen und einige kleine Aspekte, die aus den Märchen übernommen wurden, mal findet man deutlichere Parallelen, die sich auch in den Handlungen der Charaktere mehr widerspiegeln. Durch die unterschiedliche Wahl der Perspektiven, Handlungsorte und der Atmosphären innerhalb der mörderischen Kurzgeschichten ist es sehr facettenreich und man kann sich bei jedem Krimi neu darauf freuen, was einen wohl erwarten wird. Am Ende sollte auf jeden Fall für jeden Geschmack etwas dabei sein, so unterschiedlich wie die Krimis sind.

Ich danke dem Autoren und Herausgeber Andreas M. Sturm für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

4 Gedanken zu „[gelesen] Mordsmärchen. Bitterböse Krimis aus dem Märchenland – Anthologie (Hrsg. Andreas M. Sturm)“

  1. Hallo liebe Dana,

    Märchenadaptionen liebe ich – und spätestens seit Christina Henrys Alice-Chroniken weiß ich auch die düsteren sehr zu schätzen. Allerdings bin ich leider so überhaupt keine Krimi-Leserin, deshalb bin ich mir recht unsicher, ob „Mordsmärchen“ wirklich etwas für mich wäre, auch wenn du die Anthologie wirklich sehr ansprechend beschreibst 🙂 Aber ein bisschen Fantasy muss es für mich schon immer sein 😀

    Liebe Grüße
    Lisa von Prettytigers Bücherregal (Blog & Instagram)

    1. Hallo Lisa,
      wenn man so gar keine Krimis mag, dann weiß ich auch nicht, ob das wirklich das richtige Buch wäre. Es ist eben schon eine Krimi-Anthologie ohne Fantasyaspekte, aber mit viel Fantasie 😉
      Von den Alice-Chroniken habe ich auch schon Gutes gehört da habe ich auch schon mal drüber nachgedacht, die zu lesen 😉
      Liebe Grüße
      Dana

  2. Hallo liebe Dana,
    wir haben uns ja schon kurz über dieses Buch unterhalten. Ich lese ja eher selten Anthologien. Für mich ist es aber schlüssig, dass nicht jede Geschichte im gleichen Maße zu unterhalten weiß. Interessant ist, dass hier verschiedene Motive hinter den Taten stecken, verschiedene Resultate aufgegriffen werden und fürs Setting sogar auch unterschiedliche Epochen als Setting herhalten müssen. Das klingt interessant.

    Ich wünsche dir einen schönen Start in dein Wochenende

    Liebe Grüße
    Tanja :o)

    1. Hallo Tanja,
      die Abwechslung macht es in den Anthologien für mich meistens aus. Wenn jede Geschichte das gleiche Motiv hätte, dann wäre es, trotz der unterschiedlichen Schreibstile, vermutlich schnell… langweilig? Vielleicht ist dass das falsche Wort, aber es wäre dann einfach nicht sooo spannend. Durch die unterschiedlichen Motivationen und Ausführungen weiß man hier eben einfach nie, was kommt. Das mag ich gern. 🙂 Solange so Geschichten gut gemacht sind, würde es aber vielleicht auch mit einem Motiv funktionieren, dass sich durch alle Kurzgeschichten zieht 😉
      Liebe Grüße
      Dana

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