[gelesen] Moonchild. Wiege der Dunkelheit von Sandra Florean

Rezensionsexemplar

©
Moonchild. Wiege der Dunkelheit
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Autorin: Sandra Florean
erschienen November 2018
Selfpublishing
520 Seiten, eBook
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Sandra Florean
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düstere, blutige Vampirwelt, spannende Geschichte

Rosalie entflieht ihrer Heimat und versucht sich in einem ruhigen Hafenstädtchen von den Strapazen und Dämonen ihres Alltags zu erholen. Was sie allerdings findet, ist alles andere als entspannt und erholsam. Durch eine zufällige Begegnung bekommt sie Kontakt zu einer Welt, die ihr bisher verborgen geblieben war. Eine dunkle, düstere, brutale Vampirwelt mit klaren Regeln, uralten Fehden und Entscheidungen, zu denen nicht jeder einfach so bereit ist. Hin und hergerissen zwischen Herz und Verstand muss Rosalie sich bald entscheiden, wohin sie ihr weiteres Leben führen soll.

Sandra Florean hat mit diesem Buch ein Werk geschaffen, das einen sehr intensiv in die komplexe Welt der Vampire eintauchen lässt. Nach und nach erfährt man mehr von den Regeln und Gesetzen der Vampire, von ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten, ihrer Lebens- und Überlebensweise. Intrigen und lang gehegte, geheime Zusammenschlüsse werden aufgedeckt, neue Pakte geschlossen und ungeahnte Möglichkeiten der Vampire kommen ans Licht.
Insgesamt kann man sagen, es geht klar strukturiert und nicht gerade liebevoll zu. Auch wenn es Freundschaften, Loyalität und Kooperationen unter den Vampiren gibt, scheint die brutale, durchsetzungsfähige Seite deutlich stärker ausgeprägt zu sein. Wenn sie etwas wollen, wissen sie auch, wie sie es bekommen. Unabhängig davon mit wem sie dafür einen Pakt eingehen oder ob sie sich selbst dafür verkaufen müssen. Wenn es dem Ziel dienlich ist, das sie unbedingt erreichen wollen, werden sie kein Risiko scheuen. So gibt es immer wieder sehr gewaltgeprägte, ruppige, erschütternde Szenen, die deutlich zeigen, wie skrupellos und verbohrt manch einer ist. Man kann sicher nicht alle über einen Kamm scheren, denn es gibt auch Vampire, die deutlich sorgsamer mit ihren Mitmenschen bzw. Vampiren umgehen, auf das Wohl anderer bedacht sind, aber auch sie feilschen unerbittlich für ihre Zwecke.
Rosalie scheint in diese Welt nicht wirklich hinein zu passen. Auch sie hat schon einige Schicksalsschläge hinter sich, die sie zeitweise traurig und nachdenklich machen, trotzdem wirkt sie zwischen den düsteren, missgestimmten Vampiren wie ein strahlender Sonnenschein. Sie kann sich auch nur schwer mit all den Informationen abfinden, die sie bekommt. Die erschreckenden Situationen, in die sie während der Geschichte gerät, machen es nicht gerade einfacher. Und doch ist da eine Verbindung, die es ihr ebenso schwer macht, die Finger von der Vampirwelt zu lassen.

