[gelesen] Julia K. Knoll – Himmelblau – Elfenblüte Teil 1

© Impress (Carlsen)
Himmelblau
Elfenblüte Teil 1
 Autor: Julia K. Knoll
erschienen März 2015
ISBN: 978-3-646-60111-4

schöner Auftakt der Fantsy-Reihe

Von der Großstadt in die Provinz  – welcher Teenager träumt nicht davon?
Vermutlich nicht besonders viele und so ging es Lilly zunächst auch. Aus
beruflichen Gründen zieht sie mit ihrem Vater aus Hamburg in ein kleines Kaff
im bayerischen Wald. Eine ziemliche Umstellung, die Lilly einiges abverlangt.
Sich in eine Gemeinschaft zu integrieren, in der jeder jeden kennt und nahezu
alles über den anderen weiß, ist nicht so leicht. Obwohl ihre Klasse recht aufgeschlossen
ist und sie weitestgehend freundlich aufnimmt, zieht es sie am meisten zu dem Einzelgänger
Alahrian. Allerdings hat ihr Mitschüler nicht nur einen ungewöhnlichen Namen,
ihn scheinen auch einige Geheimnisse zu umgeben.

Lillian, die von allen nur Lilly genannt wird, ist eine
sympathische Protagonistin. Sie findet sich nach und nach in ihre Umgebung ein,
ohne sich selbst verbiegen zu lassen. Ihre eigenen Vorlieben und Gedanken legt
sie nicht ab, um irgendwem zu gefallen oder zu beeindrucken.
Alahrian und sein „Bruder“ Morgan sind wie Tag und Nacht.
Während Morgan sehr düster ist und die Nacht liebt, braucht Alahrian das Licht,
wie andere die Luft zum Atmen. Auf seine Mitschüler mag er eigentümlich wirken,
wenn man jedoch mehr zu seiner Vergangenheit erfährt, die schon ein paar
Jahrhunderte andauert, wundert einen sein Verhalten nicht mehr.
Alahrian und Lilly passen als Charaktere sehr gut
zusammen. Stück für Stück lernen sie sich besser kennen und spüren beide eine
gewisse Anziehung, die sich nicht sofort greifen lässt.
Der Schreibstil von Julia Knoll ist sehr angenehm und
flüssig. Ich habe mich gleich wohl gefühlt in der Geschichte. Anschauliche
Beschreibungen erleichtern es, sich die Umgebung und die Personen gut
vorstellen zu können.
Besonders schön finde ich die Kombination aus realer Welt
und der der Elfen, von der man im Verlauf immer mehr erfährt. Alahrian versteht
die schnelllebige, flüchtige Welt der Menschen manchmal nicht und wundert sich
über Dinge, die für uns ganz normal sind. So entstehen witzige, charmante
Situationen, die ihn noch sympathischer machen. Speziell im Schulalltag gibt es
immer wieder Momente, in denen er durch sein langes Leben vieles zu berichten
hätte, sich jedoch zurück halten muss. An seinen Gedanken könnten sich mal
einige Lehrer orientieren, dann würden die Schüler vielleicht nicht mehr mit
Gleichungen und Variablen gequält werden, bei denen am Ende herauskommt, dass
man weniger als nichts von etwas hat, was man noch nicht einmal kennt.
Die Handlung besticht nicht durch Action und rasante
Wendungen, sie geht eher gemächlich und stetig voran, ohne dabei auf der Stelle
zu stehen. Es gibt kleine Überraschungen und Schreckmomente, die besonders Lilly aus dem Konzept
bringen. Die ungewöhnlichen Dinge, die sie entdeckt, kann sie nicht einordnen,
misst ihnen jedoch noch nicht genug Bedeutung bei, um die Wahrheit dahinter zu
entdecken. Mir gefällt es sehr gut, wie sich alles nach und nach zusammenfügt. Die
Ereignisse müssen sich nicht immer überschlagen, um einen zu fesseln.
Durch die Perspektivwechsel hat man die Möglichkeit, alle
Handlungsstränge zu verfolgen, auch wenn die Charaktere getrennt voneinander
unterwegs sind. Als Leser weiß man, durch diesen umfassenden Blick, viel mehr,
als die einzelnen Protagonisten.
Am Ende des Buches habe ich nun einige Ideen im Kopf, wie
es weitergehen und was noch auf Lilly zukommen könnte. Es bleibt genug Raum für
eigene Gedanken und Spekulationen, was mich umso neugieriger auf die Fortsetzung
macht.
Ein sehr schöner Reihenauftakt, der bei mir Vorfreude auf
Band zwei geweckt hat. Sehr sympathische Figuren, eine interessante Handlung und
ein toller Schreibstil haben mich zum Verweilen in Lillys und Alahrians Welt
eingeladen.

Vielen Dank an Impress (Carlsen) für dieses
Rezensionsexemplar!

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