[gelesen] Partem. Wie die Liebe so kalt von Stefanie Neeb

Rezensionsexemplar

©Dragonfly
Partem. Wie die Liebe so kalt

Partem 1
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Stefanie Neeb
erschienen Mai 2021
480 Seiten
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Dragonfly
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guter Auftakt; interessante, aber auch gruselige Fähigkeiten; macht neugierig auf mehr

Wer sich einem anderen Menschen öffnet und anvertraut, der macht sich verletzlich. Wer jemandem sein Herz schenkt, kann bitter enttäuscht werden. Aber man kann auch unglaublich viel Positives dabei erleben. Nur nicht unbedingt wenn man auf Jael und seine Mitstreiter trifft. Denn sie sind nicht die, die Wärme, Geborgenheit und Liebe verbreiten, sondern dafür zuständig Gefühle von anderen Menschen zu stehlen und für ihre eigenen Ziele zu benutzen. Jael arbeitet verbissen daran, seine Mission zu erfüllen, die ihn innerlich so quält und beschäftigt. Als er auf Xenia trifft, könnte sie die Lösung sein und das letzte Quäntchen, das er noch benötigt. Doch er hat nicht damit gerechnet, dass sein Herz bei ihrer Anwesenheit aus dem Takt gerät und sie damit alles gefährden könnte, nicht nur weil sie anders ist, als alle anderen…
Xenia hat sich ihr Leben lang von Berührungen fern gehalten so gut es ging. Sobald sie Menschen berührt, hört sie Geräusche, die sie auf Dauer belasten und ihre Konzentration nehmen. Nur Jael scheint anders zu sein, bei ihm zieht Stille in ihr ein und zum ersten Mal spürt sie die Last der Geräusche nicht auf ihrer Seele. Dabei ahnt Xenia jedoch nicht, wer Jael wirklich ist und wie gefährlich er ihr werden könnte. Denn auch wenn er etwas tief in ihr berührt, halten sie die Nähe des anderen kaum aus und Jael ist nicht der einzige, der Interesse an ihrem Herzen hat…

Nach dem spannenden Prolog, in dem deutlich wird, dass der Weg, der da vor den Figuren liegt, ziemlich gefährlich und blutig werden könnte, war ich sehr neugierig, wohin die Geschichte uns führen wird und was sich hinter den Charakteren verbirgt, von denen man zunächst natürlich nur wenig weiß. Während des Buches begleitet man vier Protagonisten, deren Erlebnisse jeweils aus der Erzählerperspektive geschildert werden. Stück für Stück setzt sich so das Gesamtbild zusammen und man erhält Einblicke in die Leben der einzelnen Figuren, die alle miteinander vernetzt sind. Doch auch wenn man im Verlauf so einiges erfährt, bleiben am Ende auch noch zahlreiche Fragen offen und ich bin mir nicht bei jedem sicher, was er oder sie wohl im Schilde führt. Besonders Jael und Chrystal sind für mich nur schwer zu durchschauen. Beide haben eine ereignisreiche, teils düstere Vergangenheit, von der man zum Teil auch etwas erfährt, beide verbergen jedoch auch Dinge und sind bereit für ihre Ziele so manche Grenze zu überschreiten und Methoden zu nutzen, die gegen jede Moral sind. Xenia und ihrem besten Freund Felix gestalten sich für mich etwas klarer, werden durch ihren Kontakt zu den anderen beiden jedoch auch in gewisser Weise zum Spielball und in die Machenschaften verwickelt. Mit all den anderen Figuren auf jeden Fall eine abwechslungsreiche und interessante Personenmischung, mit der es nicht so schnell langweilig wird, vor allem weil einige von ihnen durchaus bereit sind, für ihren eigenen Vorteil zu arbeiten, ohne Rücksicht auf die anderen.

