[gelesen] Anna Seidl – Es wird keine Helden geben

(c) Oetinger 
  Es wird keine Helden 
  geben
  Autor: Anna Seidl

  erschienen Januar 2014
  Verlag: Oetinger
  ISBN: 978-3-7891-4746-3


ein sehr bewegendes und aufrüttelndes Debüt

Ein ganz normaler Schultag – nervige Lehrer, langweiliger
Unterrichtsstoff, in den Pausen quatschen mit den Freunden und über die aktuellsten
Themen lästern. Doch dieser Montag ist anders. Nachdem es zur Pause geklingelt
hat, verändert sich alles. Der erste Schuss schreckt auf, kaum zu fassen, was
man da gehört hat, als dann weitere Schüsse fallen, läuft jeder um sein Leben.
Ein Amoklauf verändert nicht nur eine gesamte Schule, er hat auch Auswirkungen
auf die Familien, auf die Hinterbliebenen, auf eine ganze Region.

Ich musste beim Lesen häufig an den Amoklauf in Erfurt
2002 denken. Kurz nach der Tat war ich selbst in Erfurt und die Stimmung in der
Stadt, das Blumenmeer am Rathaus und auch vor der Schule hat mich sehr bewegt.
Besonders in Erinnerung geblieben sind jedoch die Hilfeschilder an den
Fenstern, die auf eine ganz eigene Weise zeigten, mit welcher Angst die Schüler
gekämpft haben und das sie jedes Mittel nutzten, um auf sich aufmerksam zu
machen.
Das Cover von „Es wird keine Helden geben“ erinnert mich
an diese Hilferufe. Und auch wenn man sich nach solchen Anschlägen natürlich
Gedanken macht, wie es wohl in der Stadt weitergeht, was aus den Schülern wird,
wie es den Familien geht, so kann man doch gar nicht erfassen, wie es den
Betroffenen wirklich geht. Dieses Buch rüttelt auf eine sehr eindrückliche und
erschütternde Weise wach, berührt und bewegt.
Anna Seidl gelingt es, mich völlig in ihren Bann zu
ziehen. Miriam erlebt schreckliche Dinge, die sich wohl niemand im vollen
Ausmaß vorstellen kann, wenn er nicht selbst so etwas erlebt. Von einer Sekunde
auf die nächste ist nichts mehr, wie es einmal war, die Welt bricht zusammen,
zerfällt in tausende von Teilen und doch dreht sie sich einfach weiter. Das
Leben der anderen läuft weiter, die Erde dreht sich und man selbst hat doch das
Gefühl, dass alles stehen geblieben ist. Die Ich-Perspektive von Miriam bringt
dem Leser die Protagonistin sehr nah, sie ist authentisch, ihre Gedanken
erschreckend und dennoch nachvollziehbar. Ihre Gefühlsschwankungen, Ausbrüche
oder auch Rückzüge spiegeln ihr Inneres wieder – man erlebt während des Buches
hautnah mit, wie es in Miriam ausschaut, wie sich ihre Gedanken und Gefühle
verändern, wie sie sich Stück für Stück und Millimeter für Millimeter zurück
ins Leben kämpft, obwohl es so viele Gründe zum Aufgeben geben würde. Kleine
Rückblenden und Erinnerungen der Protagonistin geben einen Eindruck von ihrem
Leben vor dem Anschlag und verdeutlichen, wie viel sich an diesem einen
Montagmorgen verändert hat.

„Es wird keine Helden geben“ ist ein sehr bewegendes,
aufwühlendes und erschütterndes Buch, das mich tief berührt und immer wieder
zum Weinen gebracht hat. Eine Geschichte, die mich bestimmt noch eine ganze
Weile begleiten und beschäftigen wird.

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