![]() ©SagaEgmont | Nanny über Nacht Lakeland Love 1 . Alexandra Zöbeli gesprochen von Hannah Baus erschienen Juli 2024 ungekürzte Lesung: 693 Minuten . hier geht’s zum Verlag → SagaEgmont . |
schöne Liebes-Familiengeschichte
Rettungssanitäterin Harriet hatte eigentlich ihren freien Tag, als sie auf einen Unfallort zukommt und natürlich sofort Erste Hilfe leistet. Tom, der Verunfallte, hat eine wichtige Bitte an seine Helferin: sie soll sich um seine Tochter Poppy kümmern, weil es sonst niemand gäbe. Harriet findet das seltsam und befremdlich, da Tom sie ja gar nicht kennt. Und doch nimmt sie sich der Aufgabe an, zumindest bist sie geklärt hat, ob sich nicht doch irgendwer um die Elfjährige kümmern kann. Schon bei der ersten Begegnung mit Poppy ist dann klar, dass Harriet die Kleine in ihr Herz geschlossen hat und sie schnell einen Draht zueinander finden. Zudem bleibt der Mangel an Alternativen bestehen, da es niemanden gibt, den Harriet einspannen könnte. Also stellt sie sich der Herausforderung mit der Versorgung von Toms Haus und Hof, mit all den Tieren. Eigentlich entwickelt sich auch alles ziemlich schön, bis Harriet beginnt mehr zu hinterfragen und mehr nachzuforschen und auf immer mehr Dinge stößt, die seltsam sind oder Geheimnisse vermuten lassen…
Viele Entwicklungen in der Liebesgeschichte sind recht früh zu erahnen. Es gibt aber immer mal wieder kleine Wendungen und aufgedeckte Geheimnisse, die nicht komplett abzusehen waren. Das Buch beginnt mit dem Unfall recht dramatisch, danach ist die Handlung über lange Strecken aber eher seicht und es dreht sich alles um die neue Aufgabe von Harriet, wie sie mit der Elfjährigen klarkommt, wie die Elfjährige mit der Situation klarkommt, die Versorgung der Tiere und natürlich auch den Genesungsprozess von Tom. Mit der Zeit erfährt man dann auch mehr zur Herkunft von Tom, seinem Beruf und welche kleinen und größeren Geheimnisse er so mit sich herumträgt. Manches war abzusehen, anderes nicht in vollem Umfang. Für Harriet ändern diese Aspekte auf jeden Fall einiges, als sie es herausfindet und die positiven Entwicklungen zwischen den beiden bekommen einen ordentlichen Knick.
Auch in Harriets Arbeit gibt es ein paar Einblicke, auch dort gibt es ganz normale Situationen, aber auch einen Einsatz, mit dem ich auf diese Weise gar nicht gerechnet hätte. Ob es das zusätzliche Drama gebraucht hätte, darüber kann man sich vermutlich uneinig sein. Es bringt auf jeden Fall noch mal einen anderen Fokus mit sich, Sorgen, Ängste und Entwicklungen, die man zu Beginn der Geschichte noch nicht erwartet hatte.
Insgesamt ist die Verteilung der Schwerpunkte in der Handlung sehr angenehm. Der Fokus wechselt immer mal ein wenig, es greift jedoch alles gut zusammen und ergibt ein gutes Gesamtbild. Auch die Einbindung von Harriets Familie empfand ich als gut gelungen.
Poppy hat Trisomie 21, hat jedoch nicht so schwerwiegende Einschränkungen, dass sie permanent Hilfe benötigt und wurde auch sehr gut gefördert, so dass sie auf eine Regelschule gehen kann. Immer mal wieder ist es zwar Thema, dass Poppy Trisomie 21 hat, es ist aber nicht Dauerschwerpunkt im Buch, was ich sehr angenehm fand. Besonders schön war da auch das Schlusswort von Poppy, in dem sie klar sagt, dass sie ja auch ein normaler Mensch ist und jeder doch etwas anders ist. Jeder hat verschiedene Fähigkeiten, ein unterschiedliches Aussehen, unterschiedliche Interessen und so weiter. Sie hat eben nur ein Zusatzchromosom und da wird es irgendwie für viele direkt sehr schwierig, bevor sie sie überhaupt kennengelernt haben. Auch nicht jeder Mensch mit Trisomie 21 ist gleich.
Poppy ist ein sehr liebenswertes Mädchen, herzlich, aufgeschlossen und begeisterungsfähig. Besonders schön zu sehen war ihr Umgang mit den Tieren und ihr Interesse daran, mehr über die verschiedenen Arten zu lernen und bei der Versorgung zu helfen. Natürlich gibt es auch Dinge, die ihr schwer fallen oder nicht so gut gelingen und Fehlentscheidungen, die sie trifft – wie eben bei jedem Heranwachsenden. Immer wieder blitzt auch durch, wie clever sie ist und wie viel sie mitbekommt, auch wenn ihr Vater sie manchmal unterschätzt.
Tom ist sehr besorgt um seine Tochter und versucht sie von allem, was sie verletzten könnte, abzuschirmen. Dass er ihr damit manche Dinge verwehrt, die sie sich wünschen würde oder die ihr guttun könnten, wird ihm erst so richtig bewusst, als durch Harriet andere Einflüsse ins Haus kommen. Man kann verstehen, wieso er so besorgt ist und sie behütet, als man mehr zu der Vorgeschichte erfährt. Dennoch ist ein Teil des Problems, das ihn im Verlauf des Buches dann fast überrollt, auch selbst gemacht, vor allem, weil er mit niemandem darüber spricht und ihn dementsprechend auch niemand schon im Vorfeld helfen oder beistehen könnte. Allerdings aufgrund seiner Erfahrungen auch verständlich, dass er nicht wieder das Risiko eingehen wollte, dass Poppy in Gefahr gerät.
Harriet liebt ihren Job und hilft auch privat, wo sie kann. Sie ist tolerant, hat aber auch ihre klare Meinung und Prinzipien, von denen sie meistens dann nicht so leicht wieder abrückt. Freunde und Familie sind ihr wichtig und sie ist gern da, wenn jemand etwas braucht oder Beistand benötigt.
Viele Passagen waren sehr schön gesprochen, in anderen hätte ich mir gern noch eine etwas intensivere Umsetzung der verschiedenen Emotionen gewünscht, damit die Handlung noch lebendiger rüberkommen würde. Am besten hat mir die sprachliche Gestaltung von Poppy gefallen, die Kleine habe ich beim Hören auch direkt ins Herz geschlossen.
Fazit
Eine schön gestaltete Liebesgeschichte, bei der es viele seichte Augenblicke, aber auch ein bisschen Drama und Turbulenzen gibt, die über das übliche „ich habe nicht richtig zugehört oder mit meinen Teil selbst gedacht“ hinausgeht. Gut gefallen hat mir die Einflechtung der Tiere auf dem Hof von Tom und dass Poppy und ihr Umfeld mit ihrer Trisomie so angenehm umgehen und es nicht zum Dauerthema wird. Auch wenn einem bewusst ist, dass jeder Betroffene natürlich sehr unterschiedliche Herausforderungen zu meistern hat und es nicht bei allen so gut gehen wird, wie hier in der Geschichte.


