[gelesen] Carin Müller -Tage zwischen Ebbe und Flut

©Droemer Knaur
Tage zwischen Ebbe und Flut

 Autorin: Carin Müller

erschienen September 2016
Verlag: Droemer Knaur
ISBN:  978-3-426-51973-8

abwechslungsreiche Kreuzfahrt mit Tücken

Drei Generationen zusammen im Urlaub, das ist schon eine
Herausforderung für sich. Alle Interessen, Launen und Vorstellungen unter einen
Hut zu bekommen, scheint fast unmöglich. Wenn die Familienmitglieder allerdings
so verschieden sind, wie die der Familie Kaufmann, dann ist Stress schon
vorprogrammiert. Noch dazu kommt die Alzheimer-Erkrankung von Opa Felix, die
für alle zur Geduldsprobe wird. Eine Abwechslungsreiche Kreuzfahrt, die einige
Überraschungen bereit hält.

Auch wenn ich persönlich noch nicht auf einer Kreuzfahrt
gewesen bin, habe ich am Ende der Geschichte den Eindruck, mir gut vorstellen
zu können, was dort alles passieren kann. Man bekommt einen schönen Einblick in
das Leben auf dem Meer, die Organisation von Ausflügen und Tagesplänen, ohne
dabei von den Figuren abzulenken. Die bildhaften Beschreibungen der Landschaft
laden zusätzlich zum Träumen ein.
Im Verlauf der Geschichte lernt man die Charaktere sehr
gut kennen und auch ihre Entwicklungen sind nachvollziehbar beschrieben.
Während Enkelin Fabienne zu Beginn eher der störrische
Teeanger ist, entpuppt sie sich als guter Gesprächspartner, mit festen Zielen
und Ansichten, die viel erwachsener sind, als man ihr zutraut. Trotzdem ist sie
in gewisser Weise noch Kind und genießt die Möglichkeiten, Spaß zu haben und
die Seele baumeln zu lassen.
Auch ihre Tante Judith und Oma Ellen entwickeln sich
weiter. Die beiden Streithähne lassen eigentlich keine Gelegenheit aus, dem
anderen unter die Nase zu reiben, was sie am gegenüber stört. Laute
Anfeindungen vor den anderen Gästen gehören zur Tagesordnung. Nicht besonders
leicht zu ertragen. Was passiert und wie die beiden am Ende des Buches
zueinander stehen, werde ich natürlich nicht verraten, aber es hat Spaß
gemacht, es zu verfolgen, mit all den Höhen und Tiefen, die dabei durchlaufen
werden.
Felix ist einer meiner Lieblingscharaktere. Durch seine
Alzheimer-Erkrankung hat er es nicht leicht und macht es auch seinem Umfeld
nicht leicht. Manchmal ist ihm das bewusst, manchmal lebt er völlig in seiner
eigenen Welt. Und obwohl es schwer ist, nachzuvollziehen, wie man sich da
fühlen muss, wird es im Buch sehr schön dargestellt. Die Beschreibungen sind
authentisch und nachvollziehbar. So wird Felix in all seinen Facetten greifbar.
Und auch wenn er immer wieder für kleine oder größere Probleme sorgt, so kann
man mit ihm auch sehr viel Spaß haben.
Die Magie des Meeres greift nach und nach auf alle
Charaktere über und bringt manche Veränderung mit sich. Durch den Verzicht auf
eine Ich-Perspektive hat man als Leser einen sehr umfassenden Blick auf die
Handlung. Man kann die parallel verlaufenden Handlungsstränge mit verfolgen und
nacheinander in den Kopf aller Figuren schauen. So spürt man die Entwicklungen
sehr deutlich.
An einigen Stellen werden Mauern fallen gelassen, die
Charaktere öffnen sich, lassen ihren Frust und ihre Wut raus, äußern auf der
anderen Seite Wünsche und Träume, es fließen Tränen, es wird aber auch herzhaft
gelacht.
Trotz all der Frustration wird immer wieder deutlich, wie
wichtig es ist, die schönen Momente zu genießen, sich Auszeiten zu nehmen und
auch mal die Seele baumeln zu lassen. Jede Figur hat ihr Päckchen zu tragen und
obwohl die alle ziemlich unterschiedlich aussehen, haben sie eben doch alle was
gemeinsam.
Eine sehr schöne Geschichte, die ganz verschiedene Seiten
der Krankheit beleuchtet, einen in gewisser Weise die Augen öffnen und dafür
sensibilisiert, was damit alles im Zusammenhang stehen kann. Obwohl ich im
Krankenhaus arbeite, vergisst man manchmal einfach, dass es auch immer gute
Zeiten gibt und es sich lohnt Kraft daraus zu ziehen und diese zu nutzen.

One thought to “[gelesen] Carin Müller -Tage zwischen Ebbe und Flut”

  1. Hallo Dana,
    ich habe es auch gelesen und es hat mir genauso gut gefallen wie dir, ich finde dieses Buch ist echt was besonderes, denn es ist einmalig wie es die Autorin geschafft hat eine doch so ernste Thematik mit einer Prise Humor zu verknüpfen.
    Eine tolle Rezension von dir.

    Viele Grüße
    Line

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