[gelesen] Kim Kestner – AnimA – Schwarze Seele, weißes Herz

© Arena

AnimA – 
Schwarze Seele, weißes Herz

Autor: Kim Kestner
erschienen Februar 2016
Verlag: Arena
ISBN: 978-3-401-60252-3  

spannend, facetternreich, emotional

Acadia ruft! Abby und ihre Familie sind auf dem Weg in
die Ferien. Im liebgewonnenen Park kann man die Seele baumeln lassen,
ausgedehnte Wandertouren machen, den Wellen zuschauen, wie sie an die Küste
rollen oder alte Bekannte treffen, die, genau wie Familie West, jedes Jahr
wieder kommen. Noch dazu steht Abbys 18. Geburtstag an, der Sommer könnte also
kaum schöner werden. Doch dieses Mal ist vieles anders in Acadia. Ein
Illusionist soll für Unterhaltung sorgen und wirbelt die Besucher, im wahrsten
Sinne des Wortes, ganz schön durcheinander.
Eine dunkle Macht ergreift besitzt von den Leuten und
niemand scheint es aufhalten zu können. Ärger, Frust, Hass, Wut, Neid, alle
dunklen Gefühle werden hervorgerufen und lassen die Menschen ihre Werte und
Moral vergessen. Ein ganzer Nationalpark außer Rand und Band. Alle sind
betroffen, – alle bis auf Abby.

Autorin Kim Kestner hat mich bereits auf den ersten
Buchseiten gepackt und dann mitgenommen auf eine abenteuerliche Reise. Durch
die liebevollen, detaillierten Beschreibungen wird die Welt lebendig. Trotz der
Ortswechsel findet man sich schnell zurecht, man bekommt einen guten Überblick
und hat das Gefühl, hautnah dabei zu sein und durch Abbys Augen sehen zu
können. So erlebt man die Umgebung mit all ihren Facetten und Besonderheiten.
Auch die Emotionen sind wundervoll dargestellt. Zwischen
Juspinn und Abby ist eine unglaubliche Anziehungskraft, begleitet von einem
Knistern, Begierde, Unsicherheit, Verzweiflung und einer unstillbaren Hoffnung.
Im Verlauf der Geschichte fahren die Gefühle Achterbahn, ohne Notbremse. Die
beiden Protagonisten müssen in sich hinein hören, über sich hinaus wachsen und
entscheiden, ob sie bereit sind, dem anderen eine Tür in der Schutzmauer zu
öffnen.
Abby ist wie ein kleiner Engel auf Erden. Ihre Seele ist
rein und unschuldig, sie hilft den anderen, stellt die eigenen Wünsche zurück,
fällt nicht negativ auf und erträgt fast wortlos die gemeinen Sticheleien von
ihrer Schwester Virginia. Und trotzdem oder gerade deswegen gerät sie in die
Fänge des Bösen.
Ihre Veränderung ist im Laufe des Buches deutlich
spürbar. Besonders durch die Ich-Perspektive erlebt man intensiv mit, wie sich
ihr Denken und Fühlen wandelt, was an Bedeutung gewinnt und was an Ansehen
verliert, wieso sie zweifelt, was sie antreibt und bewegt. Abby muss einen
harten, steinigen Weg bestreiten, auf dem es Hürden und Hindernisse gibt, von
denen sie selbst wohl nicht erwartet hätte, dass sie einmal auf sie zukommen.
Juspinn hingegen ist nicht so leicht zu durchschauen. Er
ist geheimnisvoll und düster, unnahbar, manchmal wortkarg und kühl, teilweise
scheint es, als würde er die normalsten Dinge nicht kennen, dann aber zeigt er,
wie weltgewandt und gut informiert er ist. Nach und nach bekommt man einen
Eindruck von seinem facettenreichen Charakter, der so viel mehr zu bieten hat,
als man auf den ersten Blick erkennen kann. Auch von ihm gibt es zwischendurch
kleine Einschübe in der Ich-Perspektive, die sehr aufschlussreich sind und
einen Eindruck von seinem Innenleben vermitteln. Manchmal habe ich mich
geärgert, dass es so wenige sind, gleichzeitig erhöht es aber auch die Spannung
und die geheimnisvolle Stimmung der Geschichte.
Bereits auf dem wunderschönen Cover ist es erkennbar:
Schwarz und Weiß bzw. Gut und Böse spielen eine zentrale Rolle im Buch. Im
Laufe der Geschichte werden unterschiedliche Fragen dazu aufgeworfen, die einen
zum Nachdenken bringen. Was ist gut, was ist böse, braucht man nur eines oder
doch gar beides, wie bedingt es sich, ist es nicht vielleicht sogar nützlich,
dass es beide Seiten gibt. Und obwohl schnell klar wird, dass es mehr als nur Weiß
und Schwarz gibt und besonders die ganzen Zwischentöne so interessant sind,
grübelt man zwischendurch über verschiedene Dinge nach. Sehr viel Raum zum
Durchatmen und Nachdenken lässt einem die Handlung allerdings nicht. Es ist
durchweg spannend und wird zunehmend temporeicher. Durch überraschende
Wendungen verändert sich die Situation, in der sich die Protagonisten befinden
und man muss sich neu orientieren, weitere Dinge in Betracht ziehen und viele
der bisherigen Gedanken über den Haufen werfen. Immer wieder wird es sehr
emotional und man möchte den Figuren am liebsten die Hand reichen, etwas Kraft
und Trost spenden.
Eine tolle, abwechslungsreiche Geschichte, die nicht nur
spannend, emotional und facettenreich ist, sondern einen gleichzeitig auch zum
Nachdenken bringt.

Vielen Dank an den Verlag für das bereitgestellte
Rezensionsexemplar im Rahmen der Leserunde!

5 thoughts to “[gelesen] Kim Kestner – AnimA – Schwarze Seele, weißes Herz”

    1. Hallo Diana,
      es gibt schon religiöse Hintergründe, aber ich fand es jetzt nicht aufdringlich oder übermäßig. Ich selbst bin auch gar nicht gläubig und fand es beim Lesen nicht störend. Aber das muss jeder dann doch für sich selbst entscheiden. Manch einer kann es ja auch nicht so ausblenden und hält sich daran dann auf…
      Gruß Dana

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