Hallo zusammen,
heute möchte ich euch etwas zeigen, was ich total gern mache, aber tatsächlich das ganze letzte Jahr nicht geschafft habe, obwohl zwei Kartons mit passenden Büchern bereitstehen und ich noch ganz viele Motivideen habe:
Bücherfalten
Der Beitrag ist schon lange überfällig, ich wurde schon ein paar Mal danach gefragt (sorry, Tanja) und dachte eigentlich, dass ich auch schon angefangen hatte, etwas zu schreiben (hab nix gefunden).
Ich möchte euch jetzt hier keine große Anleitung vorstellen, davon gibt es genug Videos und Beschreibungen im Internet.
Aber ich erzähle euch, wie ich damit angefangen habe und welches Material ich am liebsten dafür verwende.
Wie ich dazu kam:
Durch puren Zufall war ich im Internet auf das Cover vom Buch Kirimoto® & Orimoto® von Dominik Meißner gestoßen. Den GELESEN-Schriftzug fand ich so toll, den musste ich haben. Also ab in die Bib, wo das Buch zufällig verfügbar war, und los ging es. Die Anleitungen im Buch sind dank vieler Schritt-für-Schritt-Bilder leicht verständlich und das Buch enthält einen Code, über den man nicht nur die Vorlagen für die enthaltenen Motive bekommt, sondern sich auch diverse Anleitungsvideos zu verschiedenen Techniken anschauen kann, was ich super hilfreich fand. Wenn man dann ein wenig mit den verschiedenen Falt- und Schnittmethoden rumprobiert, ist es kein Hexenwerk mehr. Allerdings hatte ich teilweise das Gefühl, dass die Beispielfotos gar nicht mit der beschriebenen Technik übereinstimmen. Meistens sieht man dem Motiv aber an, welche Technik benutzt wird, wenn man sich ein wenig damit beschäftigt hat.
Nachdem der Gelesen-Schriftzug fertig war, konnten die Bücher (Orimoto® hatte ich mir auch noch ausgeliehen und mir die Beispiele angeschaut) zurück und ich habe munter weitergefaltet.
Anfangs habe ich nach den Vorlagen aus den Büchern gearbeitet, später habe ich angefangen, eigene Vorlagen zu erstellen – Anleitungen dafür findet ihr ebenfalls zahlreich im Internet. Letztlich reicht dafür ein Bildbearbeitungsprogramm und Excel (oder etwas Vergleichbares). Es gibt aber auch Seiten im Internet, auf denen man (teils kostenpflichtig) Vorlagen erstellen kann.

(dass die Schrift nicht mittig im Buch ist, stört mich gewaltig, da achte ich nun immer drauf)
Man kann entweder nur falten, oder verschiedene Techniken aus Schneiden und Falten kombinieren.
Ich bevorzuge die 180°-Faltung, bei der geschnitten und der Bereich dann weggefaltet wird, weil damit filigrane Motive möglich sind. Das dauert dann aber auch gern mal etwas länger.
Mein Vorgehen: alle Seiten vorprägen, je nach Technik und Ebenenanzahl erst einmal falten und dann anzeichnen, oder erst alle anzeichnen, dann nacheinander schneiden und falten.



Tasse auf Buch dürfte ungefähr 15h gedauert haben (da ich nebenbei Hörbuch höre, ist das ein bisschen nachvollziehbar. Auf die Uhr schaue ich aber nicht.)
Motive wie das Herz sind relativ schnell gemacht, hier wurde nur mit der 45°-Faltung gearbeitet.

Welches Material ich nutze:

Ich habe verschiedene Dinge ausprobiert, und das hat sich bewährt:
– ein Metalllineal (meine Plastiklineale waren irgendwann nicht mehr gerade, nachdem ich mit verschiedenen Falzwerkzeugen gearbeitet habe)
– je nach Technik ein großes Geodreieck
– etwas zum Falzen – ein leerer Kugelschreiber geht, aber mich hat genervt, dass auf jeder 10. Seite dann plötzlich doch wieder ein Strich war und bin daher zu einem dünnen Prägestift übergegangen übergegangen
– ein dünner Stift zum Anzeichnen – ich nehme am liebsten einen Druckbleistift und habe auch einen kleinen Radierstift dazu. Ein Fineliner geht auch, je nach Technik und wie sauber man arbeitet, sieht man aber vielleicht die Striche später
– eine Schere – ich suche immernoch nach einer zarteren Schere
– und, absoluter Gamechanger: ich liebe das Prägelineal von Jubelart (über ihre Instagram-Seite erhältlich), mit dem man direkt mehrere Ebenen in einem Durchgang vorprägen kann, ohne das Lineal oder Geodreieck mehrfach ansetzen zu müssen
– dazu braucht es dann noch ein Skalpell – dieses stumpf zu bekommen, hat mich einige Nerven gekostet
– und natürlich ein passendes Buch – am besten Hardcover, die Seitenzahl richtet sich nach dem Motiv, meistens nutze ich zwischen 350 und 500 Seiten
– eine Faltvorlage
– ein Buch zum Testen – dafür nutze ich ein aussortiertes Taschenbuch, wo ich einfach mal 5-10 Seiten testfalte, wenn ich eine neue Technik probieren will oder schauen will, ob verschiedene Ebenen funktionieren. Meist reichen ein paar Seiten schon für einen ersten Eindruck, ob es so klappt, wie ich es mir vorgestellt hatte

Habt ihr es selbst schon probiert oder jetzt Lust bekommen, Bücherfalter:in zu werden? 😉