Xenia ist 16 und Schülerin. Die junge Protagonistin war mir recht schnell sympathisch, auch wenn sie ab und an etwas naiv und unbedacht reagiert. In Anbetracht ihres Alters und ihrer Unwissenheit empfand ich das jedoch als passend und authentisch. Sobald sie einen anderen Menschen berührt, hört sie Geräusche- ein Umstand, der für sie sehr belastend ist und dazu führt, dass sie Berührungen jeder Art meidet, so gut es geht. Dass dahinter jedoch noch viel mehr steckt, ahnt sie zunächst nicht. Den Strang um sie und ihre Fähigkeit fand ich sehr interessant und hoffe darauf, dass man dahingehend auch im zweiten Buch dann noch mehr erfahren wird. Ihre Entwicklung wurde größtenteils nachvollziehbar dargestellt und auch die Anziehung, die sie zu Jael empfindet, wurde gut rausgearbeitet. Obwohl die beiden einander gefährlich werden können, knistert es ziemlich heftig. Ich mochte aber auch allgemein die Dynamik die in den Dialogen der beiden zu finden war. Sie schenken sich nichts, greifen sich verbal auch mal an, bringen sich auf die Palme und lesen dabei so viel mehr in dem anderen – manchmal sofort, manchmal erst etwas später.
Jael ist 19 und gemeinsam mit Akrom, Geno, Rafi und Chrystal neu in der Stadt. Die ungewöhnliche WG sorgt schnell für Wirbel, nicht nur weil sie alle fünf unverschämt gut aussehen. Wenn ihre Mitmenschen ahnen würden, wie skrupellos und gefährlich die Gruppe tatsächlich ist, würden sie sich wohl von ihnen fern halten. Denn Jael ist in der Lage anderen Menschen ihre Liebe zu unterschiedlichen Dingen zu nehmen, eine ziemlich gruselige Vorstellung, die natürlich Konsequenzen hat. Auch wenn diese Gabe sehr düster und irgendwie erschreckend ist, fand ich es auch spannend mehr darüber zu erfahren, wie das funktioniert und wieso sie es zu machen scheinen. Dabei werden zwar einige, aber längst noch nicht alle Geheimnisse aufdeckt.
Chrystal und Felix bilden die anderen beiden Perspektiven, so dass man auch von ihnen, ihrem Leben und ihren Gedanken mehr erfährt. Felix ist eine gute Seele, loyal und treu denen gegenüber, die ihm wichtig sind. Er schützt Xenia in verschiedenen Situationen und sorgt sich um seine beste Freundin. Chrystal hingegen scheint zwar auch loyal zu sein, doch wem gegenüber ist nicht immer so klar zu definieren. Auf jeden Fall ist sie eine Kampfmaschine mit einigen Geheimnissen, was es ziemlich spannend macht mit ihr unterwegs zu sein. Durch sie erhält man den einen oder anderen Einblick, der Zusammenhänge und Hintergründe offenbart aber auch Zweifel kommen lässt.

Den Schreibstil von Stefanie Neeb empfand ich als angenehm und stimmungsvoll. Zu Beginn war es nicht ganz leicht die verschiedenen Perspektiven und die Personen zu sortieren, weil man durch die teilweise recht kurzen Kapitel nur wenig Einblicke erhält, dann schon zum nächsten geht und einfach erst mal gar nicht weiß, wie das alles zusammenhängt, wohin uns das Ganze führt und wer welche Absichten verfolgt. Das hat sich im Verlauf des Buches jedoch gebessert, die Perspektiven wurden enger miteinander verflochten und auch von den Figuren weiß man dann mehr. Die Informationen, die man bekommt, waren gut in den Verlauf der Geschehnisse eingeflochten und selbst wenn mal etwas mehr erklärt wurde, empfand ich es nie als langatmig. Es bleibt allerdings auch noch viel offen, vor allem was die übergeordneten Ziele betrifft und wem man vertrauen kann. Es scheint da eine große Diskrepanz zwischen dem Offensichtlichen/Offenbarten und dem Eigentlichen zu geben, was es auf jeden Fall spannend macht, manchmal aber auch für mehr Fragen, als Gewissheit sorgt.
Besonders interessant fand ich die Gaben und Fähigkeiten der Charaktere, auch wenn die teilweise echt ziemlich gruselig sind. Das macht es aber auch spannend ihren Weg zu verfolgen. Ich mochte aber auch die Dynamik zwischen den unterschiedlichen Figuren gern. Dabei schwingen manchmal viel mehr Informationen mit, als sie vermutlich bewusst offenlegen wollten und man bekommt intensivere Einblicke zu den Wesenszügen und Gefühlen. Innerhalb der Geschichte haben die unterschiedlichsten Gefühle eine Rolle gespielt, nicht nur weil die Charaktere in der Lage sind, diese zu manipulieren oder zu nehmen, sondern auch weil sie untereinander so einiges auslösen.
Am Ende des ersten Bandes bin ich nun neugierig, wie es weitergehen wird, wer sich im weiteren Verlauf auf welche Seite stellen wird, wer seine eigenen Ziele vergessen wird oder wer verbissen dafür weiterkämpft, koste es, was es wolle.

