[gelesen] Die Lichtstein-Saga 2. Andolas von Nadine Erdmann

©Greenlight Press
Andolas

Die Lichtstein-Saga 2
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Nadine Erdmann
erschienen September 2019
330 Seiten
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Greenlight Press
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spannend, Achterbahnfahrt der Gefühle, neugierig auf mehr

Achtung: zweiter Band! Vorwissen zum Lesen erforderlich. Meine Rezension kann kleine Spoiler in Bezug auf den Auftakt der Reihe enthalten.

Der Ausgang der ersten Reise steckt noch allen in den Knochen und trotzdem können die Cays sich nicht unendlich viel Zeit lassen, bis sie zum nächsten Volk aufbrechen, um um den zweiten Lichtstein zu bitten. Der Schutz muss erneuert werden, bevor es zu spät ist und die Bedrohung durch das Schattenreich nicht mehr eingedämmt werden kann.
Mit auf Reisen gehen zahlreiche Fragen, Unsicherheiten und Ängste, die die Protagonisten aus unterschiedlichen Gründen begleiten. Zusammen können sie stark sein und viel erreichen, aber sind sie auch bereit, sich einander anzuvertrauen und Schwächen zu zeigen? Und sind sie wirklich stärker als ihre Gegner?

Da es sich um den zweiten Band handelt, sollte man den Auftakt „Aquilas“ kennen, um der Handlung in diesem Buch wirklich folgen zu können. Hier und da gibt es zwar kleine Rückblenden und Hinweise auf die Ereignisse, aber eher weil sie daraus weitere Gedanken, aufgewühlte Gefühle und solche Dinge ergeben. Man kann also kleine Erinnerungslücken auffrischen, die gesamte Handlung des ersten Buches bekommt man aber nicht. Außerdem würde man sich auch viel von der Entwicklung der Protagonisten und Erklärungen zur Welt entgehen lassen, wenn man nicht mit dem Anfang startet.

Mir hat auch der zweite Band wieder unglaublich gut gefallen. Es ist eine schöne Mischung aus sehr unterschiedlichen Emotionen, Spannung, neuen Fragen die aufgeworfen werden und neuen Dingen, die man über Interria und die dort lebenden Völker erfährt.
Der Schreibstil von Nadine Erdmann ist sehr angenehm und mitnehmend. Durch detailreiche Beschreibungen kann man sich die Schauplätze gut vorstellen und bekommt einen bildhaften Eindruck von den fremden Pflanzen und Wesen. Aber auch in den gefühlvollen Passagen wurden die verschiedenen Gedanken und Gefühle für mich durch die passend gewählten Formulierungen sehr deutlich und greifbar. Ich empfand die Entwicklung der Charaktere als authentisch und mochte es sehr, dass über den Aspekt des Verlustes nicht einfach hinweggegangen wurde. Es ist etwas, was die Figuren beschäftigt, bewegt, bedrückt, was sie aus der Bahn geworfen und teilweise in eine Art Loch hat fallen lassen. Und trotz der berechtigterweise bedrückten Stimmung fühlte es sich nie zu übermächtig niederschmetternd an beim Lesen. Ich habe mit den Protagonisten gefühlt und hatte das Bedürfnis, ihnen beistehen zu wollen, es fühlte sich aber nie erschlagend, sondern einfach authentisch und nachvollziehbar an, das hat mir gut gefallen. Im weiteren Verlauf spielen aber auch die bereits vorhandenen innigen Bindungen der Figuren untereinander sowie die sich neu entwickelnden oder sich stärkenden eine Rolle. Liebe, Verbundenheit, Vertrauen, Freundschaft, Zuversicht, Hoffnung, Angst, Trauer, Neckereien, kribbelige Verliebtheit, Unsicherheit und noch viele andere Dinge sind gekonnt in die Handlung integriert und geben der Geschichte Tiefe und Komplexität. Nadine Erdmann gelingt es die einzelnen Facetten der Charaktere und der Handlung greifbar zu machen, ohne dabei sofort alles zu verraten.
Immer wieder gibt es Andeutungen und neue Hinweise, neue Fragen, die aufgeworfen werden und andere, die beantwortet werden. Interessant fand ich auch die neuen Dinge, die man über Interria erfahren hat, sowohl was die Pflanzenwelt, als auch was die dort lebenden Wesen angeht. Dabei sind einige wirklich nützlich oder total herzerwärmend, anderen möchte man lieber nicht begegnen. So entsteht eine abwechslungsreiche Mischung aus Gefahren und möglichen Verbündeten, die sich im Laufe der Reihe sicher noch erweitern wird.

Während des Buches werden verschiedene Figuren und Personengruppen begleitet. Das gibt den Lesern die Möglichkeit Einblicke in unterschiedliche Gedankengänge und Gefühlslagen der Protagonisten zu erhalten und deren Entwicklung mitzuverfolgen. Neben den Cays und ihrer Klostergemeinschaft gibt es aber auch Abschnitte, die bei den „Bösewichten“ spielen. Bei deren Planungen zuzuschauen und zu erfahren, wie weit sie mit ihren Vorhaben sind, sorgt für ungute Vorahnungen und fieses Kribbeln im Nacken und erzeugt gleichzeitig zusätzliche Spannung.
Besonders ins Herz geschlossen habe ich die vier Cays, Ari, Kaelan, Noah und Liv. Sie sind alle sehr verschieden und ergänzen sich auch deswegen total gut. Durch ihre besondere Verbindung hat man immer wieder sehr schöne und gefühlsintensive Momente im Buch, die auch zeigen, wie die Protagonisten ticken und was ihnen wichtig ist. Ich mag aber auch die Nebencharaktere, die die Cays begleiten sehr gern. Es ist eine facettenreiche Figurenmischung, bei der jeder seine Stärken beitragen kann, bei der aber auch auf die Schwächen Rücksicht genommen wird.

Die Reise zum zweiten Lichtstein ist geprägt von Spannung, Stolpersteinen, Herausforderungen und ganz persönlichen Hürden. Aber auch von Freundschaft, Zusammenhalt und dem Willen, die Aufgabe erfolgreich zu erledigen. Die Gedanken und Gefühle, die dabei aufkommen, sind vielfältig und bringen auch immer wieder Gesprächsbedarf mit sich. So hat man neben den spannenden und turbulenten Augenblicken auch immer wieder Raum für die Figuren, sich zu entwickeln, sich den Kopf gerade rücken zu lassen, einander näher zu kommen, sich aufzufangen, wenn die Gedanken zu düster werden, sich gegenseitig zu stärken und so hoffnungsvoll wie möglich in die Zukunft zu sehen. Dabei entstehen sehr berührende und schöne Momente, die ich genauso mochte wie die gefährlichen Szenen oder die informativen Abschnitte.

Fazit

Ein toller, spannender, gefühlvoller, abwechslungsreicher zweiter Band, der einen noch intensiver in die Welt Interria eintauchen lässt und einem die Figuren noch näher bringt. Man lernt sie besser kennen, es ergeben sich neue Zusammenhänge und Hintergrundgeschichten, die es noch schöner machen, die Entwicklungen der Figuren zu verfolgen. Am Ende des Buches bleiben einige Fragen offen, die neugierig machen auf die Fortsetzung, die gleichzeitig aber auch dafür sorgen, dass man ein ungutes Gefühl bekommt, was die wachsende Bedrohung angeht.

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