[gelesen] #FragEinenMönch. 100 Fragen (und unzensierte Antworten) von Pater Nikodemus Schnabel

©Adeo Verlag
#FragEinenMönch. 100 Fragen (und unzensierte Antworten)

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Pater Nikodemus Schnabel
erschienen im Juni 2021
192 Seiten
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Adeo Verlag
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interessante Einblicke

Pater Nikodemus Schnabel berichtet in dem Buch „#FragEinenMönch“ von seinem Alltag im Kloster, von den Regeln und Entbehrungen, von seinen Erfahrungen und Gedanken zu ganz verschiedenen Themen. Dabei geht es natürlich viel um das Thema Gott und Gottsuche, aber auch um alltäglicher Dinge, Zweifel und Aspekte, die ihm Kraft und Hoffnung geben.
2019 gab es ein 15minütiges Video, in dem bereits einige Fragen beantwortet wurden. Im Buch gibt es nun die Antworten auf 100 Fragen, die damals eingereicht wurden und die nicht alle im Video Platz fanden.

Ich bin selbst nicht in einem Glauben verwurzelt und auch nicht so aufgewachsen. Als ich das Buch aber auf einem anderen Blog entdeckt habe, hat es mich neugierig gemacht, mehr zu erfahren und einen Blick hinter Klostermauern zu werfen, hinter die man auf diese Weise sonst wohl nicht guckt. Nur weil man selbst vielleicht nicht so denkt, empfindet oder auf diese Weise leben wollen würde, ist es ja nicht weniger interessant zu schauen, wieso andere sich für genau diesen Weg entscheiden und wie es ihnen damit geht.

Die Fragen, die in dem Buch gestellt und beantwortet werden, sind sehr unterschiedlicher Natur und dementsprechend unterschiedlich fallen auch die Antworten aus. Mal muss der Benediktiner ein wenig ausholen, um seinen Standpunkt klar zu machen, manchmal ist die Antwort aber auch ganz einfach und kurz. Dabei geht es sowohl um sein Leben im Kloster, die Entscheidung, wie es dazu kam, sein Leben vor dem Kloster und seine Einstellungen zu verschiedenen Themen.
Ich fand es sehr interessant tiefere Einblicke ins Kloster zu bekommen. Für mich gab es dabei auch einige neue Aspekte, da ich mich so im Detail bisher mit manchem einfach nicht beschäftigt hatte. Jedes Leben bringt Vor- und Nachteile mit sich, insgesamt wirkt Pater Nikodemus aber absolut mit sich und seiner Entscheidung im Reinen, auch wenn es natürlich immer wieder Momente gibt, in denen man hadert und zweifelt, in denen man grübelt und hinterfragt. Er empfindet das jedoch nicht als persönlichen Nachteil, denn das ganze Leben ist für ihn eine Suche- auch die Suche nach Gott- ein Ringen und abwägen. Zu Zweifeln kann ein Antrieb sein, der einen dazu bringt, über Dinge nachzudenken, Lösungen zu finden, sich neuen Herausforderungen zu stellen und auch andere Wege zuzulassen.
Manche Entbehrungen im Kloster fallen schwer, andere sind sehr leicht. Überrascht hat mich aber zum Beispiel, dass ihm das frühe Aufstehen noch immer schwer fällt, obwohl es schon seit Jahren zu seinem Alltag gehört. Die Antworten wirkten alle sehr ehrlich und es schwang ab und an auch mit, dass er anderes antworten würde, wenn er darauf aus wäre, sich in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Aber ihm ist bewusst, dass niemand perfekt ist, auch er und die anderen Mönche nicht. Beim Zusammenleben mit anderen im Kloster gibt es auch mal Konflikte und Probleme, jeder hat seine Eigenarten. Spannend und sympathisch empfand ich auch seine Offenheit und Neugier anderen Menschen gegenüber, auch und vielleicht sogar besonders in Bezug auf die, die in einem anderen Glauben verwurzelt sind oder Atheisten.

Viele Antworten ergeben sich natürlich aus dem Glauben des Benediktiners, dadurch ähneln sich einige Passagen ziemlich. Das ist jedoch auch den Fragen an sich geschuldet, manchmal gibt es aber vielleicht auch auf unterschiedliche Fragen einfach ähnliche Antworten, vor allem wenn sie einen Bezug zu seinem Glauben haben.
Obwohl ich nicht alle Gedankengänge für mich selbst nachvollziehen konnte, weil ich selbst eben nicht in einem Glauben verwurzelt bin, so waren die Einblicke dennoch interessant und haben teilweise auch zum Nachdenken angeregt. Besonders schön fand ich, dass er sehr respektvoll im Umgang mit anderen Menschen wirkt und niemanden verbiegen will. Er hat seinen Weg mit verschiedenen Aspekten umzugehen und ist bereit, die Meinung und Ansichten von anderen gleichermaßen anzuerkennen und zu respektieren. Er wirkt einfach sehr sympathisch und ich glaube, er hat schon allein durch den Standort des Klosters eine Menge zu erzählen aus seinem Alltag.
Die Antworten wirkten in keiner Weise belehrend oder so als würde er den Leser davon überzeugen wollen, es genauso empfinden und denken zu müssen. Es ist nur einfach seine Sicht der Dinge, seine Gedankengänge oder mögliche Erklärungen, die für ihn passen oder dazu motivieren noch weiter zu fragen und nach Antworten zu suchen.