Die Charaktere sind sehr interessant und vielseitig. Auch wenn es keine Ich-Perspektive gibt, erfährt man sehr viel von ihnen, besonders von den drei Charakteren, die man immer wieder abwechselnd begleitet. So kann man verschiedene Handlungsstränge verfolgen, die sich immer wieder kreuzen und nie ganz isoliert voneinander zu betrachten sind. Als Leser hat man damit manchmal mehr Wissen als die beteiligten Figuren, was es leichter macht, die Situationen einzuschätzen und zu erahnen, was als nächstes passieren könnte. Immer wieder gibt es aber auch unerwartete Entwicklungen, neue Wege, die eingeschlagen werden, aufgrund der aktuellen Geschehnisse. Einige Dinge sind zwar voraussehbar, Reaktionen nicht unerwartet, aber nicht jede Idee, die dann gesponnen und ausgelebt wird, war im Vorfeld abzusehen. Dadurch bleibt die Handlung interessant und ereignisreich. Zwischendurch gab es allerdings auch wiederkehrende Elemente, die mir das Gefühl gegeben haben in einer Schleife aus Düsternis und Brutalität gefangen zu sein. Es ist ein großes Element der Vampirwelt, dennoch hatte ich an ein paar Stellen den Eindruck, man kommt nicht so recht voran, weil nur der Frust, Zorn und Blutdurst ausgelebt werden muss und man keinen Blick für die Zukunft hat. Das mag in der Natur der Vampire liegen, ich hätte mir aber auch hier ein wenig mehr Fortgang der Handlung gewünscht, da es doch sonst häufig temporeich ist und man dann ausgebremst wird, obwohl sie Handlung nie auf der Stelle steht. Es fällt mir ein wenig schwer das genauer zu beschreibe, ohne zu spoilern.
Auch in den ruhigeren, zärtlichen Momenten schwebt immer eine gewisse Dunkelheit über den Charakteren. Die Romantik ist ein wenig überschattet von all den blutigen Passagen, trotzdem wird es immer wieder sehr leidenschaftlich.

Obwohl die Geschichte so düster und grausam ist, habe ich den Schreibstil von Sandra Florean als angenehm und stimmungsecht empfunden. Sie nimmt einen intensiv mit in die Vampirwelt und lässt die Emotionen, Brutalität und den Blutdurst greifbar werden. Dabei ist sie auch mit detaillierten Beschreibungen nicht sehr zimperlich. Man sollte schon ein wenig was abkönnen, um die blutigen Passagen zu überstehen. Die Charaktere wirken sehr authentisch und speziell, jeder hat seine Ecken und Kanten, die ausgelebt werden. Trotz ihres teilweise schon sehr langen Lebens und den festgefahrenen Marotten, sind viele von ihnen bereit, über sich hinaus zu wachsen, Neues zu wagen und sich weiter zu entwickeln, was sehr schön zu beobachten war. Besonders das Ende war dann noch mal ganz anders, als erwartet und rundet das ganze Buch auf eine sehr schöne, überraschende Weise ab.

Fazit

Eine sehr düstere, blutige, brutale, aber auch leidenschaftliche und gefühlsintensive Geschichte, die viele verschiedene Facetten der Vampire zeigt. Sandra Florean bringt die Dunkelheit ihrer Welt sehr anschaulich rüber, nimmt den Leser intensiv mit und lässt einen in die komplexe Welt eintauchen.
Uralte Intrigen, Zusammenschlüsse, alte und neue Feindschaften prägen die Handlung und geben kaum Raum, um wirklich Luft zu holen. Trotzdem empfand ich einige Passagen als würde man doch eher auf der Stelle treten, obwohl durchweg etwas passiert. Vielleicht war es mir am Ende fast ein bisschen viel Blut und Gewalt, auch wenn ich da eigentlich nicht zimperlich bin. Ich kann es gar nicht so ganz greifen, irgendwas hat mir am Ende einfach gefehlt, obwohl es ereignisreich und spannend ist, die drei Protagonisten auf ihrem steinigen, immer wieder durcheinander gewirbelten Weg zu begleiten.

Ich danke der Autorin für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

One thought to “[gelesen] Moonchild. Wiege der Dunkelheit von Sandra Florean”

  1. Ganz herzlichen Dank für diese schöne und vor allem so ausführliche Rezension. Es war mir eine Freude, sie zu lesen, und ich freue mich riesig über Deine Worte und die vier Sterne. Schade, dass ich Dich nicht vollends packen konnte. Aber manchmal ist es eben so. Ich freu mich trotzdem!
    Ganz liebe Grüße
    Sandra

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