Rezension: #fingerweg von Susanne Fülscher

#fingerweg

Autorin: Susanne Fülscher
erschienen Dezember 2016
Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-31543-4
© Carlsen

aufwühlende Umsetzung eines ernsten Themas

Nach dem Abi wird für Lisa ein Traum war. Sie erhält einen
Praktikumsplatz bei dem berühmten Film-Produzenten Maxime Léon. Doch schnell
wird der Traum zum Albtraum, denn ihr Chef bedrängt und berührt sie immer
wieder. Aus Angst, ihre Zukunftschancen zu verbauen, schweigt der Teenager
lange…
#fingerweg behandelt mit der sexuellen Belästigung ein sehr
ernstes Thema. Obwohl ich die Altersempfehlung ab 12 Jahren für etwas früh
halte, ist die Thematik mit einer klaren Aussage umgesetzt.
Lisas Konflikt wird immer wieder deutlich. Da sie die
Ich-Erzählerin ist, kann der Leser an ihren vielfältigen Gefühlen und Gedanken
teilhaben. Sie hat Angst, sie schämt sich, ist verzweifelt. Das Dilemma wird
immer größer. Lisa hofft, eine gute Bewertung ihres Praktikums kann ihr die
Türen für ihre Zukunft öffnen. Sie will es nicht einfach abbrechen und diese
einmalige Chance wegwerfen. Doch auch die Angst vor ihrem Chef wächst stetig.
Und mit jeder Berührung und jedem anzüglichen Kommentar steigt auch ihre Scham.
Lisas Umfeld bekommt von alledem nichts mit.
Der Kampf, den sie mit sich selbst führt, ist
nachvollziehbar geschildert.
Am Ende des Buches fehlte mir etwas – zunächst irgendwie und
dann doch wieder nicht.
Denn die Message des Buches ist dennoch sehr eindeutig.
Vielleicht geht es gar nicht immer zwingend darum, welche Strafe ein Täter
bekommt, sondern vielmehr darum, dass ein Opfer den Mut aufbringt, sich
jemandem anzuvertrauen, über das Erlebte zu reden und wieder in ein normales
Leben zurückzufinden. Dies wird dank Lisa auf jeden Fall deutlich, auch wenn es lange dauert, bis sie dazu bereit ist.
Ein ernstes Jugendbuch mit jugendlich, lockerem
Erzählstil. Die Handlung ist nicht im klassischen Sinne spannend. Aber sie ist
aufwühlend, schockierend. Und zeigt, dass man sich
wehren sollte, da die Belästigung sonst nicht aufhören wird. Lisas vielfältigen Gedankengänge sind nachvollziehbar geschildert, sodass man sich gut in sie hineinversetzen kann und versteht, welch schwerer Weg es für sie ist.

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