[gelesen] Ferryman. Der Seelenfahrer von Claire McFall

Rezensionsexemplar

©Arctis
Ferryman. Der Seelenfahrer

Ferryman 1
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Autorin: Claire McFall
erschienen Februar 2020
352 Seiten
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hier geht’s zum Verlag
Arctis
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interessant, aber auch undurchsichtig

Dylan ist mit dem Zug unterwegs zu ihrem Vater. Neugierig, gespannt und ziemlich aufgeregt fiebert sie ihrer Ankunft entgegen. Doch ihren Zielbahnhof wird sie niemals erreichen. Durch ein Zugunglück gestoppt landet sie in einer Welt, die sie zwar zunächst für die schottischen Highlands hält, die aber alles andere als das sind. Im Niemandsland wird sie von ihrem Ferryman geführt, damit ihre Seele nicht den düsteren Geistern in die Hände fällt. Allerdings verläuft ihre Reise nicht nach dem normalen Plan…

Dieses Buch hat mich nachdenklich, aber auch zwiegespalten zurück gelassen. Besonders im letzten Drittel des Buches kippte meine Meinung zur Geschichte leider ziemlich.

Dylan wird durch ein Zugunglück mitten aus ihrem Leben gerissen. Auch wenn sie nicht besonders zufrieden war, sie gemobbt wird und auch einen ziemlich bescheidenen Tag hinter sich hatte, so hatte sie sich ihren Abgang dann doch nicht vorgestellt. Und zunächst ist ihr auch gar nicht bewusst, dass sie nicht mehr auf der normalen Welt ist. Nur widerwillig folgt sie Tristan, der ihr immer wieder versichert zu wissen, wo sie hin müssten. Trotz ihrer Zweifel folgt Dylan ihm und nach und nach erschließt sich ihr, wo sie sich wirklich befinden: im Niemandsland.
Tristan ist ein Seelenfahrer und begleitet die Seelen durch das Niemandsland bis an einen sicheren Ort. Das ist zumindest seine Aufgabe. Umso mehr man von ihm erfährt, umso mehr stellt man fest, dass es nicht immer erfolgreich ist, zwar aus unterschiedlichen Gründen, ganz komplett erschlossen haben sich mir bis zum Schluss jedoch nicht alle dieser Aspekte. Interessant fand ich die Wandelbarkeit und die Fähigkeiten von Tristan. Seine Geschichte ist gleichzeitig jedoch auch ein wenig traurig und bedrückend. Warum genau möchte ich aus Spoilergründen hier nun nicht verraten.
Dylan ist 16 und benimmt sich manchmal auch genau so: naiv, unerfahren, unbedacht, reagiert über oder vorschnell. Aufgrund des Alters kann man es ihr vielleicht nicht zwingend anlasten, allerdings hätte ich im Verlauf des Buches doch erwartet, dass sie einige Dinge über das Niemandsland und auch allgemein gelernt hat und sich und andere nicht in solche unnötigen Gefahren bringen würde. Dylan ist aber auch mutig, wenn vielleicht auch dabei manchmal leichtsinnig, und bereit für die Dinge zu kämpfen, die sie will. Auch wenn ich nicht jede ihrer Entscheidungen nachvollziehen konnte und sie besonders zum Ende hin viele Sympathiepunkte eingebüßt hat, so ist sie doch irgendwie auch eine interessante Protagonistin. Sie schien eine der wenigen zu sein, die sich für ihren Ferryman interessiert und nicht nur mit ihrem eigenen Schicksal hadert. Das öffnet die Tür für die weiteren Entwicklungen zwischen den beiden – die ich auch nicht gänzlich gelungen fand. Es ist zwar irgendwie schön zu verfolgen, wie die Annäherung stattfindet, wie sich die Gedanken der beiden zu dem jeweils anderen verändern. Insgesamt ging es mir aber doch etwas sehr schnell und mit einer Bedingungslosigkeit, die ich übertrieben fand. Besonders wenn man bedenkt, wie kurz das Zusammensein der beiden bisher war.
Auch die letzten Entwicklungen im Buch waren für mich nicht ganz nachvollziehbar. Ich habe zwar im Rahmen der Leserunde erfahren, dass es Fortsetzungen geben soll und daher erklärt sich dann vielleicht auch, warum einiges noch offen bleibt. Insgesamt bleibt aber schon viel offen und man bleibt an vielen Stellen ahnungslos und voller Gedanken zurück.

