![]() ©SagaEgmont | Ostseewind und Robbenküsse . Tina Keller gesprochen von Stella Bloom erschienen Juli 2024 ungekürzte Lesung: 309 Minuten . . hier geht’s zum Buchverlag → SagaEgmont . |
Liebesgeschichte mit Ostseeflair
Als Svenja von ihrer Tante um Hilfe gebeten wird, muss sie nicht lange überlegen. Eine Pension zu führen, macht zwar Arbeit, aber obendrauf gibt es für Svenja auch eine Auszeit am Meer, den Strand vor der Haustür und genug Freiraum, dort auch einige Zeit zu verbringen. Dass noch ein paar Personen aus ihrer schrägen Verwandtschaft als Aushilfen anwesend sein werden, könnte allerdings eher für zusätzliche Arbeit sorgen. Alles muss gut organisiert und abgesprochen werden, da kann nicht jeder sein eigenes Ding machen – Chaos ist also vorprogrammiert. Und es wird sogar noch etwas größer, als einer der Pensionsgäste sich als ihr Chef herausstellt.
Die Geschichte startet zunächst bei Svenja auf der Arbeit im Architekturbüro, so dass man einen kleinen Eindruck von ihr, ihrem stressigen Arbeitsplatz und auch ihrem Chef Adrian bekommt. Der wirkt nicht gerade wie jemand, auf den man ein Auge werfen sollte, verwaltet Svenja zusätzlich zu ihrer normalen Arbeit doch quasi auch noch seine Bettgeschichten, die immer wieder anrufen, meistens jedoch nicht zu Adrian durchgestellt werden dürfen. Und doch hat er irgendwas an sich, wovon Svenja sich angezogen fühlt.
Die Auszeit an der Ostsee, auch wenn sie mit Arbeit verbunden ist, kommt für Svenja wie gerufen. Sie kann raus aus ihrem Alltag, sich den frischen Ostseewind um die Nase wehen lassen und sich einfach mal mit anderen Dingen beschäftigen. Und mit der Leitung der Pension und dem „im Griff behalten“ ihrer Verwandten hat sie auch einiges zu tun. Immer wieder entsteht kleines Chaos, weil jemand seinen Pflichten nicht nachkommt, etwas nicht besorgt oder für private Angelegenheiten verbraucht wurde. Die Truppe hat aber auch viel Spaß zusammen und sie scheinen sich mit den Gästen ebenfalls gut zu verstehen – manchmal vielleicht sogar schon zu gut.
Da die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Protagonistin Svenja geschildert wird, erfährt man nicht immer, was der Rest des Pension-Aushilfsteams so treibt, wenn sie sich nicht begegnen oder davon erzählen. Dafür bekommt man jedoch detaillierte Einblicke in die Gedankengänge und Gefühle von Svenja und kann mitverfolgen, womit sie sich beschäftigt. Im Laufe der Handlung wird besonders ihre Gefühlswelt schon ganz schön auf den Kopf gestellt. Manche Aspekte, die dazu führen, waren schon recht früh in der Geschichte abzusehen. Andere Punkte waren allerdings überraschender. Dass es zu dieser Offenbarung kommt, war nicht abzusehen, für den Rest der Geschichte hätte es das vielleicht auch nicht gebraucht, aber es brachte auf jeden Fall noch mal ein paar andere Themen und Gedankengänge mit rein. Für Svenja ist es erst mal schwer, das zu verarbeiten und zu verstehen, gleichzeitig erschließen sich ihr durch diese Offenbarung aber auch ein paar Dinge, die sie zuvor für sich immer schwer greifen konnte. Ich fand es ganz gut, dass die Handlung hier noch mal etwas aufgemischt wurde, weil es dann nicht so ganz geradlinig und vorauszusehen war, was für Dingen sich Svenja an der Ostsee stellen muss.
Das Setting der Geschichte an der Küste ist natürlich toll. Immer mal wieder ist man auch am oder auf dem Meer oder am Strand, Orte, an denen ich selbst ja auch gern bin. Die im Buchtitel erwähnten Robben spielen war auch eine Rolle, ich hatte mir aber eigentlich erhofft, dass sie mehr im Fokus der Handlung stehen würden, als sie es dann taten.
Ich hätte mich auch gefreut, wenn sich die Liebesgeschichte mal aus einer anderen Situation heraus entwickelt hätte, als die, die hier eingeschlagen wurde. Es war nicht überraschend, dass es so kommen könnte, aber es ergeben sich ja durchaus auch andere Möglichkeiten, wenn man sich neuen Herausforderungen stellt. Manches ging wirklich sehr schnell und wirkte damit noch konstruierter, als ohnehin schon häufig in Liebesgeschichten. Trotzdem hat es auch Spaß gemacht, der Handlung zu lauschen und sich ein bisschen mitnehmen zu lassen, an die Ostsee, die scheinbar gleich noch eine Portion Liebe um die Nase der Figuren wehen lässt.
Die Sprecherin hat eine angenehme Klangfarbe. Einige Unterscheidungen bei den Charakteren hätte ich mir intensiver herausgearbeitet gewünscht, in manchen Passagen kamen auch die Emotionen nicht so intensiv rüber, in anderen war es jedoch toll gelesen. Die Art zu Lesen war mitnehmend und man konnte der Handlung gut folgen.
Fazit
Eine Liebesgeschichte mit Küsten-Flair, in der vieles vorhersehbar ist, manches aber doch überraschend daherkommt. Durch die Beteiligung der etwas schrägen Verwandtschaft hat man immer mal wieder Augenblicke zum Schmunzeln und „frischen Wind“, der mit reingebracht wird.


