[gelesen] Songbird von Anna Rosina Fischer

Rezensionsexemplar

© Piper
Songbird
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Autorin: Anna Rosina Fischer
erschienen Dezember 2018
432 Seiten
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ivi, Piper

kratzt nur an der Oberfläche

Eigentlich ist die Geschichte ziemlich süß. Ella (18) und Sam (22) kennen sich schon ewig. Und beide empfinden schon länger etwas füreinander. Doch keiner hat sich bisher getraut, etwas zu sagen, denn Sam ist so häufig bei Ellas Familie zu Gast, dass er schon fast wie ein Familienmitglied ist. Erst einige unglückliche Umstände führen dazu, dass die beiden sich näher kommen.
Doch eigentlich können die zwei nicht zusammen sein. Denn Sam wird Referendar an Ellas Schule und ist damit ihr Lehrer. So treffen die zwei sich zunächst nur heimlich. Weitere Schicksalsschläge erschweren ihre Beziehung zusätzlich.

Die Treffen der beiden sind sehr intensiv. Sie öffnen sich einander langsam. Obwohl sie sich schon so lange kennen, gibt es doch vieles, was sie nicht übereinander wissen.
Doch insgesamt zog sich die Handlung für mich sehr. Es werden unglaublich viele belanglose Alltagssituationen beschrieben. Der Weg zur Schule und zurück. Pausenerlebnisse. Hinzu kommt, dass Ich-Erzählerin Ella sehr viel und meist still leidet. So lässt sie die Leser an ihren aufgewühlten Gefühlen zwar teilhaben, sie sucht aber keinen Ausweg. Sie igelt sich ein und verliert sich in ihrem Kummer. Da sie sich auch niemandem anvertraut, dauert es, bis sie wieder aus ihrem Loch herauskommt. Und das nächste Problem wartet schon… So sind die gefühlvollen gemeinsamen Passagen immer wieder von langatmigen, anstrengenden Abschnitten unterbrochen.

Zwischendurch blitzt immer wieder durch, dass Ella ein ernsthaftes Problem hat. Aber dies spielt viel zu lange keine Rolle. 30 Seiten vor Schluss habe ich mich gefragt, wie das Thema noch vernünftig aufgelöst werden soll. Die Antwort: gar nicht. Die vermeintliche Lösung fällt eher in ein paar Nebensätzen, wird aber gar nicht vollständig abgeschlossen. Das ganze Thema kommt viel zu kurz dafür, dass es dauerhaft präsent ist. Dabei stört mich vor allem, dass niemand eingreift – zumindest Sam war das Problem in Ansätzen bewusst, aber er ist viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, sodass es nur für ein paar Ermahnungen seinerseits reicht.

Auch das Problem, dass Sam Ellas Lehrer ist, ist eigentlich gar kein so großer Konflikt. Zumindest wird die Situation gelöst, ohne dass viele Worte darüber verloren werden.
Stattdessen stehen andere Schwierigkeiten im Vordergrund, die die beiden beschäftigen. Insgesamt kommen mir dabei die ernsten und wichtigen Themen aber zu kurz, während langweilige Alltagsgeschehnisse zu ausführlich beschrieben werden.

Fazit

Grundsätzlich hat mit die Ausgangssituation der beiden heimlich verliebten Figuren gut gefallen. Und eigentlich bietet die Geschichte auch viel Zündstoff und Konfliktpotential. Doch leider werden alle Probleme nur angekratzt und dann viel zu schnell wieder vom Tisch gewischt. Dafür werden zu viele Alltagssituationen beschrieben und Ella verliert sich mehrfach in ihrem Kummer, sodass die Handlung viele zähe Passagen bietet – dabei waren die gemeinsamen Szenen von Ella und Sam so toll, denn sie befinden sich dauerhaft in einem Wechselbad der Gefühle.

Ich danke dem Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

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