Fazit

Pater Nikodemus Schnabel wirkt sehr sympathisch und offen. Ich glaube ihm, dass er die Fragen wirklich ehrlich beantwortet hat, auch weil er manchmal etwas „hadert“ wie er die Antworten formuliert bzw. eben auch ganz klar eingesteht, dass er auch seine Macken hat. Er sieht das jedoch auch als Schritte auf der Suche nach Gott, als Herausforderungen und keinesfalls als etwas total Negatives. Mich hat es beim Lesen nicht gestört, dass ich selbst nicht im Glauben verwurzelt bin, auch wenn sich dadurch manche Gedankengänge für mich vielleicht nicht auf die Weise erschließen, wie für den Pater. Die Einblicke waren einfach interessant und regen zum Nachdenken an.


8 Gedanken zu „[gelesen] #FragEinenMönch. 100 Fragen (und unzensierte Antworten) von Pater Nikodemus Schnabel“

  1. Hallo liebe Dana,
    das, was du über Pater N. Schnabel schreibst, klingt sehr sympathisch. Die ehrliche und offene Art hätte mir hier vermutlich auch sehr zugesagt. Interessant fand ich auch, seine Meinung zum Thema Zweifeln, dass er dies als Antrieb sieht auch mal über Dinge anzudenken.
    Ich weiß nicht, ob ich zu diesem Buch gegriffen hätte. Einerseits, weil es nicht mein Genre ist, andererseits, weil ich, ebenfalls nicht – ich zitiere mal deine treffene Formulierung – im Glauben verwurzelt bin. Aber es ist mit Sicherheit spannend die Perspektive des Paters zu lesen.

    Vielen Dank für diese interessante Buchvorstellung.

    Ganz liebe Grüße
    Tanja

    1. Hallo Tanja,
      wenn ich auf das Buch nicht bei Alex aufmerksam geworden wäre, weiß ich auch nicht, ob ich dazu gegriffen hätte, aber ich bereue es nicht, es war echt interessant, selbst wenn man sich eben nicht in jedem Wort selbst wiederfindet. 🙂
      Die sympathische Art, wie er seine Antworten rüberbringt, hat da auf jeden Fall zu beigetragen 🙂
      Ab und an mal andere Sichtweisen zu erkunden, ist echt ganz interessant, vielleicht sollte ich mal öfter Ausflüge in andere „Genre“ wagen 🙂
      Liebe Grüße
      Dana

  2. Hi Dana!

    Eine ganz tolle Rezension zu diesem besonderen Buch!
    Ich war ja auch echt neugierig – obwohl ich ebenfalls nicht „in dem Glauben verwurzelt bin“ – aber neugierig ist man ja doch auf andere Lebensweisen und über ein Leben im Kloster hört man ja ansonsten nicht wirklich viel.
    Seine offene und herzliche Art hat mich auch überzeugt und ich denke, dass er hier wirklich sehr ehrlich war.
    Das hadern und zweifeln hat ja jeder Mensch ab und zu, denke ich. Manchmal kommen Momente in denen man unsicher wird über Entscheidungen und auch in dem Glauben, den man hat, egal wohin dieser geht…

    Danke für deine Eindrücke!

    Liebste Grüße, Aleshanee

    1. Hallo Alex 🙂
      Dankeschön 🙂 Auch weil du mich auf das Buch überhaupt erst aufmerksam gemacht hast.
      Du hast total Recht, es war sehr interessant hier Einblicke in eine „Welt“ zu bekommen, die man selbst eben kaum kennt. Klar weiß man das eine oder andere ganz grob über das Klosterleben, aber es scheint ja auch in jedem Kloster bzw. bei jedem Orden noch mal etwas anders zu sein. Und dass man ganz fortschrittlich auch Smartphones nutzt – ich weiß nicht, ob ich das wirklich erwartet hätte. Ich hatte doch eher eine etwas angestaubte Vorstellung 😀 Daher war es nicht nur interessant sondern auch erfrischend und wissenserweiternd 🙂
      Liebe Grüße
      Dana

  3. Huhu Dana,

    das Buch habe ich bei Aleshanee gewonnen, habe es aber noch nicht gelesen. Ich bin auch schon gespannt, auch wenn mir die Welt nicht ganz fremd ist. Heute bin ich nicht mehr wirklich gläubig, aber als Kind war ich Messdienerin, eine Zeitlang auf einer christlichen Schule und irgendeine Verwandte von mir war Nonne. Also die meisten Jahre meines Lebens hatte ich einen engen Bezug zur Kirche.

    Was du schreibst, dass er andere Meinungen respektiert, das ist am wichtigsten. So viele christliche Leute können das nicht und machen damit viel kaputt.

    Liebe Grüße
    Petrissa

    1. Hallo Petrissa,
      bei mir hat es auch eine Zeit gedauert, bis ich jetzt zum Lesen kam, ich hab es nämlich auch bei Aleshanee gewonnen gehabt 😉 Und hatte dort vorher die Rezi gelesen.
      Wenn du sogar ein wenig Bezug zum Glauben hast, dann werden dich einige der Passagen bestimmt sogar noch mehr ansprechen oder zumindest an das erinnern, was deine Kindheit geprägt hat 🙂 Aber auch ohne diesen Bezug fand ich es wirklich interessant und der Pater wirkte einfach super sympathisch 🙂
      Ich wünsch dir viel Spaß beim Lesen, wann immer du dazu kommen wirst.
      Liebe Grüße und noch einen schönen Ostermontag 🙂
      Dana

  4. Huhu liebe Dana,
    klingt nach einem interessanten Buch, das den Horizont erweitert. Und man muss ja auch kein Zauberlehrling sein, um Harry Potter zu lesen 😉
    LieGrü
    Elena

    1. Hallo Elena,
      interessant war es auf jeden Fall 🙂 Soo viel hatte ich mich vorher auch mit Klöstern nicht beschäftigt.
      Stimmt -lach- Man muss zum Glück ja auch kein Totenbändiger sein, um die Reihe zu lesen 😉
      Liebe Grüße
      Dana

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