Es gab jedoch auch Passagen im Buch, die mir gut gefallen haben. Wie man zu einem Leben nach dem Tod steht, was mit den Seelen passiert und all diese Dinge, das sollte jeder für sich selbst entscheiden und ich fand auch nicht, dass das Buch einem eine Variante aufdrückt. Es wird eben eine Möglichkeit aufgezeigt, ob man das nun logisch findet oder nicht, das ist jedem überlassen, ich habe mir diese Frage beim Lesen allerdings gar nicht gestellt. Es ist eben eine Fantasywelt, in die man eintaucht, wie real oder nicht das nun ist, war mir in dem Moment gar nicht so wichtig. Das Niemandsland ist sehr wandelbar und dennoch immer voller Gefahren. Währen der Reise hindurch erfährt man von unterschiedlichen Schicksalen, das Leben und was es möglicherweise ausmacht werden thematisiert, so dass man immer wieder selbst zum Nachdenken gebracht wird. Diese Mischung aus bedrückendem, nachdenklich, teilweise traurig stimmenden Aspekten, der zunächst nur sehr zarten Liebesgeschichte und den unterschiedlichen Charakteren – Dylan und Tristan- die aufeinander treffen, hat mir gut gefallen. Erst im weiteren Verlauf des Buches wurde es mir dann mit den beiden Protagonisten etwas viel.

Der Schreibstil an sich hat mir ganz gut gefallen. Nachdem ich mich etwas eingefunden und die anfängliche Verwirrung etwas abgelegt hatte, konnte ich mich gut auf die Geschichte einlassen. Im Buch finden Perspektivwechsel statt, die jedoch nicht unbedingt durch einen Absatz oder ähnliches gekennzeichnet sind. So wechselt dann die Sicht von Dylan auf Tristan und wieder zurück. Und auch wenn ich es interessant fand, von beiden mehr über sich und die Sicht auf den jeweils anderen zu erfahren, war es schon erst mal irritierend. Da Dylan „ihn“ beobachtet und Tristan „sie“ und dementsprechend immer die passenden Bezeichnungen in den Text eingebaut sind, hatte ich mich nach einer Zeit dann dran gewöhnt und habe es nicht mehr als störend empfunden.
Es gibt ruhigere, emotionale und auch rasantere Momente in der Geschichte. Die Mischung hat mir gut gefallen, auch wenn ich nicht alle Entwicklungen im Detail mochte.

Fazit

Eine vielseitige Geschichte, die unterschiedliche Elemente miteinander vereint und mich nachdenklich gemacht hat. Ein ernstes Thema, zu dem jeder sicherlich irgendeine Meinung haben wird, wird hier im Kontext einer Liebesgeschichte eingebunden und daher noch mal von einer anderen Seite beleuchtet. Auch wenn mir diese überschäumenden Gefühle etwas zu intensiv für die kurze Zeit waren, war es auf jeden Fall eine interessante Herangehensweise. Das Niemandsland an sich hat mir auch gefallen, auch wenn ich noch nicht alles verstanden habe. Dylan hat im letzten Drittel leider deutlich Sympathie bei mir verloren. Sie war mir einfach zu extrem, zu naiv, zu verliebt und vergisst alles andere um sich herum.
Da es wohl der Auftakt einer Reihe ist, was ich vorher nicht wusste, leuchtet natürlich ein, dass nicht alle Dinge aufgeklärt werden. Insgesamt blieb mir aber zu viel offen.

