![]() ©Audbile Studios | Eingeschneit. Flieh, wenn du kannst . Frank Goldammer gesprochen von Uve Teschner erschienen November 2025 ungekürzte Lesung: 505 Minuten . . . |
tödliche Weihnachten in den Bergen
Freunde aus Schulzeiten wollten sich ein besinnliches Weihnachtsfest in den verschneiten Bergen machen. Mit tollen Erinnerungen an alte Zeiten, leckerem Essen, kleinen Geschenken und ohne die Erwartungen und Verpflichtungen, die sonst zu Hause auf sie warten. So ruhig und beschaulich wie erhofft, wird es dann jedoch nicht. Nicht nur dass das Wetter alles andere als gemütlich ist, mit den Schneemassen, die sie von der Außenwelt abschneiden, als dann auch noch der erste von ihnen tot aufgefunden wird, denkt niemand mehr ans Weihnachtsfest. Allerdings wird es nicht bei dem einen aus der Gruppe bleiben, der nicht mehr nach Hause zurückkehren wird… Misstrauen, Ängste, Zweifel, Anschuldigungen, Wut, aufgestaute Kränkungen aus der Schulzeit – es gibt so einiges an Emotionen, was für explosive Stimmung sorgt. Niemandem kann man mehr trauen, niemand ist mehr sicher. Wer von ihnen wird der nächste sein?
Durch das Setting in den Bergen, mit den Schneemassen wird eine zur Geschichte passende Atmosphäre geschaffen. Zum einen eine tolle Kulisse um ein nettes Weihnachtsfest zu verbringen, wenn die Welt um einen herum in der Stille des Schnees versinkt, die Umgebung glitzert, wenn doch mal ein paar Sonnenstrahlen rauskommen. Aber auch die perfekte Umgebung für schaurig-frostige Entwicklungen. Da die Angereisten schon bald ziemlich eingeschneit sind auf ihrem Berg, bekommt man auch nicht so viele andere Schauplätze präsentiert, nur zur Beginn der Geschichte gehen sie mal ins Dorf runter und treffen dort auf einige Bewohner, die auf sie jedoch alle ziemlich eigenwillig wirken und im späteren Verlauf noch einige Fragen und Vermutungen aufwerfen. Ansonsten bietet das Ferienhaus mit der verschneiten Umgebung allerdings auch genug Potenzial für ziemlich tödlich Entwicklungen, so dass man nicht viel anderes benötigt.
Am Anfang lernt man die Charaktere erst mal ein wenig kennen. Die allermeisten von ihnen sind zusammen zur Schule gegangen, hatten allerdings ein unterschiedlich gutes Verhältnis zueinander. Aus manchen ist dann ein Paar geworden, andere sind eher dabei, weil sie mit einem aus der Gruppe gut befreundet sind, ohne großen Kontakt zum Rest zu haben. Der Großteil der Gruppe steht kurz vor dem 30. Geburtstag, die Schulzeit liegt also schon etwas zurück, trotzdem kennen sie natürlich einige der Macken und Marotten der anderen, die auch immer mal in die Geschichte einfließen. Manchmal erinnern sie sich gegenseitig einfach daran, teilweise ziehen sie sich aber auch etwas damit auf oder sticheln herum. Früh ist spürbar, dass sich nicht alle in der Gruppe grün sind und durchaus auch Unstimmigkeiten und Unmut herrscht. Dennoch ist man zunächst bestrebt, sich ein schönes Weihnachtsfest zu machen. Die Stimmung kippt erst so richtig, nachdem der erste tot aufgefunden wird. Spekulationen, Vermutungen und Anschuldigungen dominieren dann das Geschehen. Jeder könnte irgendwie verdächtig sein. Wer hat den Toten zuletzt gesehen? Hat ihn jemand mutwillig in die Kälte geschickt? War es ein Unfall unter Alkoholeinfluss?
Umso weiter die Handlung voranschreitet, umso mehr passiert in der einsamen Berghütte. Seltsame Geräusche, zeitweise Stromausfälle, das Ausbleiben vom Internet… und noch dazu das ewige Weiß, das immer bedrohlicher draußen wird, da der Schnee gar nicht wieder aufhören will. Und es soll auch nicht bei dem einen Verstorbenen bleiben. Die Stimmung ist aufgeheizt, man sucht sich Verbündete, ist aber doch unsicher, wem man trauen kann und wer vielleicht ein falsches Spiel spielt. Die Vermutungen und Beschuldigungen gehen hin und her, jeder betrachtet die Situation auf seine eigene Weise. Auch als Zuhörer kann man miträtseln, wie alles zusammenhängt. Im Verlauf hatte ich verschiedene Verdächtige, weil es immer wieder neue Hinweise gibt und alte Geschichten aufgerollt werden, die Motive liefern könnten. Teilweise werden diese Verdächtigungen dann aber auch widerlegt oder die vermutete Person stirbt, womit sie ja automatisch ausscheidet. Die Auflösung am Ende war auf jeden Fall noch mal anders, als ich erwartet hatte. Bis dahin tun sich einige Abgründe in der Vergangenheit der Charaktere auf, so dass klar wird, dass viele etwas zu verbergen haben oder in ihrer Jugend nicht besonders umsichtig miteinander umgegangen wurde. Potenzial für Rachegefühle lauert da an verschiedenen Ecken.
Die Geschichte hat einige spannende Momente. Wodurch immer wieder Aspekte aus der Vergangenheit der Gruppe beleuchtet werden, ergeben sich neue Zusammenhänge und Möglichkeiten, wer vielleicht einen Grund gehabt hätte, den einen oder anderen aus dem Weg zu räumen. Etwa 3,5 Stunden vor Ende des Hörbuches begann die Handlung sich dann jedoch etwas zu ziehen und man dreht sich im Kreis. Obwohl viel beschuldigt und verdächtig wird, alte Geschichten ausgegraben werden und so weiter, hatte ich doch den Eindruck, man tritt auf der Stelle, obwohl das Tempo zuvor eigentlich gar nicht schlecht war und man nun einfach einen weiteren Fortgang der Handlung erwarten würde. Das war schade, weil es die gesamte Dynamik erst mal etwas ausbremst, bevor es dann am Ende noch mal an Fahrt zulegt.
Der Sprecher Uve Teschner macht einen wirklich tollen Job. Er liest sehr ausdrucksstark und mitnehmend. Die Atmosphäre der Geschichte wird gut transportiert und besonders die etwas unheimlicheren und spannenden Augenblicke werden sehr intensiv gelesen. Aber auch die verschiedenen, hochkochenden Emotionen werden sehr gut gelesen und kommen authentisch rüber. Durch zahlreiche Anpassungen in der Sprechweise, Tonlage und Betonung kann man die unterschiedlichen Charaktere sehr gut voneinander unterscheiden, so dass es auch in Dialogen leicht ist, den Entwicklungen zu folgen.
Fazit
Insgesamt gesehen schon eine spannende Geschichte, die definitiv nicht für friedliche Weihnachtsstimmung sorgt. Zwischendurch zog sich die Handlung leider etwas und man drehte sich an einer Stelle im Kreis, an der ich mir einfach mehr Tempo und Dynamik gewünscht hätte. Wie viel dunkle Vergangenheit und Rachepotenzial in der Gruppe schlummert, hätte ich zu Beginn nicht erwartet.


