[gelesen] Brigitte Lamberts und Annette Reiter – Ausgeweidet

(c) Edition Oberkassel
  Ausgeweidet
  Autoren: Brigitte Lamberts,
  Annette Reiter

  erschienen Februar 2014
  Verlag: Edition Oberkassel
  ISBN: 978-3-943121-38-4


zu viel Nebenhandlung, zu wenig Krimi

Ein Toter im Grafenberger Wald – hinterrücks erschossen
und brutal zugerichtet. Clemens von Bühlow und sein Team stehen vor einem
Rätsel. Die Polizei arbeitet auf Hochtouren und obwohl es Verdachtsmomente und
mögliche Täterprofile gibt, kommen sie mit ihren Ermittlungen nur schleppend
voran. Die Suche nach dem Täter hat begonnen…
Das Buch beginnt mit einem sehr spannenden, blutigen
Prolog, der die Erwartungen in die Höhe schraubt. Leider konnte die Geschichte
meine Erwartungen dann nicht mehr erfüllen. Die polizeilichen Ermittlungen sind
zwar gut dargestellt und man bekommt auch interessante Einblicke in die
Besprechungen, allerdings ist mir die Rahmengeschichte zu detailliert
ausgebaut. Anschauliche Beschreibungen helfen zwar bei der Vorstellung der Umgebung
und der Personen, mir ist es an einigen Stellen trotzdem einfach zu viel. Der
Fokus wird häufig von den eigentlichen Ermittlungen weggelenkt und so
erscheinen die Informationen nicht besonders wichtig.
Zwischenzeitlich kam bei mir der Eindruck auf, das Buch
dreht sich mehr um Restaurants, Cafés und andere Möglichkeiten und Orte, Hunger
und Durst zu stillen, als wirklich um den Mordfall. Das ist sehr schade, da ich
die Ansätze der Ermittlungen wirklich interessant finde.
Clemens von Bühlows Team ist aus ganz verschiedenen
Charakteren zusammengesetzt. Man bekommt einen groben Eindruck von allen
Personen, bei dem klar wird, dass jeder so seine Ecken und Kanten hat. Diese
Personenkonstellation hat mir gut gefallen, da es so auch mal zu Reiberein in
den eigenen Reihen kommt, die die Situationen auflockern. Insgesamt hätte ich
jedoch gern mehr von Clemens und Maria, die wir hauptsächlich bei ihrer Arbeit
begleitet haben, erfahren. Sie sind mir als Hauptcharaktere zu blass geblieben.
Lediglich von Bühlows Hang zu alkoholischen Getränken wurde immer wieder sehr
ausführlich ausgegriffen – leider auch ein Punkt, der mich gestört hat.
Die teilweise kurzen Sätze, wirken zu Beginn der
Geschichte ein wenig abgehackt, nach kurzer Zeit habe ich mich allerdings daran
gewöhnt und empfand den Schreibstil nicht als unangenehm. In Bezug auf den Mord
und die direkten Ermittlungsarbeiten finde ich die bildliche Ausschmückung der
Szenen sehr gut gewählt. Man kann sich als Leser einen ausführlichen Eindruck
vom Tatort und den verdächtigen Personen verschaffen. Gern hätte ich in diese
Richtung noch mehr gelesen.
Das Ende des Krimis kam für mich dann etwas überstürzt
und wirkt im Vergleich zum Rest der Geschichte, doch ein wenig zu dramatisch
und rasant. Während die Handlung größtenteils eher vor sich hin plätschert,
überschlagen sich auf den letzten Seiten die Ereignisse so sehr, dass es nicht
recht passen will.
„Ausgeweidet“ konnte mich leider nicht so richtig fesseln
und mitziehen. Das Potenzial in den Charakteren und den Ermittlungsarbeiten ist
da, für mich jedoch nicht gut genug ausgebaut.

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