Ich danke dem Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

8 thoughts to “[gelesen] Ferryman. Der Seelenfahrer von Claire McFall”

  1. Huhu Dana,

    eine wirklich sehr interessante Rezension. Man merkt richtig, wie zwiegespalten du der Geschichte gegenüberstehst. Es scheint einige gute Ideen eingebaut zu haben. Allerdings hätte ich mit einer naiven Protagonistin, die damit alle in Gefahr bringt und eine überstürzte Zuneigung zwischen zwei Charakteren auch so meine Probleme. Das würde mir sicherlich ebenfalls sauer aufstoßen. Wirst du denn die Fortsetzung noch lesen?

    Ganz liebe Grüße
    Leni =)

    1. Hallo Leni,
      ich habe das Buch in einer Leserunde gelesen und auch dort waren die Meinungen gemischt. Viele hatten Probleme mit den Entwicklungen und den Charakteren, ähnlich wie bei mir, bei einigen sogar noch etwas intensiver.
      Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich die Fortsetzung lesen werde, das werde ich vermutlich erst entscheiden,w enn es dann soweit ist. Es würde mich zwar schon interessieren, wie es weitergeht, aber es reizt mich aktuell auch nicht genug, um zu sagen, dass ich es auf jeden Fall lesen möchte.
      Liebe Grüße
      Dana

  2. Hallo liebe Dana,
    der Klappentext zu Ferryman, hat mich, als ich ihn das erste Mal gelesen habe, sehr neugierig gemacht. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, dass du das Buch gelesen hast und mir mehr darüber berichten konntest. Ich finde es schade, dass es dann doch einige Kritikpunkte gab. Da es sich um einen Reihenauftakt handelt, bleibt natürlich die Hoffnung,dass einige Punkte, wie z.B. offene Fragen noch geklärt werden. Für den Perspektivwechsel hätte ich mir vermutlich beim Lesen auch eine andere Variante gewünscht. Wenn man sich nebenher fragen muss, aus welcher Sichtweise man gerade liest, dann lenkt das m.M. nur unnötig von den wesentlichen Punkten der Geschichte ab. Wurde in der Leserunde darüber gesprochen, warum sich die Autorin für eine solche Vorgehensweise entschieden hat?

    Ganz liebe Grüße
    Tanja

    1. Hallo Tanja,
      ich fand es auch schade, dass meine Stimmung um Buch so gekippt ist.. Ich wusste vorher auch nicht, dass es ein Reihenauftakt ist, irgendwie ist das entweder an mir vorbei gegangen oder es stand nicht so offensichtlich irgendwo. Trotzdem war einiges eben einfach nicht rund.
      Warum die Perspektivwechsel nicht gekennzeichnet gewesen sind, weiß ich nicht. Es war keine Leserunde mit Autorenbegleitung, daher konnten wir da nicht direkt etwas herausfinden. Es empfanden aber einige als seltsam oder störend. Manche haben sich beim Lesen dann daran gewöhnt. Es ist nicht so, dass man es gar nicht sortiert bekommt, aber wenn es mitten im Text wechselt, muss man sich eben immer mal wieder neu ordnen.
      Liebe Grüße
      Dana

  3. Hallo liebe Dana,

    eine tolle und nachvollziehbare Rezension!

    Die Idee mit den Seelen und dem Niemansland klingt ziemlich interessant, aber ich kann auch deinen Kritikpunkt in Bezug auf die Protagonistin verstehen – mich hätte das vermutlich auch genervt. Und unklare Perspektivwechsel stören mich auch meistens. :/

    Liebe Grüße
    Dana

    1. Hallo Danke,
      vielen Dank für deine Worte. 🙂 Ich bin sehr gespannt, wie ich das mit der Fortsetzung dann so sehe, wenn es soweit ist. Im Moment denke ich, ich lese nicht weiter, auch wenn man vielleicht irgendwie neugierig ist. Aber wenn es dann wirklich so weit ist… mal sehen.
      Es war irgendwie echt schade, aber ich habe richtig gemerkt, wie meine Stimmung im Buch kippte und ich die Dinge einfach nicht mehr nachvollziehen konnte. Und dabei meine ich nicht die Aspekte, zu denen eh jeder eine ganz eigene Meinung hat…
      Liebe Grüße
      Dana

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