Fazit

Ein facettenreicher und interessanter Auftakt, der aber auch noch viel offen lässt. Manchmal war es etwas kompliziert, so richtig durchzusehen, wer da mit wem hinter welchem Rücken woran arbeitet und was eigentlich das übergeordnete Ziel ist. Das liegt auch daran, dass im Auftakt noch nicht alles offenbart wird. An der einen oder anderen Stelle hätte ich gern schon mehr gewusst, da hoffe ich in der Fortsetzung auf deutlich mehr Informationen. Die Charaktere sind nicht alle gut zu durchschauen, ich fand sie aber interessant und es ist spannend ihren Weg und ihre Entwicklungen zu verfolgen, die eng miteinander verknüpft sind. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es weitergehen wird und welche Gefühlsebene im zweiten Band in den Fokus rücken wird.

Ich danke dem Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

4 Gedanken zu „[gelesen] Partem. Wie die Liebe so kalt von Stefanie Neeb“

  1. Huhu Dana 🙂

    So, ich wollte mir ja deine Rezi noch anschauen, um einen genaueren Einblick in deine Meinung zu bekommen. Hiermit getan 😉 und du hast mich neugierig auf die Geschichte gemacht, wobei sie vorerst auf der Biboliste landen wird. Und wahrscheinlich wirds auch nicht zeitnah, da ich wohl eher noch auf eine irgendwann erscheinende Fortsetzung warte^^ klingt nämlich so, als sollte ich die Inhalte behalten und nicht wegen zu langer Wartezeit vergessen^^
    Die Gaben klingen auf jeden Fall spannend, aber auch ein wenig gruselig. Nicht zu wissen, wer auf welche Seite steht, stört mich gar nicht so – dadurch ist es ja auch spannend, weil man die Figuren immer hinterfragt und Allgemein einiges nicht vorhersehbar wird.
    Ich drücke die Daumen, dass Band 2 bald kommt und deine offenen Fragen beantwortet werden 🙂

    Viele Grüße
    Andrea

    1. Hallo Andrea,
      ich habe gehört, Band zwei kommt Anfang 2022, es macht daher vermutlich Sinn, etwas zu warten, bis du dir den ersten Band in der Bib holst, wenn du ihn wirklich lesen möchtest 😉 Ich habe mir ca. 2Seiten Inhaltszusammenfassung aufgeschrieben und hoffe, ich komme damit dann klar, falls ich zu viel vergessen haben sollte. 😀
      An sich finde ich es auch nicht schlimm, wenn man nicht so genau weiß, wer nun was im Schilde führt, zusammen mit dem Rest, den man nicht weiß, entstehen nur einfach enorm viele Fragen, von denen ich gern ein paar schon beantwortet gehabt hätte, aber so ist man definitiv neugierig auf die Fortsetzung, das schadet natürlich auch nicht 😉
      Ich bin gespannt, ob du es irgendwann lesen wirst.
      Liebe Grüße
      Dana

  2. Hallo liebe Dana,
    auf deine Rezension zu diesem Buch war ich schon sehr neugierig. Gerade das, was du über die Dialoge schreibst, spricht mich sehr an. Ich habe schon oft festgestellt, dass ich Dialoge in Büchern brauche. Wenn ich merke, dass mich ein Buch nicht voll zu fesseln weiß, stelle ich im Nachhinein oft fest, dass es über einige Zeit keine Dialoge gab. Ich brauche das irgendwie. Und natürlich müssen diese dann auch zu fesseln wissen. Das scheint bei diesem Buch gegeben zu sein.

    Die Gabe anderen Menschen ihre Liebe zu unterschiedlichen Dingen zu nehmen klingt nicht nur äußerst gefährlich, sie sorgt mit Sicherheit auch für einige spannende Stellen im Buch.

    Eine sehr interessante und schöne Buchvorstellung von dir. Vielen Dank dafür :o)

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

    1. Hallo Tanja,
      für mich kommt es ein bisschen drauf an, was für ein Buch ich lese, würde ich meinen. In Krimis oder Thrillern hat man oft eben viel Ermittlungsarbeit und Recherche, da sind Dialoge manchmal natürlich weniger vorhanden oder einfach anders, als in Liebesgeschichten, was total okay ist. Ich mag es aber auch gern, wenn die Charaktere gut miteinander kommunizieren und diese Gespräche überzeugen (in welcher Form auch immer 😉 )
      Es geht natürlich immer wieder darum, wie die Liebe genommen wird und warum, aber auch darum, was es mit den Leuten macht. Spannend ist das natürlich schon irgendwie, aber vor allem auch faszinierend und erschütternd gleichermaßen. 🙂 Bin schon gespannt, wie es im Abschluss der Dilogie dann laufen wird.
      Liebe Grüße
      Dana

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